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Nach Unglück in Nachterstedt: Alle Tagebauhalden im Osten werden überprüft

Wie sicher sind die ehemaligen Tagebauten? Diese Frage wollen Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen und Brandenburg klären. Die Leiter der Bergbehörden der vier Länder einigten sich darauf, alle ehemaligen Halden zu überprüfen, damit sich eine Katastrophe wie in Nachterstedt nicht wiederholen kann.

Als Konsequenz aus dem Erdrutsch von Nachterstedt mit drei Toten sollen alle ehemaligen Tagebauhalden, -Seen und -Restlöcher in Ostdeutschland auf ihre Sicherheit überprüft werden. Umfang und Zeitspanne der Untersuchungen stehen jedoch noch nicht fest. Das ist das Ergebnis einer Beratung der Bergbauämter von Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen und Brandenburg am Montag in Halle. Zunächst wolle man Lage, geologische Struktur und Festigkeit vor allem von Böschungen unter die Lupe nehmen, sagte der Leiter des Landesamtes für Geologie und Bergwesen Sachsen-Anhalt, Frank Esters.

Die Experten der Bergbehörden kamen überein, dass in Sachsen-Anhalt, Sachsen, Brandenburg und Thüringen Bereiche mit "sensibler Nutzung" identifiziert und bewertet werden müssen. Anlass für das kurzfristig vereinbarte Treffen war der verheerende Böschungsrutsch vor gut einer Woche in Nachterstedt, bei dem drei Menschen in ihren Häusern zusammen mit gewaltigen Erdmassen in die Tiefe stürzten. Vor dem Hintergrund dieses Ereignisses haben sich die Bergämter der vier ostdeutschen Bundesländer auf eine intensivere Zusammenarbeit verständigt. In zwei Wochen wollen sich die Chefs der Bergbehörden erneut treffen.

Vertreter aus Sachsen und Brandenburg betonten allerdings, sie sähen in ihren Ländern momentan wenig Handlungsbedarf und keine Parallelen zu Nachterstedt. Der stellvertretende Präsident des Brandenburger Bergamtes, Werner Stackebrandt, sagte, eine umfassende Sicherheitsüberprüfung sei erst möglich, wenn die Ursache des Erdrutsches von Nachterstedt bekannt sei. "Aber wir wollen Erfahrungen aus den Untersuchungen in Sachsen-Anhalt mitnehmen." Insgesamt gibt es in den vier Ländern rund 50 frühere Tagebauseen. Sie stehen fast alle unter Aufsicht der Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV).

In Sachsen-Anhalt untersuchten Experten laut Bergamts-Chef Esters bereits erste Tagebauseen. Am vergangenen Freitag hätten Vertreter des Landesbergamtes den Geiseltal-See umfahren, der Goitzsche-See bei Bitterfeld-Wolfen komme bald an die Reihe. Badeverbote oder Sperrungen für Besucher soll es dort laut Esters nicht geben.

Laser-Aufnahmen aus dem Hubschrauber

Unterdessen nahmen Gutachter am Unglücksort in Nachterstedt die zwischenzeitlich unterbrochenen Kontrollgänge in der Katastrophenzone wieder auf. Weiteren Bewegungen des Erdreichs seien an dem Areal, auf dem noch sieben evakuierte Häuser stehen, nicht festgestellt worden, sagte ein LMBV-Sprecher. Am Sonntag hatten Gutachter einen Kontrollgang durch die Wohnsiedlung unterbrochen, weil sie aus einem direkt am Hang verbliebenen Gebäude Geräusche gehört hatten.

Am Dienstag beginnt eine Spezialfirma damit, ein digitales Geländemodell des gesamten Tagebaubereichs bei Nachterstedt zu erstellen. Für das "air born laser scanning" wird das ganze Areal mehrfach streifenweise mit einem Hubschrauber überflogen. So erhoffen sich Fachleute weitere Aufschlüsse über Geländebewegungen.

DPA/AP/AFP / AP / DPA