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Jahrestag des Erdrutsches Gab es geheime Militärbunkeranlagen bei Nachterstedt?


Die Bergbausanierungsgesellschaft LMBV lässt prüfen, ob es unweit des verheerenden Erdrutsches in Nachterstedt im Zweiten Weltkrieg geheime militärische Anlagen gab.

Die Bergbausanierungsgesellschaft LMBV lässt prüfen, ob es unweit des verheerenden Erdrutsches in Nachterstedt im Zweiten Weltkrieg geheime militärische Anlagen gab. Mit einer Anfrage an das Militärstaatsarchiv gehe man entsprechenden Hinweisen nach, sagte eine Sprecherin der Lausitzer- und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft am Freitag der Nachrichtenagentur DAPD. Bisher sei über derartige Altlasten in der Region allerdings nichts bekannt.

Die "Frankfurter Rundschau" berichtete über die Hinweise auf militärische Anlagen. Sie bezieht sich auf einen Geheimbericht der US-Armee aus dem Jahr 1945, laut dem vor Kriegsende auf einem Industriegelände in der Nähe des damaligen Tagebaus bei Nachterstedt eine Chemieanlage gestanden haben soll. Sie befinde sich in einer Liste, die eine US-Militäreinheit im Februar 1945 aufgrund von Aussagen eines deutschen Kriegsgefangenen erstellt habe.

Der Tagebau Concordia bei Nachterstedt gehörte demnach dem Chemiekonzern IG Farben, der auch Sprengstoff und Giftgase wie Zyklon B und Tabun produzierte. Ein streng bewachtes unterirdisches Lager habe sich in der Nähe der Siedlung "Auf der Halde" befunden, in der im Jahr 2009 gewaltige Erdmassen abstürzten und mehrere Häuser und in ihnen drei Menschen in die Tiefe rissen. Das Wirtschaftsministerium in Magdeburg erklärte auf DAPD-Anfrage, es sei bekannt dass die IG Farben ein Treibstofflager in dem Gebiet angelegt hatte.

Der Bergmannsverein Nachterstedt äußert erhebliche Zweifel, dass es in dem Ort NS-Militärbunker gegeben hat. "Ich halte nichts davon", sagte Vereinssprecher Wolfgang Karpe am Freitag im MDR. Auch seien "die Gerüchte nicht neu" und vor einem Jahr schon mal aufgekommen.

Karpe betonte, der Bergmannsverein habe sich intensiv mit der Geschichte des Gebiets befasst, und man habe nie etwas von Militär-Bunkeranlagen in Nachterstedt gehört. Es sei aber bekannt, dass es Bunkeranlagen dort gegeben habe, die der Bergbau betrieben und unterhalten habe. Ein Zusammenhang mit dem Erdrutsch sei nicht vorstellbar. Sie befänden "sich auf einem ganz anderen Niveau, ziemlich oberflächennah".

Anlässlich des Jahrestages des Unglücks wird am Sonntag in Nachterstedt der Opfer gedacht und eine Gedenkstätte eingeweiht.

APN APN

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