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Katastrophe im Iran "Sie waren die freundlichsten Seelen, die ich kannte": Frisch vermähltes Paar stürzt mit Flug PS752 ab

Vor dem Parlamenstgebäude in Edmonton haben Trauernde eine kleine Gedenkstätte für die Absturzopfer errichtet
Vor dem Parlamenstgebäude in Edmonton haben Trauernde eine kleine Gedenkstätte für die Opfer des Flugzeugabsturzes im Iran errichtet. Unter den Fotos ist auch eine Aufnahme von Arash Pourzarabi und Pouneh Gorji auf ihrer Hochzeit.
© Codie McLachlan / Picture Alliance
Arash Pourzarabi und Pouneh Gorji waren von Kanada aus in den Iran geflogen, um dort zu heiraten. Doch was zur glücklichsten Reise ihres Lebens werden sollte, endete in einer Tragödie.

Als Arash Pourzarabi und Pouneh Gorji einander versprachen, den Rest ihres Lebens gemeinsam zu verbringen, ahnten der 26-jährige Bräutigam und seine ein Jahr jüngere Braut nicht, dass dieses nur noch sieben Tage dauern würde. Das Paar aus Edmonton, der Hauptstadt der kanadischen Provinz Alberta, hatte am 1. Januar in Teheran geheiratet. Eine Woche später bestiegen die Frischvermählten Flug PS752 der Ukraine International Airlines, um zurück in ihre Heimat zu fliegen. Nur zwei Minuten nach dem Start stürzte die Maschine ab und die Träume der beiden von einer gemeinsamen Zukunft zerschellten auf einem offenen Feld nahe dem Teheraner Vorort Parand.

Weitere Hochzeitsgäste unter den Toten

"Sie waren die freundlichsten Seelen, die ich kannte", zitierte die kanadische "National Post" Amir Forouzandeh, einen Freund des Paares. Pourzarabi und Gorji hätten sich sehr auf ihre Hochzeit gefreut, er könne ihre Liebe "nicht einmal ansatzweise beschreiben". "Wenn man sie auch nur einmal getroffen hat, wusste man, dass die beiden zusammengehören", sagte Forouzandeh der Nachrichtenseite. "Wir wussten alle, dass sie am Ende zusammenkommen würden, es war nur eine Frage der Zeit."

Forouzandeh hatte dem Bericht zufolge nicht an der Hochzeit seiner Freunde teilnehmen können - und ist womöglich nur deshalb noch am Leben. Denn unter den 176 Todesopfern des Absturzes sind auch mehrere Mitglieder der Hochzeitsgesellschaft.

"Wir wissen, dass eine Reihe von angesehenen Einwohnern Albertas an Bord dieses Fluges waren, darunter Professoren der Universität von Alberta, ein Doktor der Medizin, Mitglieder ihrer Familien", sagte der Ministerpräsident der Provinz, Jason Kenney, nach der Katastrophe am Mittwoch. "Viele von ihnen waren in den Iran gereist, um an der Hochzeit von Doktoranden der Universität von Alberta teilzunehmen, Arash Pourzarabi und Pouneh Gorji, die mit Freunden und Familie dort waren, viele von ihnen Kommilitonen aus der Universität von Alberta."

Neue Aufnahmen zeigen offenbar den Abschuss der ukrainischen Passagiermaschine nahe Teheran.

Zu diesen Kommilitonen gehörte auch Farnaz Kohankhaki, die schon seit der Highschool eng mit Gorji befreundet war, wie das kanadische Nachrichtenmagazin "MacLeans" berichtet. Kohankhaki sei nach der Hochzeit in Teheran ein paar Tage früher nach Edmonton zurückgeflogen und könne es immer noch nicht fassen, dass sie ihre Freundin nie mehr wiedersehen werde.

"Es war eine große Hochzeit", erinnerte sich Kohankhaki im Gespräch mit "MacLeans" an die Feierlichkeiten. "Sie waren sehr glücklich." Pourzarabi und Gorji hätten sich vor fünf Jahren kennengelernt, als sie an der gleichen Universität in Teheran studierten. 2017 seien sie dann gemeinsam an die Universität von Alberta gewechselt und hätten dort ihren Master-Abschluss in Informatik gemacht. Die meisten ihrer Verwandten seien im Iran geblieben.

Der Verlust habe die iranischen Studenten der Universität schwer getroffen, berichtet "MacLeans". Sie betrachteten sich als Familie, weil die meisten ihrer Blutsverwandten fast 10.000 Kilometer entfernt lebten. In ihrer kleinen Gruppe von Freunden, die zur Familie geworden seien, hätten Pourzarabi und Gorji laut ihren Freunden eine freundliche Elternrolle gespielt. "Sie haben sich immer um alle gekümmert und dafür gesorgt, dass alle eine gute Zeit haben, dass alle sicher sind", zitierte das Magazin Mahdi Rahmani Hanzaki, einen weiteren Freund des Paares.

Mindestens 30 Todesopfer aus Alberta

Neben Arash Pourzarabi und Pouneh Gorji waren nach Aussage von Premierminister Justin Trudeau 136 weitere Passagiere von Flug PS752 auf dem Weg nach Toronto — kanadische Staatsbürger sowie Dutzende ausländische Studenten und Nichtkanadier, die das Land als ihr Zuhause betrachteten. Mindestens 30 davon lebten laut Ministerpräsident Kenney in Alberta und von diesen wiederum sollen mindesten 13 aus Edmonton kommen, wie die kanadische Nachrichtenseite "Global News" unter Berufung auf Mitglieder der iranischen Gemeinde der Stadt berichtete. Insgesamt 57 Kanadier seien bei dem Absturz getötet worden, sagte Außenminister François-Philippe Champagne am Freitag bei einer Pressekonferenz. Zunächst war die Regierung von 63 getöteten Kanadiern ausgegangen. 

Payman Parseyan, Mitglied dieser iranischen Gemeinde, sagte "MacLeans", der Absturz der Maschine habe zu einem Verlust von etwa einem Prozent der iranischen Gesamtbevölkerung Edmontons geführt. Es sei eine kleine Gemeinde mit vielen wiedererkennbaren Gesichtern, ergänzte Reza Akbari, Präsident der Iranian Heritage Society in Edmonton. Und die Geschichten und vorzeitig beendeten Leben der Opfer hallten durch die Trauer derer nach, die sie kannten. "Es ist schwer überhaupt zu glauben, dass so etwas passiert ist."

Quellen: "National Post""MacLeans""Global News", CTV News, "Edmonton Journal"


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