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Großbrand: Welche Reliquien und Kunstwerke von Notre-Dame gerettet werden konnten – und welche nicht

Nach ersten Meldungen sind zahlreiche religiöse und künstlerische Schätze von Notre-Dame gerettet worden. Aber einiges wurde auch Opfer der Flammen. Eine Übersicht.

Feuer von Notre-Dame: Jesu Dornenkrone: Diese unbezahlbaren Schätze konnten aus den Flammen gerettet werden

Nach der Brandkatastrophe von Notre-Dame, die große Teile der Kirche zerstörte, gibt es auch gute Nachrichten. Frankreichs Kulturminister Franck Riester versicherte, dass der größte Teil der religiösen und künstlerischen Schätze aus der Kathedrale gerettet werden konnte. Die für Katholiken sehr wertvolle Dornenkrone und andere Gegenstände seien im Pariser Rathaus untergebracht worden, sagte Riester dem Sender LCI am Dienstagmorgen. Es habe die reale Gefahr bestanden, dass der Nordglockenturm bei dem Brand zerstört wird, erklärte der Minister. "Und das hätte dann zur völligen Zerstörung von Notre-Dame de Paris geführt." Der außergewöhnliche Mut der Feuerwehr habe das verhindert. Nun müsse man an den Wiederaufbau denken. "Wir haben immer noch die Fachkenntnis, ein solches Gebäude zu bauen."

Doch welche Kunstwerke und Reliquien gab es überhaupt in Notre-Dame und welche konnten gerettet werden? Noch gibt es darüber keine abschließenden offiziellen Angaben. Was bisher bekannt ist:

Gerettete Reliquien und Kunstwerke von Notre-Dame

Dornenkrone von Jesus: Sie ist die wertvollste Reliquie von Notre-Dame und die wertvollste der katholischen Kirche überhaupt. Der als Heiliger verehrte König Ludwig IX. erwarb sie nach offiziellen Quellen im Jahr 1239. Angeblich ist es die Original-Dornenkrone, die römische Soldaten Jesus aufsetzten, um sich über ihn lustig zu machen. Eine weitere äußerst wertvolle Reliquie ist die Tunika von Sankt Ludwig, die der König zu Lebzeiten getragen haben sollAuch sie wurde gerettet.

Weitere Reliquien, die den Flammen entkamen, sollen laut "Le Figaro" ein Splitter aus dem Kreuz Jesu und ein Nagel von der Kreuzigung sein.

Die sechzehn kupfernen Statuen vom Spitzturm von Notre-Dame wurden gerettet, weil sie gerade restauriert werden und sich gar nicht an ihrem Platz befanden. Sie waren erst vor wenigen Tagen entfernt worden. Es handelt sich um die Darstellung der zwölf Apostel und der vier Evangelisten. Sie stammen aus dem 19. Jahrhundert –genau wie der Spitzturm, der beim Brand einstürzte. Die Feuerwehr konnte jedoch die beiden Glockentürme retten, und auch die Struktur des Kirchenschiffs konnte weitgehend erhalten werden.

Beschädigte und zerstörte Kunstwerke

Unklar ist, welche Schäden, die Gemälde genommen haben, die im Kirchenschiff hängen, die 50 sogenannten "Mays". Die großen Ölgemälde wurden zwischen 1630 und 1707 von bedeutenden Künstlern angefertigt und jeweils zum 1. Mai eines Jahres zu Ehren der Heiligen Maria aufgehängt. Beim Ausbruch des Feuers waren 13 Gemälde davon in den Seitenkapellen der Kirche aufgehängt.

Zwei weitere bedeutende Gemälde waren offenbar im Hauptschiff ausgestellt. Darunter "Die Heimsuchung Mariä" des französischen Künstlers Jean Jouvenet aus dem Jahr 1716 sowie "Thomas von Aquin am Brunnen der Weisheit" von 1648 des Künstlers Antoine Nicolas. Die großen Gemälde sollen laut Riester eher einen Rauch- als einen Brandschaden erlitten haben.

Die berühmten Rosettenfenster, die zu den Hauptattraktionen der Kathedrale gehörten, haben überlebt und sind Berichten von "CNN" zufolge "sicher". Ob nicht durch die extreme Hitze doch Schäden aufgetreten sind, ist noch unklar. Kulturminister Riester bestätigte, dass die Rosenfenster wohl "keinen katasrophalen Schaden" erlitten hätten.

Die jahrhundertealten Fenster versinnbildlichen die Blumen des Paradieses. Sie wurden im 13. Jahrhundert erschaffen und seitdem mehrmals renoviert. Zwei der Rosenfenster haben einen Durchmesser von 13 Metern. In der Mitte der drei Glasfenster sind jeweils die Jungfrau Maria, das Jesuskind und Christus abgebildet.

Notre-Dame verfügt über zwei Orgeln. Die Hauptorgel ist auf der Westempore und gehört zu den größten und bekanntesten der Welt. Einige Bestandteile stammen aus dem 18. Jahrhundert. Zwischen 2012 und 2014 wurde sie restauriert. Sie ist nicht zerstört, hat aber wohl schwere Schäden davongetragen.

Schweren Schaden hat auch der Hauptaltar genommen, aber einige Elemente könnten möglicherweise gerettet worden sein. Nach den Fotos zu urteilen, die in Notre-Dame nach dem Brand aufgenommen wurden, blieben ein Kreuz und einige Statuen intakt.

Was aus den Skulpturen im Kirchenraum geworden ist, zu denen allein 37 Maria-Figuren zählen, ist ebenfalls noch nicht bekannt. Es ist zu befürchten, dass sie zerstört worden. Als eine der schönsten gilt "Die Jungfrau mit dem Kind". Sie wurde Mitte des 14. Jahrhunderts realisiert. Ebenso bemerkenswert ist die monumentale marmorne Skulptur des Bildhauers Nicolas Coustou. Die Pietà wurde von Ludwig XIV. in Auftrag gegeben und zeigt die Jungfrau Maria, auf deren Knien der leblose Körper von Jesus Christus liegt.

Quellen: "Le Figaro", "Focus", DPA

Sehen Sie auch im Video: So sieht es nach dem Brand aus – Aufnahmen zeigen die schweren Schäden im Inneren von Notre-Dame

tis