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Geräusch mit vielen Funktionen Katzen schnurren nur bei Wohlbefinden? Dann kennen Sie Ihre Katze nicht

Eine Katze schläft auf einer gelben Decke
Typisch Katze – und vielleicht schnurrt sie auch gerade, so wohl wie sie sich offenbar fühlt. Doch das Schnurren erfüllt auch eine Menger weitere Funktionen
© Meike Engels / Picture Alliance
Einer schnurrenden Katze geht es gut – so lautet die gängige Meinung. Doch nicht immer stimmt das. Schnurren kann auch signalisieren, dass mit dem Tier etwas nicht stimmt.

Wenn eine Katze schnurrt, scheint die Welt in Ordnung. Das Tier liegt gemütlich im Korb oder auf dem Sofa und gibt dieses tiefe, gleichmäßige Brummen von sich – etwa bei einer ausgiebigen Streicheleinheit. Viele Menschen lieben das Geräusch und empfinden es als beruhigend.

Wer einmal das Ohr an seine Katze gehalten hat, weiß: Beim Schnurren scheint der ganze Körper des Tiers zu vibrieren, der sich wiederholende dunkle, gemütlich klingende Ton kommt scheinbar tief aus seinem Innern. Außer unseren Hauskatzen können auch ein paar ihrer wilden Verwandten schnurren, zum Beispiel Luchse oder Ozelots. Doch ansonsten ist das monotone Brumm-Geräusch einzigartig im Tierreich.

Doch warum schnurren Katzen überhaupt? Einfach mal so, fällt als Antwort vermutlich aus. Schließlich sind Katzen nicht dafür bekannt, sich unnötige Arbeit zu machen – und die Erzeugung des Schnurr-Geräuschs gilt als anatomisch komplexe Angelegenheit, die noch nicht vollständig entschlüsselt ist. Rein zur Beglückung des Menschen wird wahrscheinlich auch nicht geschnurrt – siehe Luchs und Ozelot.

Katzen schnurren aus ganz unterschiedlichen Gründen

Auch wenn Wissenschaftler das Wie noch nicht eindeutig erklären können – auf die Frage nach dem Warum haben sie eine ganze Reihe von Antworten, und die scheinen alle richtig zu sein. Denn es kommt darauf an, in welcher Situation die Katze schnurrt. Die BBC beispielsweise überschreibt einen Artikel zum Thema mit den Worten "Die komplizierte Wahrheit über das Schnurren von Katzen". 

Wie viel eine Katze schnurrt und ob sie es überhaupt in Gegenwart von Menschen tut, ist von Tier zu Tier ganz unterschiedlich. Manche Katzen oder Kater brummen wohlig, sobald man sie krault und sie gerade entspannt an ihrem Lieblingsplätzchen liegen. Andere setzen das Geräusch sparsam ein – manchmal sehr zur Enttäuschung der Katzenbesitzer.

Damit eine Katze schnurrt, muss kein Mensch in der Nähe sein. Mit dem Geräusch verständigen sich die Tiere auch untereinander. Schnurrt eine Katze einen Artgenossen an, kann das heißen: "Ich bin friedlich und werde Dich jetzt nicht verprügeln – und vielleicht spielen wir eine Runde." Ranghöhere Tiere signalisieren schwächeren, dass von ihnen keine Gefahr droht.

Eine charmante Bitte nach Futter

Eine wichtige Funktion des Schnurrens ist also die Kommunikation der Tiere untereinander. Doch auch Menschen verstehen nachweislich Kätzisch – zumindest die wichtigsten Brocken. Schnurrt die Katze "ihren" Menschen an, kann das beispielsweise heißen: "Wie wäre es, wenn Du mir jetzt eine Dose aufmachst?"

