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Obdachlos nach Überschwemmungen Flutopfer in Mosambik finden keine Hilfe


Vor zwei Monaten löschte eine Flutwelle das Haus von Katarinas Familie von der Landkarte. Die Mosambikanerin teilt das Schicksal von 150.000 Flutopfern. Sie alle sind längst auf sich allein gestellt.

Zu Beginn des Jahres ist für Katarina die Welt zusammengebrochen: Bei Überschwemmungen von weiten Teilen Mosambiks wurde auch ihr Haus zerstört. Nun ist sie mit anderen Familien in einer Schule untergebracht, in einem Vorort der Hauptstadt Maputo. Von den 114 Obdachlosen dort sind 82 Kinder.

"Seit dem 15. Januar leben wir nun hier in dieser Schule und wissen nicht, was aus uns werden soll", sagt die 34-jährige Mutter, die wieder hochschwanger ist. "Wir brauchen ein Stück Land und Baumaterial, dass wir uns ein neues Haus bauen können." Aber Katarina ist völlig mittellos. Nicht einmal den Schulbus für ihre vier Söhne kann sie bezahlen, so dass diese den 15 Kilometer langen Schulweg zu Fuß zurücklegen müssen.

Ihre Hoffnung auf Hilfe der Regierung wird von Woche zu Woche geringer. Bald nach der Flut, die 55 Menschen das Leben kostete und 150.000 obdachlos machte, kam ein Minister mit Regierungsbeamten vorbei und versprach ein Stück Land und Entschädigung. Auch habe es eine regelmäßige Versorgung mit Lebensmitteln gegeben, erzählt Katarina weiter - erst vom Staat, dann von privaten Hilfsorganisationen. "Jetzt kommt keiner mehr", klagt sie. "Seit zwei Wochen haben wir nur noch Bohnen gegessen."

Angst vor dem eigenen Zuhause

In der Notunterkunft schlafen die Männer auf der linken Seite, die Frauen mit den Kindern auf der rechten Seite. Wer Glück hat, kann auf einer Strohmatte übernachten. Die meisten aber schlafen auf dem harten Betonboden. "Wir wissen nicht, wie es weiter geht mit uns", sagt die 34-jährige Mutter. "Wir können ja nicht für immer in dieser Schule hier leben."

In der Nähe von Katarinas zerstörtem Haus sitzt Nelson Carlos auf seiner halben Terrasse und blickt traurig auf die Schlucht, die die Wassermassen neben seinem Haus gerissen haben und dieses teilweise zerstört haben. "Wir haben uns nie Sorgen gemacht, hier zu wohnen", sagt der 20-Jährige. "Es hat schon so oft geregnet." Vor allem im Januar gibt es regelmäßig heftige Niederschläge in dem ostafrikanischen Land. Am 15. Januar aber seien die Wassermassen mit einem so unglaublichen Druck gekommen, dass sie ein kleines Mädchen mitgerissen hätten, fünf oder oder sechs Jahre alt. "Meine Nachbarn und ich haben versucht, sie zu retten, aber wir konnten nichts tun."

Seitdem kämpft Nelson Carlos um das eigene Überleben. "Wir wissen nicht, ob die Regierung uns helfen wird, das alles zu reparieren." Zwei Schlafzimmer und das Wohnzimmer seien zerstört und die Terrasse. Der 20-jährige ist mit seinem Cousin geblieben, in zwei Zimmern wohnen sie mit gut zehn Familienmitgliedern zusammen, Frauen und Kindern. "Jetzt haben wir Angst, hier zu wohnen. Das Haus steht doch so nah am Abgrund, dass alles nach unten absacken kann. Manchmal kann ich nachts nicht schlafen, weil ich Angst habe, dass das ganze Haus wegbricht."

Britta Pedersen, DPA DPA

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