Guatemala Verzweifelte Suche im Schlamm


Nach den dramatischen Erdrutschen haben Rettungskräfte in einem Dorf in Guatemala verzweifelt nach den Leichen von bis zu 1500 im Schlamm begrabenen Menschen gesucht.

Sie arbeiteten sich bereits den dritten Tag in Folge mit Schaufeln, Spaten und Spitzhacken durch die teils zwölf Meter dicken Schlamm- und Geröllmassen in dem Maya-Dorf Panabaj. Sie sahen aber kaum mehr Hoffnung mehr auf das Finden von Überlebenden. Der Bürgermeister der Gemeinde Santiago Atitlan, zu der auch Panabaj gehört, sagte, die etwa 1000 bis 1500 Bewohner des Dorfes seien wohl alle unter dem Schlamm begraben. Die Behörden erwägen mittlerweile, die Suche aufzugeben und das Gebiet zu einem Massengrab zu erklären. In einer weiteren Schlammlawine sollen unbestätigten Angaben eines Behördenvertreters zufolge in dem Dorf Tacana nahe der mexikanischen Grenze 300 Menschen ums Leben gekommen sein. Anhaltende Regenfälle haben die Lage in den Katastrophengebieten weiter erschwert und die Bergungsarbeiten behindert.

Nach dem Gesetz des Landes ist die Suche nach Überlebenden aus Gesundheitsgründen in den Tropen auf 72 Stunden begrenzt. Nach tagelangen heftigen Niederschlägen infolge von Hurrikan "Stan" waren bereits am Mittwoch Tonnen an Erdmassen die Hänge eines Vulkans bei Panabaj herabgestürzt und hatten das Dorf unter sich begraben. Die Rettungskräfte erreichten aber das Gebiet erst am Freitag.

"Es wird ein großer Friedhof werden, weil wir nicht ausreichende Hilfe bekamen, als diese Tragödie geschah", sagte Bürgermeister Diego Esquina. Es handelte sich um eine der schwersten Unglücke der vergangenen Jahre in Mittelamerika, das immer wieder von Naturkatastrophen wie Erdbeben, Vulkanausbrüchen und Hurrikanen heimgesucht wird.

"Ich arbeite jetzt schon drei Tage hier. Ich weine um meine Brüder, Schwestern und Kinder. So etwas habe ich in meinem 73-jährigen Leben noch nicht gesehen", sagte ein weinender Mann, der in den Schlammmassen nach Vermissten grub. Der Chef des nationalen Katastrophenschutzes, Hugo Hernandez, sagte am Sonntag auf Anfrage lediglich, in Guatemala gebe es 519 bestätigte Todesfälle. Alles weitere sei unverantwortliche Spekulation. Indessen lag die Zahl der Toten nach Berechnungen der Bürgermeister aus dem Grenzgebiet Guatemalas mit Mexiko um 285 über der offiziell angegebenen Zahl von 519 Toten in Guatemala, also bei 804. Ein Sprecher der Feuerwehr hatte am Samstag erklärt, insgesamt seien 1400 Menschen getötet worden oder würden noch vermisst. "Es gibt keine Überlebenden mehr. Es ist vor mehr als 48 Stunden passiert. Sie sind tot", fügte er hinzu.

"Stan" war am Dienstag über Mittelamerika hinweggefegt. Infolge der heftigen Niederschläge traten viele Flüsse über die Ufer. Zudem kam es vielerorts zu Erdrutschen. Auch in den südmexikanischen Bundesstaaten Chiapas, Veracruz, Oaxaca und Tabasco werden noch immer viele Menschen vermisst. Tausende Häuser sind zerstört, zehntausende beschädigt, Straßen und Brücken sowie Eisenbahnlinien sind unterspült. Das von Überschwemmungen und einem Vulkanausbruch heimgesuchte El Salvador war am Freitag zusätzlich von einem starken Erdbeben erschüttert worden. In El Salvador kamen nach letzten Mitteilungen etwa 80 Menschen ums Leben.

Reuters/DPA DPA Reuters

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