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Ausgrabungen: Sensationsfund in Marokko: Homo sapiens viel älter als gedacht

Es ist ein Sensationsfund: In Marokko haben Forscher Knochen gefunden, die belegen, dass der Homo sapiens 100.000 Jahre älter ist als bisher angenommen - und uns verblüffend ähnlich sah.

Der französische Wissenschaftler Jean-Jacques Hublin und der Sensationsfund: Der Schädel des Homo sapiens.

Der französische Wissenschaftler Jean-Jacques Hublin und der Sensationsfund: Der Schädel des Homo sapiens.

Der Mensch hat weitaus früher gelebt als bisher gedacht. Knochenfunde in Marokko machen den frühen Homo sapiens nach Angaben von Wissenschaftlern am Max Planck Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig auf einen Schlag rund 100.000 Jahre älter. Es handele sich um den "ältesten jemals in Afrika oder anderswo entdeckten Homo sapiens", sagte französische Forscher Jean-Jacques Hublin.

Ausgegraben wurde er bei Jbel Irhoud im Nordwesten Marokkos. Die bislang ältesten Funde stammten aus Äthiopien und wurden auf rund 195.000 Jahre datiert. Hublin sprach von "bedeutenden" Funden. Besonders bemerkenswert seien ein "menschliches Antlitz" und ein "Unterkiefer, wahrscheinlich der schönste Unterkiefer eines afrikanischen Homo sapiens".

Homo sapiens hatte Gesicht des heutigen Menschen

Der französische Wissenschaftler Jean-Jacques Hublin und der Sensationsfund: Der Schädel des Homo sapiens.

Der französische Wissenschaftler Jean-Jacques Hublin und der Sensationsfund: Der Schädel des Homo sapiens.

Die Forscher veröffentlichten zu dem Sensationsfund zwei Studien im renommierten Wissenschaftsmagazin "Nature". "Das Gesicht eines dieser frühen Homo sapiens ist das Gesicht von jemandem, den man in der U-Bahn treffen könnte", sagte der Paläontologe. Trüge er einen Hut, wäre er von heutigen Zeitgenossen nicht zu unterscheiden. Die Schädelhöhle unterscheide sich dagegen noch klar von der des heutigen Menschen. Es sei noch ein langer evolutionärer Weg "bis zur modernen Morphologie", sagte Hublin, der auch am Collège der France arbeitet.

Der Fundort Jbel Irhoud liegt in der Region Safi, rund 400 Kilometer südlich der marokkanischen Hauptstadt Rabat. Die Grabungsstelle hat für Archäologen große Bedeutung. Bereits 1968 wurden dort die Reste eines Homo-sapiens-Kindes gefunden, genannt Irhoud 3. Es wurde anfangs auf 40.000 Jahre, später auf 160.000 Jahre datiert. Hublin kamen jedoch Zweifel an der Altersbestimmung. Im Verlauf von neuen Grabungen seit 2004 wurden auch die nun mit neuen Datierungsmethoden bestimmten Funde zutage gefördert.

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wue / AFP