Missglückte Landung in Hamburg Kopilotin flog Maschine bei Beinahe-Crash


Bei dem Beinahe-Crash am Hamburger Flughafen hat zunächst die 24-jährige Kopilotin die Lufthansa-Maschine gesteuert. Bereits während des ersten Landeversuchs übernahm der Kapitän das Steuer und startete durch. Die starke Windböe hatte zum Rollenwechsel geführt.

Bei der Beinahe-Katastrophe auf dem Hamburger Flughafen am vergangenen Samstag hat zunächst die 24-jährige Kopilotin am Steuer der Lufthansa-Maschine gesessen. Bereits während des ersten Landeversuchs übernahm der Kapitän das Steuer und startete durch, teilte die Lufthansa mit.

Wegen der starken Windböe sei eine neue Situation entstanden, und es habe daraufhin in Sekundenbruchteilen einen Rollenwechsel gegeben, sagte Lufthansa-Sprecher Michael Lamberty. Das sei normal und entspreche den Regeln, wonach der Kapitän zu jedem Zeitpunkt das Steuer übernehmen könne und gegebenenfalls auch müsse.

Lamberty betonte im Gespräch mit stern.de: "Der Kopilot hat dieselbe Ausbildung wie der Flugkapitän. Er darf grundsätzlich, mit wenigen Ausnahmen, alles, was der Kapitän auch darf." Beide Piloten seien mit voller Konzentration geflogen. «Es zählt die Teamleistung.» Zu Einzelheiten äußerte sich der Sprecher nicht. Dazu müsse die Untersuchung der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) abgewartet werden.

Der Lufthansa-Airbus "Suhl" war aus München kommend kurz vor dem Aufsetzen von einer starken Windböe erfasst worden und hatte mit einem Flügel den Boden berührt. Danach startete die Besatzung durch und konnte in einem zweiten Versuch auf einer anderen Piste des Flughafens sicher landen. Dabei steuerte nach Angaben der BFU der 39- jährige Pilot die Maschine. Er war am Montag von Experten für seine "fliegerische Meisterleistung" gelobt worden.

Die Auswertung der beiden Flugschreiber durch die BFU ergab aber, dass die Kopilotin zunächst bis zum Aufsetzen des Fliegers bei sehr starkem Seitenwind das Steuer geführt hat. "Nachdem der linke Flügel den Boden berührt hat, hat der Pilot übernommen", sagte Lothar Müller von der BFU. Ob es sich um ein fahrlässiges Vorgehen handelte, wollte der Experte nicht bewerten. "Das ist erst möglich, wenn alle Untersuchungen abgeschlossen sind."

"Keiner hat Schuld"

Nach Einschätzung der Vereinigung Cockpit sind für den Beinahe- Unfall weder die Piloten, noch die Flugsicherung oder der Flughafen verantwortlich zu machen. "Ich sehe nach derzeitigem Kenntnisstand keinen, der eine Schuld hat", sagte deren Sprecher Markus Kirschneck der dpa in Frankfurt. Damit wies er Spekulationen zurück, die Piloten hätten beim ersten Versuch die falsche Landebahn genutzt.

Nach Einschätzung Kirschnecks waren alle Bedingungen für den Landeanflug in Ordnung. Die angeflogene Landebahn 23 verfüge zudem über ein Instrumentenanflugsystem, das gerade bei starken Winden für eine Landung von Vorteil sei. Daher gebe es keine Anzeichen, warum die Bahn nicht hätte genutzt werden sollen. Allerdings würde er eine Diskussion unter den Fachleuten befürworten, wie grundsätzlich mit starken Winden umgegangen werde. "Das war knapp, aber es ist gut gegangen", sagte Kirschneck.

Nicht in der Verantwortung sieht sich die Deutsche Flugsicherung (DFS). "Der Pilot hatte die Wahl zwischen beiden Bahnen", bekräftigte DFS-Sprecher Axel Raab am Dienstag in Langen. Zwar sei die von dem Piloten genutzte Landebahn 23 zum Zeitpunkt des Vorfalls die Standardlandebahn gewesen. Mündlich sei dem Piloten aber auch die Nutzung der Landebahn 33 angeboten worden.

Die Piloten entscheiden über die Landebahn

Nach Angaben der DFS waren zum Zeitpunkt des Landeversuchs die Seitenwindverhältnisse auf beiden Bahnen gleich. Darum habe es auch keinen Anlass gegeben, die Landebahn 33 als Standardlandebahn auszuweisen. Den Angaben zufolge herrschten Seitenwinde von etwa 45 Kilometern pro Stunde. Der Airbus A320 sei für Landungen bei Seitenwinden bis zu 55 Stundenkilometern zugelassen.

Auch die Lufthansa bekräftigte, die Cockpit-Besatzung habe sich richtig verhalten. Die Landebahn werde in der zivilen Luftfahrt von der Flugsicherung zugewiesen, die Piloten hätten aber nach Abwägung aller Faktoren die letzte Entscheidung, ob sie die Landebahn auch nutzen, sagte ein Sprecher in Frankfurt. Zum Zeitpunkt des Vorfalls sei der Wind auf beiden Bahnen aber "vergleichbar" gewesen. Auch er verwies darauf, dass nur die zunächst genutzte Piste ein Instrumentenlandesystem habe.

Der Hamburger Flughafen wies Kritik am Informationsverhalten nach dem spektakulären Durchstarten zurück. Die zuständigen Behörden seien noch am Samstag unterrichtet worden, sagte eine Flughafensprecherin am Dienstag. "Wir haben die Wirtschaftsbehörde informiert." Dort sind in der Hansestadt die für den Luftverkehr zuständigen Referate angesiedelt. Die Innenbehörde hatte sich am Montag verwundert über fehlende Informationen zu dem Vorfall gezeigt.

DPA/AP/zen AP DPA

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