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Künstliche Besamung: Pandas wollten's klassisch machen, doch der Berliner Zoo überlässt nichts dem Zufall

Pandas und die Fortpflanzung, das ist eine komplizierte Angelegenheit. Meng Meng und Jiao Qing wollten es zwar auf die klassische Art versuchen, doch der Berliner Zoo war noch nicht überzeugt – und ließ Experten ran.

Die Pandas versuchten es klassisch (links), der Zoo ging lieber mit modernen Methoden auf Nummer sicher

Die Pandas versuchten es klassisch (links), der Zoo ging lieber mit modernen Methoden auf Nummer sicher

5480 Quadratmeter in bester Innenstadtlage, preisgekrönter In- und Outdoor-Garten, lichtdurchflutete Pavillonarchitektur, zu betreten durch ein chinesisches Prachttor im Pagodenstil: Panda in Berlin müsste man sein.

Neun Millionen Euro hat das Gehege gekostet, fast eine Million Euro pro Jahr zahlt der Berliner Zoo für die Anwesenheit der Bären, 30 bis 45 Kilogramm Bambus werden jeden Tag frei Haus geliefert. Bislang muss sich das selbst für die zwei Bären gut angefühlt haben. Und wenn mal ein Bambushälmchen quer lag, lief Meng Meng, 5, die jüngst als "Panda-Persönlichkeit des Jahres" mit dem silbernen Giant Panda Global Award ausgezeichnet wurde, eben ein paar Tage lang rückwärts. Dann rückten Panda-Experten an und versuchten, die Panda-Welt wieder ins Lot zu bringen.

Die Pandas versuchten es klassisch (links), der Zoo ging lieber mit modernen Methoden auf Nummer sicher

Die Pandas versuchten es klassisch (links), der Zoo ging lieber mit modernen Methoden auf Nummer sicher

Seit Meng Mengs Hormonkurve Achterbahn fährt, ist es jedoch vorbei mit dem Leben im Paradies. Chinesische Fortpflanzungsmediziner sind angereist. Der "Liebestunnel" zwischen Meng Mengs Gemächern und dem Revier von Jiao Qing, 8, wurde geöffnet. Dominant soll sie sein, die rollige Panda-Dame, hieß es in einer Mitteilung des Zoos. Schüchtern der Herr. Durch "Quieken" habe sie Bereitschaft signalisiert, er durch "Meckern" sein Interesse. 

Der Ejakulator überlässt nichts dem Zufall

Da aber bei den Pandas mehr als nur das private Glück auf dem Spiel steht, überlassen der Zoo, Berlin, Deutschland und China nichts dem Zufall. Die Panda-Diplomatie verlangt Nachwuchs. So wurden schon vor Beginn der 72 empfängnisbereiten Stunden ein Panda-Behandlungsraum mit Panda-Beatmungsgerät und Panda-Elektro-Ejakulator vorbereitet.

Als Jiao Qing dann doch ausprobierte, wozu ihn Meng Meng animiert hatte, in einem Raum, der aussieht wie ein Fahrstuhlschacht, vor den Augen der Fortpflanzungsmediziner, wollten sich die Experten nicht auf die launenhafte Natur verlassen.

Das Techtelmechtel der Kuschelriesen endete auf dem OP-Tisch. Dem narkotisierten Jiao Qing wurde Samen geraubt und mit Hilfe des Elektro-Ejakulators bei Meng Meng eingeführt. Ein Foto dieser unromantischen Prozedur zeigt das auf dem Rücken liegende Panda-Weibchen mit gespreizten Beinen, umringt von mindestens sieben Männern, wobei Zoodirektor Knierim für das Foto selbst Hand an die Bärin legt. Ein Herr mit grauem Schopf und Lesebrille führt ein Gerät in die präsentierte Körperöffnung des Tieres ein. 

Panda-Sex-Geschäft inklusive Tierporno

Zwar ist menschliches Nachhelfen bei den vom Aussterben bedrohten Pandas auch in Chinas Aufzuchtstationen eher die Regel als die Ausnahme. Dennoch: Die Fotos der kopulierenden und zwecks Besamung dann niedergestreckten Bären lassen sich kaum unter der Rubrik "Artenschutz" einsortieren. Das völlig verrückte Panda-Sex-Geschäft inklusive Tierporno – auch die Liebeslaute der Bären gibt es als Download für die Medien – ist jedoch noch nicht beendet. Etwa im Juni wird erstmals zu erkennen sein, ob Meng Meng trächtig ist, oder sich nur eine Scheinschwangerschaft eingestellt hat. Und auch bei einer möglichen Geburt wird die Wissenschaft nichts dem Zufall überlassen.

1860 ausgewachsene Große Pandas soll es laut jüngster Zählung weltweit noch geben. Zwei davon wurden nach Berlin ausgeliehen. Ihr Nachwuchs gehört China. Ginge es um Artenschutz, wären die Tiere in ihrer heimischen Umgebung besser aufgehoben, streng bewacht von der chinesischen Regierung. Doch es geht um Standortfaktoren, Handelsabkommen, Marketing-Konzepte und Alleinstellungsmerkmale. Und um viel Geld. 

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