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Angst hinterm Steuer Nach 1000 Fahrstunden: Engländerin hat noch immer nicht den Führerschein

Panischer Blick im Rückblick
Panischer Blick im Rückspiegel: Angstattacken hindern eine Britin seit 30 Jahren daran, den Führerschein zu machen.
© Jens Kalaene / Picture Alliance
Längst nicht jede:r schafft die Führerscheinprüfung beim ersten Mal. Doch das ist nichts gegen das Schicksal von Isabelle Stedman. Sie versucht es seit 30 Jahren – und es will nicht klappen. Aus einem besonderen Grund.

Was könnte eine 47 Jahre alte Supermarkt-Angestellte aus Ampthill in der englischen Grafschaft Bedfordshire an sich haben, dass sie drauf und dran ist, auf der ganzen Welt bekannt zu werden? Die Antwort: Sie kann nicht Auto fahren. Sie kann es nicht, obwohl sie es seit 30 Jahren versucht, schon rund 1000 Fahrstunden absolviert und gut und gerne 10.000 Pfund ausgegeben hat, um es zu lernen. So berichtet es das britische Boulevardblatt "The Sun".

Wie es heißt, hat Stedman inzwischen sogar Schwierigkeiten, überhaupt einen Fahrlehrer zu finden. Die sind angesichts der Vorgeschichte wenig erpicht darauf, die 47-Jährige zu unterrichten, fürchten gar, dass der Misserfolg auf sie zurückfallen würde. 

Isabell Stedman: Panik bis hin zur Ohnmacht

Dabei geht es nicht darum, dass sich Isabelle Stedman ungeschickt anstellen würde oder sich einfach nicht auf den Verkehr konzentrieren könne. "Ich verstehe es nicht", wird sie zitiert, "aber es ist wohl so, dass ich plötzlich so ängstlich und überwältigt von der Situation bin, dass mein Gehirn aussetzt und ich für ein paar Sekunden das Bewusstsein verliere." Im Klartext: Setzt sich Isabell Stedman hinters Steuer wird sie derart von der Angst überfallen, dass sie in Ohnmacht fällt. Jedes Mal sage sie zu sich, dass sie es könne. "Aber ein paar Sekunden später könnte ich schon losheulen."

Seit 30 Jahren geht das nun so. Schon bei ihrer ersten Fahrstunde als damals 17-Jährige merkte Isabelle Stedman, dass etwas nicht stimmt. Seither ist es immer dasselbe Spiel: Kaum hat sie hinter dem Steuer Platz genommen, fängt sie fürchterlich an zu schwitzen, zittert und bricht häufig in Tränen aus. Wird die Panik zu groß, wird sie ohnmächtig. Auch nach 30 Jahren fühle es sich so an, "als ob ich noch nie in einem Auto gesessen hätte, und es ist beängstigend", erklärte Stedman in einem Interview mit dem britischen Magazin "Mirror".

Fahrangst ist kein unbekanntes Phänomen

Dass bei Isabell Stedman Angst im Spiel ist, scheint offensichtlich. Aber warum? Traumatische Erfahrungen, etwa einen schweren Unfall, habe sie nicht gemacht, heißt es. Auch sonst wisse sie nicht von schlechten Erfahrungen im Straßenverkehr zu berichten. Die Ärzte seien ratlos. "Vielleicht bin ich in einem früheren Leben bei einem Autounfall gestorben", sagt die verhinderte Autofahrerin. Eine Hypnose soll entsprechende Hinweise gebracht haben.  

So rätselhaft der konkrete Fall sein mag, krankhafte Angst vor dem Autofahren ist in der Medizin durchaus bekannt. Und sie ist angeblich alles andere als selten. Im Gegenteil: Laut Psychologen der Uni Würzburg zählt die sogenannte Amaxophobie sogar zu den drei häufigsten Phobien – nur übertroffen von der Höhenangst (Akrophobie) und der Angst vor Spinnen (Arachnophobie). Ausdruck einer Amaxophobie seien Panikattacken, Herzrasen, schwitzige Hände, sobald ein:e Betroffene:r am Steuer sitzt. Unfall-Traumata könnten die Ursache sein, doch oft könnten keine Gründe für die Fahrangst gefunden werden, heißt es.

So ist es bisher auch bei der Isabelle Stedman. Trotz der scheinbar aussichtslosen Situation will sie weiter versuchen, ihren Führerschein zu machen. Schon allein, um den jahrzehntelangen Albtraum endlich zu beenden.

Quellen: "The Sun", "Mirror", "Auto24.de", RTL, Universität Würzburg


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