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Hochhausbrand in London: Augenzeugen berichten: "Sie warfen einfach ihre Kinder herunter"

Beim schweren Hochhausbrand in London haben sich viele Bewohner in letzter Sekunde vor den Flammen gerettet, andere starben hingegen. Augenzeugen berichten von dramatischen Szenen.

Noch ist der gewaltige Hochhausbrand im Londoner Westen nicht ganz gelöscht. Die Katastrophe hat zahlreichen Menschen das Leben gekostet, die Polizei geht von mindestens sechs Toten aus. Dutzende Bewohner des 24-stöckigen Gebäudes, in dem 600 Menschen lebten, wurden verletzt. Das Feuer war gegen Mitternacht ausgebrochen und zerstörte das ganze Hochhaus. Zahlreiche Bewohner, die sich mit letzter Not vor den tödlichen Flammen retteten, berichteten von grausamen Szenen, die sich in dem Inferno abspielten.

Laut Augenzeugenberichten sollen Menschen in ihrer Verzweiflung aus Fenstern und von Balkonen gesprungen sein oder an zusammengeknoteten Bettlaken herunter geklettert sein. Eltern sollen Kinder aus den Fenstern geworfen und geschrien haben: "Rettet meine Kinder".

Zeugin in London: Sie warfen Kinder runter

Eine Zeugin mit Namen Tamara, die in der Nachbarschaft des Hochhauses lebt, berichtete der BBC: "Gegen halb eins rief mich meine Mutter und sagte, dass da draußen ein Feuer sei. Als ich da war war, brannte schon die ganze rechte Seite des Hochhauses. Alles war von Flammen umschlossen. Wir konnten Menschen schreien hören 'Helft uns'. Also sind mein Bruder, ich und einige Nachbarn zum Haus rübergerannt, da wo es sicher war. Da waren Menschen, die ihre Kinder rausgeworfen haben: 'Rettet meine Kinder', haben sie gerufen."

Ein Feuerwehrmann blickt auf den lichterloh brennenden Grenfell Tower in London

Ein Feuerwehrmann blickt auf den Grenfell Tower in London


Und weiter: "Die Feuerwehr, die Polizei und die Sanitäter konnten nichts machen, sie kamen nicht in das Gebäude. Den eingeschlossenen Menschen haben sie zugerufen, dass sie an Ort und Stelle bleiben sollen. 'Wir kommen rein und holen euch'. Aber das Feuer wurde ganz schnell immer größer, so dass sie gar keine Chance mehr hatten, in das Haus zu kommen. Eine Viertelstunde später stand das ganze Hochhaus in Flammen und da waren immer noch Leute hinter den Fensterscheiben, die riefen 'Helf uns'. Man konnte sehen, wie die Flammen sich in ihren Wohnungen ausbreiteten, bis in das Zimmer, wo sie standen." 

Ein Mann namens Michael Paramarsivan erzählte der Zeitung "Daily Mail", wie er seine Frau und die fünfjährige Tochter aus dem Inferno rettete: "Uns wurde von den Leuten gesagt, die im Haus herumrannten, dass da ein Feuer sei und wir nasse Handtücher an die Türschwelle legen und abwarten sollten. Wenn wir das getan hätten, wären wir alle tot. Ich habe keine Stunde gewartet."

"Stockwerk für Stockwerk platzten die Fensterscheiben"


In dem Video der BBC bericht ein weiterer Zeuge, wie er sich und seine Familie vor dem Feuer rettete.

Die Übersetzung: "Zwischen 1 Uhr und 1.30 Uhr habe ich und meine Freundin im Bett gelegen und schon halb geschlafen. Wir haben ein sechsjähriges Kind, das im Nebenzimmer schlief. Plötzlich habe ich Plastik gerochen. Daraufhin habe ich alle Kabel und Steckdosen der Wohnung überprüft - aber nichts gefunden. Der Geruch war aber noch da. Dann wollte ich in der Küche eine Zigarette rauchen. Als ich das Fenster öffnete, hörte ich Schreie gehört: 'Es wird größer, es wird größer!' Ich wusste sofort, dass etwas wirklich nicht in Ordnung ist. Durch den Türspion habe ich Rauch im Hausflur gesehen. Als ich in Boxershorts die Tür öffnete, schrien alle Nachbarn: 'Raus, raus, es brennt!' Also habe ich meine Kleidung geschnappt, meine Freundin und die Sechsjährige geweckt. Gemeinsam sind wir durchs Treppenhaus an den vier Stockwerken vorbei, die schon branten. Als wir draußen am Hochhaus hochschauten, kam es mir wie in einem Film vor. Das Haus stand in Flammen und das Feuer beitete sich ich immer schneller aus. Stockwerk für Stockwerk platzten die Fensterscheiben. Hinter anderen Fenstern hämmerten Bewohner an die Scheiben und riefen: 'Holt uns raus, holt uns raus!" Dann platzen auch ihre Fensterscheiben. Es war wie in einem Horrorfilm gewesen. Ich bin noch immer geschockt. "


tis/tkr