Besonders viel schnurren Katzenmütter, wenn sie Junge säugen. Das Geräusch zeigt den Kleinen den Weg zu den Zitzen. Ein praktischer akustischer Richtungsweiser, denn in den ersten Lebenstagen sind die Katzenjungen noch blind. Außerdem soll das Brummen beruhigend auf die Kätzchen wirken und ihnen Geborgenheit vermitteln.

Kein Wunder, dass die Kleinen so ziemlich als erstes nach ihrer Geburt das Schnurren üben und es auch gleich in den ersten Lebenstagen lernen  – es wird sich später immer wieder als sehr nützlich erweisen. Tatsächlich ist es ein Geräusch, das Katzen in so ziemlich allen Situationen gebrauchen können.

So schnurren sich Katzen förmlich durchs Leben. Sogar, wenn das Lebensende naht: "Ich habe viele Katzen gesehen, die schnurren, wenn sie sterben oder wenn sie eingeschläfert werden", zitiert die BBC die Tierfotografin Marjan Debevere, eine in Großbritannien recht bekannte Expertin für das Verhalten von Katzen, die viele ihrer Fotomotive in Tierheimen findet und ihr Katzenwissen auf Instagram mit mehr als 53.000 Followern teilt.

Mit Schnurren beruhigen sich gestresste Katzen selbst

Forscher sind überzeugt davon, dass sich Katzen mit dem monotonen Brummen selbst beruhigen – etwa, wenn sie Stress empfinden. Das erklärt auch das ausgiebige Schnurren mancher Exemplare beim Tierarzt-Besuch. Sie schnurren auch, wenn sie Angst oder Schmerzen haben. Katzenmüttern hilft das Geräusch, die Schmerzen bei der Geburt besser zu ertragen.

Und sogar bei Verletzungen helfen die selbst erzeugten Vibrationen: Inzwischen sind Wissenschaftler überzeugt davon, dass das Schnurren Heilungsprozesse im Körper unterstützt. Durch das gleichmäßige Brummen wird die Muskulatur angeregt – ebenso wie der Stoffwechsel und die Bildung von Zellen. Der Katzenkörper bekommt durch das Schnurren und die damit verbundenen unzähligen minimalen Vibrationen eine mechanische Hilfe, um sich selbst zu regenerieren. Auch gebrochene Knochen können schneller wieder zusammenwachsen, vorausgesetzt, das Tier ist nicht zu schwer verletzt.

Geniale Fitness-Methode für Tiere, die viel liegen und schlafen

Auf die generelle Frage, warum sie schnurren, würden Katzen vermutlich antworten: "Es ist gesund und hält fit". Und das ist wohl im wahrsten Sinne des Wortes so. Die Wirkung sei ein bisschen so wie ein Vibrationstrainer beim Menschen, konstatieren die Experten bei "Spektrum.de". Knochen und Gewebe der Katze würden durch die andauernde Vibration gestärkt und trainiert. Das sei auch nötig, da die Tiere ja die meiste Zeit des Tages im Liegen verbringen, so die "Spektrum.de"-Autoren.

Katzen joggen nicht und betreiben auch kein Krafttraining. Sie haben im Verlauf ihrer Entwicklungsgeschichte offenbar eine ganz eigene Fitness-Methode entwickelt. Anders herum ausgedrückt: Was Menschen oder auch Hunde mit Bewegung und Laufen für ihre Gesundheit erreichen, schafften Katzen nebenbei im Liegen. Indem sie regelmäßig ausgiebig schnurren.

Quellen: BBC, "Spektrum.de", "Stuttgarter Zeitung", "Tiergesund.de", "Geo.de", "Geo.de"

Pitbull denkt er wäre eine Katze

Sehen Sie im Video aus unserem Archiv: Pitbull Mako klettert auf Schränke und rekelt sich in der Sonne – ganz so als wäre er eine Katze. Bethany und Samantha Castiller haben den Hund aus einem Tierheim gerettet. Die beiden haben bereits zwei Katzen, die Mako inzwischen fest ins Herz geschlossen hat.


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