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Hengameh Yaghoobifarah "All cops are berufsunfähig"-Autorin macht Werbung für Berliner KaDeWe – Kaufhaus erntet Kritik

Berliner KaDeWe
Das Berliner KaDeWe wirbt unter anderem mit der "Taz"-Autorin Hengameh Yaghoobifarah
© Sean Gallup / Getty Images
Die Autorin der polizeikritischen "Taz"-Kolumne "All cops are berufsunfähig", Hengameh Yaghoobifarah, sorgt erneut für Aufsehen und Diskussionen – diesmal aber nicht mit einem Text, sondern mit Fotos. Das Berliner Nobel-Kaufhaus KaDeWe wirbt mit Bildern der Autorin.

Vor nicht drei Monaten sorgte Hengameh Yaghoobifarah für Unruhe im politischen Berlin. Ihre "Taz"-Kolumne "All cops are berufsunfähig" legte nahe, Polizeibeamtinnen und -beamte auf Müllhalden unterzubringen, "wo sie wirklich nur von Abfall umgeben sind. Unter ihresgleichen fühlen sie sich bestimmt auch selber am wohlsten." (Der stern berichtete.)

Der Text rief unter anderem Bundesinnenminister Horst Seehofer auf den Plan. Er kündigte via "Bild"-Zeitung an, Strafanzeige wegen möglicher Volksverhetzung und Beleidigung zu stellen, verzichtete dann aber doch darauf. Polizeigewerkschaften empörten sich, selbst der Bundespräsident äußerte sich zu der Kolumne.

Werbung für Mantel und Stiefel in KaDeWe-Kampagne

Kürzlich wies der Deutsche Presserat hunderte Beschwerden gegen den Text zurück. "Die Polizei als Teil der Exekutive muss sich gefallen lassen, von der Presse scharf kritisiert zu werden", bewertete der Beschwerdeausschuss. Die Satire beziehe sich im Kern auf die gesellschaftliche Debatte über strukturelle Probleme bei der Polizei wie Rechtsradikalismus, Gewalt und Rassismus, hieß es in der Begründung des Presserats. "All cops are berufsunfähig" verstoße nicht gegen die Menschenwürde von Polizistinnen und Polizisten.

Jetzt sorgt Yaghoobifarah erneut für Wirbel in Berlin – weil sie in einer Werbekampagne des Kaufhaus des Westens (KaDeWe) eine Rolle spielt.

Im aktuellen Kundenmagazin des Konsumtempels präsentiert sie auf einer Doppelseite einen Ledermantel zum Preis von 3900 Euro und Lederstiefel für 459 Euro. Das Motto der Publikation laut Editorial: "Everyone is welcome", jeder ist willkommen. Vielfalt.

Hengameh Yaghoobifarah (2.v.l.) als Werbegesicht auf dem Instagram-Kanal des des KadeWe

Auch im KaDeWe-Schaufenster und auf den Social-Media-Profilen sind die Schwarzweiß-Aufnahmen zu sehen. Unter den Posts übten Nutzerinnen und Nutzer unter Verweis auf die "Taz"-Kolumne scharfe Kritik an der Auswahl Yaghoobifarahs für die Werbekampagne – es gab Boykottaufrufe, und nicht immer blieben die Kommentare über der Gürtellinie.

Kritik am Engagement von Hengameh Yaghoobifarah

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) in der Hauptstadt äußerte sich ebenfalls kritisch. Das KaDeWe solle sich fragen, "ob es nicht vielleicht auch Polizistinnen und Polizisten gibt, die dort einkaufen und die dann die Person im Schaufenster sehen, die sie allesamt auf dem Müll entsorgen wollte", erklärte Sprecher Benjamin Jendro. In der Zeitung "B.Z." ergänzte er: "Ich bin entsetzt über die Botschaft des KaDeWe, die Kollegen zu Recht als Sauerei empfinden." Die Konkurrenzgewerkschaft Bund Deutscher Kriminalbeamter kommentierte die Äußerungen der GdP trocken: "Man muss nicht alles einordnen."

Doch es gab neben dem Shitstorm auf den digitalen Kanälen vereinzelt auch Solidaritätsbekundungen mit dem KaDeWe und Yaghoobifarah.

Die Autorin selbst, die sich unter anderem in einem Beitrag für die "Zeit" als nicht-binär bezeichnete, also nicht den Kategorien Mann oder Frau zugehörig, schrieb auf ihrem Instagram-Kanal zu der Werbekampagne: "Vielen Dank für all das süße Feedback und die Liebe. Ich bin überwältigt."

Das KaDeWe-Management reagierte bis zum Donnerstagmittag nicht auf eine stern-Anfrage zu dem Thema.

Quellen: "All cops are berufsunfähig", "Bild"-ZeitungBundespräsidialamtDeutscher Presserat, KaDeWe-Magazin, KaDeWe bei Facebook, Instagram-Post des KaDeWe, Gewerkschaft der Polizei Berlin bei Twitter, Zeitung "B.Z."Bund Deutscher Kriminalbeamter bei Twitter, "Zeit"Instagram-Profil Hengameh Yaghoobifarah

wue

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