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Hurrikan: "Mean Jeanne" trifft Florida mit voller Wucht

Nach seinem Zerstörungszug durch die Karibik hat Hurrikan "Jeanne" mit voller Wucht den US- Bundesstaat Florida heimgesucht und mindestens sechs Todesopfer gefordert.

In Miami sei ein Mann an den Folgen eines Stromschlages durch eine zerrissene Leitung gestorben, berichtete die Tageszeitung "Miami Herald" unter Berufung auf die Polizei. Zwei Menschen starben bei einem Verkehrsunfall, ein Junge wurde von einem umstürzenden Baum erschlagen, mindestens ein Mann ertrank. Nach Angaben der Behörden waren mehr als eine Million Menschen ohne Strom. Die Reparatur kann nach Angaben des Energieunternehmens wegen des Mangels an qualifizierten Mitarbeitern bis zu drei Wochen dauern.

Regierungsstellen und US-Fernsehsender berichteten von erheblichen Schäden an Häusern nach sturzflutartigen Regenfällen und gewaltigen Sturmböen von mehr als 190 Stundenkilometern. Bis zu 16 Zentimeter Regen prasselten an vielen Stellen nieder und verwandelten Straßen in reißende Flüsse mit Knie hohem Wasser. Auf dem Atlantik wurden Wellen mit einer Höhe von 7,20 Metern registriert, in der Brandung schwammen Trümmer von Mobilhäusern.

Vorbereitungen von Raketenstarts gestört

Im US-Raumfahrtzentrum in Cape Canaveral richtete der Sturm zwar ebenfalls Schäden an, insgesamt blieben die Beschädigungen aber hinter den Befürchtungen zurück. Auf dem gesamten Gelände waren am Sonntag Teile von abgerissenen Dachbedeckungen zu sehen, und in dem 158 Meter hohen Montagegebäude klafften einige Löcher. Doch die Verantwortlichen der NASA hatten Schlimmeres befürchtet. "Wir hatten gerade einen Dankgottesdienst, da wir uns alle erleichtert fühlten, dass die Sache so für uns abgegangen ist", erklärte NASA-Sprecher George Diller.

"Jeanne" war bereits der dritte Hurrikan innerhalb eines Monats, der über das Kennedy Space Center in Florida hinweggefegt ist. Die Wirbelstürme haben die NASA in ihren Vorbereitungen auf eine Wiederaufnahme der Raumfährenflüge um Wochen zurückgeworfen. Der Start der ersten Raumfähre seit dem Absturz der "Columbia" am 1. Februar 2003 im Frühjahr kommenden Jahres ist gefährdet. Vermutlich in der kommenden Woche wird die Entscheidung darüber fallen, ob der Start der Raumfähre "Discovery" wie geplant im März oder April erfolgen kann.

"Jeanne" verlor an Kraft

Auf seinem Zerstörungszug durch Florida verlor "Jeanne" im Laufe des Sonntags weiter an Kraft und wurde von einem starken Hurrikan der Kategorie 3 auf die Stufe 1 herab gestuft. Dennoch rief der benachbarte Bundesstaat Georgia vorsorglich den Ausnahmezustand aus.

"Mean Jeanne" ("die böse Jeanne") hatte bereits in Haiti eine Spur der Verwüstung gezogen und etwa 1300 Menschen getötet. Danach war der Hurrikan am Samstagnachmittag auf die Bahamas-Inseln geprallt. Eine Sturmflut von bis zu zwei Meter sorgte dort vielerorts für Überschwemmungen. Offenbar gab es aber wie durch ein Wunder weder Tote noch Verletzte.

Drei Millionen Menschen sollten sich in Sicherheit bringen

"Jeanne" war zehn Minuten vor Mitternacht (Ortszeit) in dem Gebiet um Stuart an der Ostküste Floridas mit voller Wucht auf Land getroffen. Es war nahezu die gleiche Region und die gleiche Uhrzeit wie bei Hurrikan "Frances" vor drei Wochen. Solche Parallelen hat es nach Angaben des Hurrikan-Zentrums seit Beginn der Aufzeichnungen 1851 nicht gegeben.

Die Behörden hatten zuvor drei Millionen Menschen aufgefordert, sich in Sicherheit zu bringen. Trotz unablässiger Warnungen zeigten sich weite Teile der Bevölkerung aber "Hurrikan-müde" und kamen der Aufforderung zur Evakuierung nicht nach.

Weil schon nach Eintreffen der ersten Ausläufer des Tropensturmes für 270 000 Menschen die Stromversorgung zusammenbrach, verbrachten viele Daheimgebliebene eine "gespenstische Nacht" im Dunkeln und ohne Fernsehen.

Floridas Gouverneur Jeb Bush versprach den Betroffenen in den kommenden Tagen schnelle Hilfe. Er bat seinen Bruder, US-Präsident George W. Bush, Florida zum vierten Mal in sechs Wochen zum Katastrophen-Zentrum zu erklären, damit rasch zusätzlich Hilfe für die Leid geprüfte Bevölkerung zur Verfügung gestellt werden kann.

DPA