HOME

Walfang: Mit Stock und Widerhaken: Japan jagt wieder Wale und Delfine

In Japan hat die kontroverse Jagd auf Wale und Delfine begonnen. In Taiji begann bereits am Wochenende die Delfinjagd "ohne größere Proteste von Tierrechtsgruppen". Nun wurde auch die Jagd auf Zwergwale eröffnet.

Fischer treiben kleine Wale in eine Bucht vor Taiji

Fischer treiben kleine Wale in eine Bucht vor Taiji in Japan

Picture Alliance

Die international höchst umstrittene Jagd auf Wale und Delfine in Japan hat wieder begonnen. Bereits am Sonntag begann in der Walfangstadt Taiji im Westen Japans die Jagd auf die Delfine mit der kontroversen "Treibjagd-Methode", wie die Nachrichtenagentur Kyodo berichtete. Sie werden hauptsächlich wegen ihres Fleisches gejagt oder an Aquarien oder Meeresparks verkauft, wie BBC berichtet.

Zwölf Boote verließen am frühen Morgen den Hafen der Stadt unter einem Polizeiaufgebot, da Proteste von Anti-Walfang-Gruppen befürchtet wurden. Größere Proteste blieben aber aus, so Kyodo weiter. Die Boote kehrten alle ohne Fang zurück, wie ein Beamter der Fischereigenossenschaft mitteilte. Laut BBC seien am Montag fünf Delfine getötet worden.

Treibjagd wird kritisiert

Die Jagdsaison dauert etwa sechs Monate, seit Jahrzehnten findet die Jagd statt. Dieses Jahr dürften mehr als 1700 Delfine getötet oder gefangen werden.

Bei der "Treibjagd-Methode", die von Tierschutzgruppen in Japan und im Ausland kritisiert wird, werden die Delfine und kleine Wale von den Fischern in eine Bucht getrieben, bevor sie diese dann mit Netzen verschließen. Wie BBC und tagesschau.de weiter berichten, kritisieren Umweltschützer, dass es bei dieser Methode bis zu 30 Minuten dauern könne, bis die Delfine entweder ertrinken oder ersticken. Den Tieren werde ein Stock mit einem Widerhaken und anschließend ein Korken in die Wunde gerammt.

31 tote Wale: Mysteriöses Walsterben in Kalifornien – das könnte der Grund für die Todesserie sein

Auch Zwergwale werden gejagt

Vor Beginn der Jagdsaison befürchteten die lokalen Behörden, dass internationale Anti-Walfang-Aktivisten die Fischer behindern könnten, doch nur etwa zehn Mitglieder einer japanischen Tierrechtsgruppe versammelten sich am Sonntag im Hafen. "Dank der Sicherheit können wir mit Leichtigkeit jagen", sagte Teruto Seko, Leiter der Fischereigenossenschaft.

Auch die Jagd auf Zwergwale vor der Küste des nordjapanischen Hokkaido hat begonnen, wie Kyodo weiter berichtet. Die Regierung hat eine Fangquote von 53 Walen festgelegt. "Wir möchten viele Wale fangen, damit die Verbraucher frisches Fleisch essen können", sagte der Kapitän eines Walfangschiffs.

Japan raus aus Internationaler Walfangkommission

Als Mitglied der Internationalen Walfangkommission (IWC) stoppte Japan 1988 den kommerziellen Walfang, jagte jedoch Wale zu sogenannten Forschungszwecken, eine Praxis, die international als Deckmantel für den kommerziellen Walfang kritisiert wurde. Japan hatte lange versucht das Moratorium aufzuheben und verließ schließlich die IWC am 30. Juni, nachdem die Organisation im vergangenen Jahr ihren Vorschlag zur Wiederaufnahme des kommerziellen Walfangs von Arten, die als reichlich vorhanden gelten (wie zum Beispiel Zwergwale), abgelehnt hatte.

In den letzten Jahren sei die Nachfrage nach Delfin- und Walfleisch zurückgegangen. Außerdem wurde in dem Fleisch der Tiere ein erhöhter Quecksilbergehalt festgestellt, so die BBC.

Quellen: Nachrichtenagentur Kyodo (1), Kyodo (2), BBC, tagesschau.de

rw / tkr