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Nach Hurrikan "Katrina": In New Orleans wächst die Verzweiflung

Während Präsident George W. Bush eine bisher einmalige Hilfs-und Rettungsaktion verspricht, sollen immer noch tausende Menschen in ihren überfluteten Häusern gefangen sein. Nicht nur Verzweiflung macht sich unter den Betroffen breit, sondern auch die zunehmende Angst vor Seuchen.

In den von Hurrikan "Katrina" verwüsteten Gebieten im Südosten der USA spitzt sich die Lage weiter zu. "Die Lage ist schrecklich, es ist heiß und feucht und die Leute haben kein Trinkwasser", räumte Michael Brown, Chef der US- Behörde für Katastrophenmanagement FEMA ein.

Katastrophale Versorgungszustände und Wasserleichen

Die US-Regierung rief am Mittwoch bereits vorsorglich für die betroffene Küstenregion den "Gesundheitsnotstand" aus. Augenzeugen berichteten von zahlreichen im Wasser treibenden Leichen und von Menschen, die wegen ausbleibender Versorgung mit Wasser und Lebensmittel zusammenbrechen und sterben würden. "Wir hätten besser auf so eine Katastrophe vorbereitet sein müssen", sagte die demokratische Senatorin Mary Landrieu aus Louisiana dem Sender CNN.

Auf einer Autobahn bei New Orleans, die passierbar ist, versammelten sich hunderte Menschen und riefen vorbeifahrenden Autoinsassen zu: "Bitte helft uns." Andere streckten leere Becher aus und bettelten um Wasser. Weinende Menschen flehten Journalisten vor Ort an, ihnen bei der Suche nach vermissten Familienangehörigen zu helfen.

Hunderte Todesopfer und Angst vor Seuchen

Inzwischen wachsen die Befürchtungen, dass der Hurrikan "Katrina" viele hunderte Menschenleben gekostet hat. Ein Behördenvertreter sagte dem US-Sender ABC, die Zahl der Todesopfer könne sogar in die Tausende gehen. Zehntausende Häuser könnten nicht mehr repariert werden und die Küste im Bundesstaat Mississippi sei komplett zerstört, sagte Bush in Washington.

Zudem wächst die Sorge, dass sich Seuchen wie Typhus und Cholera ausbreiten könnten. "Die Bedingungen verschlechtern sich rapide", warnte eine Gesundheitsexperte von der Staats-Universität Louisiana.

Plünderung mit Gabelstabler

Auch die Plünderungen nehmen immer schlimmere Ausmaße an. Nach Fernsehberichten räumten am Mittwoch in der nach einem Dammbruch zu 80 Prozent überfluteten Metropole New Orleans (Louisiana) "ganze Horden von Menschen" Läden aus, und Plünderer benutzten in einem Fall sogar einen Gabelstapler, um Fensterscheiben in einem höheren Stockwerk einzuschlagen.

Im Nachbarstaat Texas rüstete man sich unterdessen für das Eintreffen von tausenden Katastrophen-Flüchtlingen. Um Mitternacht sollten die erste Busse aus New Orleans vor dem Astrodome-Stadion in der texanischen Hauptstadt Houston anrollen. Dort sollen die schätzungsweise 23000 bis 30.000 Menschen, die bisher unter unerträglichen sanitären Umständen im Footballstadion "Superdome" in New Orleans campierten, vorübergehend eine Bleibe finden.

Ganze Stadtviertel im Wasser verschwunden

Bush verschaffte sich auf seinem Rückflug von Crawford nach Washington an Bord der Präsidentenmaschine Air Force One aus der Luft ein erstes persönliches Bild von der Lage in Louisiana und in Mississippi, wo nach inoffiziellen Angaben bereits mindestens 110 Tote gezählt worden und ganze Straßenviertel im Wasser verschwunden sind. Nach Angaben von Bush befanden sich am Mittwoch insgesamt 78.000 Menschen in Notunterkünften.

Der Wiederaufbau in den drei hauptsächlich betroffenen Staaten Louisiana, Mississippi und Alabama werde Jahre dauern, sagte Bush nach einem Flug über die betroffenen Gebiete. Im einzelnen kündigte er die Entsendung mehrerer Marineschiffe, amphibischer Fahrzeuge sowie Hubschrauber und die Einrichtung dutzender großer Feldlazarette mit insgesamt 10.000 Betten an. Hunderte von Lastwegen stünden für Hilfsgütertransporte bereit, beispielsweise für die Anlieferung von 5,4 Millionen Paketen Fertignahrung. Bush will auch zusätzliche 11.000 Nationalgardisten in die Katastrophengebiete schicken. 5000 von ihnen sollen der Polizei helfen, für Ruhe und Ordnung zu sorgen.

Stars rufen zur Spende auf

Auch Hollywoodstars und Musiker setzen sich mit Spendenaufrufen und Konzerten für die Opfer von Hurrikan "Katrina" ein. Der US-Sender NBC plant am Freitag ein Benefiz-Konzert, bei dem die aus den Südstaaten stammenden Musiker Wynton Marsalis, Harry Connick Jr. und Tim McGraw auftreten. Hollywoodstar Leonardo DiCaprio werde in der Show um Spenden für die Opfer bitten. Der gesamte Erlös soll dem amerikanischen Roten Kreuz zufließen. Künstler wie Morgan Freeman, Alicia Keys, John Mellencamp und Usher planen weitere Aktionen.

DPA / DPA