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Demonstranten fordern Antworten Sechs Schüsse in den Oberkörper – US-Polizist erschießt 18-jährigen Lateinamerikaner

Demonstrationen in Gardena, Kalifornien, nach dem Tod des 18-jährigen Andres Guardado
Jennifer Guardado, die Schwester des getöteten Andres Guardado, nimmt an den Demonstrationen nach dem Tod ihres Bruders in Gardena, Kalifornien teil. 
© Keith Birmingham / Picture Alliance
Mit einer Waffe in der Hand soll der 18-jährige Andres Guardado vor zwei Polizisten davongelaufen sein. Sie stellten den Jungen, einer schoss ihm sechs Mal in den Oberkörper. Seitdem hüllen sich die Verantwortlichen in Schweigen, während der Protest auf den Straßen immer lauter wird. 

Der Blick auf die Polizeigewalt in den Vereinigten Staaten verschärft sich, immer neue Todesfälle geraten in diesen Wochen in die Schlagzeilen und ins Bewusstsein der Menschen, nicht nur in den USA. Am vergangenen Donnerstag wurde in der kalifornischen Stadt Gardena ein 18-jähriger Lateinamerikaner von einem Polizisten erschossen. Wie US-amerikanische Medien übereinstimmend berichten, stand Andres Guardado vor einer Autowerkstatt und sprach über ein Autofenster gebeugt mit einem Insassen, als das Polizeiauto mit zwei Einsatzkräften auf das Gelände fuhr. Guardado sah die Polizisten und lief mit einer Waffe in der Hand davon. Die Polizisten verfolgten ihn zu Fuß und stellten ihn kurz darauf, einer der beiden eröffnete das Feuer und schoss dem Jungen sechs Mal in den Oberkörper. Er starb noch am Einsatzort.

Wie die Familie des Verstorbenen berichtet, habe Guardado als Wachmann bei einem Autohändler in der Nähe gearbeitet. Ein Sprecher der zuständigen Polizeiwache bemerkte allerdings, dass das Eintrittsalter für diesen Beruf im Bundesstaat Kalifornien bei 21 Jahren liegt. Zum Zeitpunkt des Ereignisses habe er keine entsprechende Uniform getragen und die Waffe sei nicht lizenziert gewesen, sagt er gegenüber der "Los Angeles Times". Aus dem Polizeibüro in Los Angeles heißt es weiter, sie wüssten nicht, ob Guardado seine Waffe auf die Polizisten gerichtet hatte. Auch gaben sie bislang keine Angaben darüber, ob der 18-Jährige selbst Schüsse abgegeben hatte. 

Warum musste Andres Guardado sterben? 

Es sind wohl diese Ungereimtheiten und offenen Fragen, die am Sonntag hunderte Menschen in Gardena auf die Straßen getrieben haben. Sie verlangen Auskunft und Gerechtigkeit. "He ran because he was scared" ("Er lief davon, weil er Angst hatte") steht auf den Schildern, oder "Why’d you kill that kid?" ("Warum habt ihr das Kind getötet?"). Die Familie von Guardado hatte zu dem Protestmarsch aufgerufen, um dem Verstorbenen zu gedenken. "We just want answers" ("Wir wollen einfach Antworten") sagte Guardados Tante gegenüber dem "CNN". Sie und andere Familienmitglieder trugen blau-weiße Kleidung, um an ihre brasilianische Heimat zu erinnern. 

Die Polizeibeamten beschlagnahmten das Überwachungsmaterial der Autowerkstatt und hoffen, darauf den Tathergang zu sehen. Außerdem wurde eine Autopsie des Jungen angeordnet. Was Guardado zugestoßen ist, sei nicht nur eine Tragödie, sondern ein ausgemachtes Verbrechen", ließ derweil Ron Goochez von der politischen Kleinstorganisation "Union del Barrio" verlauten, der die Demonstration mitorganisiert hatte. “This is just one more of so many people who have been killed by the L.A. County sheriffs and the police ... this is the unity between the Black and brown community saying we are tired of this.” ("Dies ist nur einer von so vielen Menschen, die durch Sheriffs des L.A. County und der Polizei umgebracht worden sind. Das hier ist die schwarze und braune Gemeinschaft, die sagt, wir wollen das nicht mehr hinnehmen.") Auch andere Politiker wie die US-Abgeordnetne Nanette Barragán und Maxine Waters fordern unabhängige Untersuchungen des Tathergangs. In einem Statement schreiben sie, es müsse völlige Transparenz in der Aufklärung dieser Tat geben, damit die Menschen in L.A. vertrauen könnten und wüssten, dass sie die Wahrheit bekämen. 

Quellen: Los Angeles County Sheriff Department, Los Angeles Times, CNN


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