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Verschollene Frauen: Experten zweifeln an ihrer Geschichte: Segel-Überlebens-Story wird zum rätselhaften Fall

Jennifer Appel und Natasha Fuiava waren fünf Monate lang im Pazifik verschollen. Ihr Segeltörn von Hawaii nach Tahiti wurde zum Überlebenskampf. Oder wollten die Amateur-Seglerinnen nur, dass dieser Eindruck entsteht? Experten zweifeln an ihrer Geschichte.

Ihre Geschichte ist um die Welt gegangen: Jennifer Appel und Natasha Fuiava wollten von Hawaii nach Tahiti segeln. Achtzehn Tage waren für ihren Segeltörn eingeplant. Doch aus ihrer Überfahrt wurde ein Überlebenskampf. Die Seglerinnen und ihre zwei Hunde waren fünf Monate auf dem Pazifik verschollen, bis sie vor der japanischen Küste durch taiwanesische Fischer gerettet wurden. Eine Aneinanderreihung von Unglücken und Missgeschicken soll die unerfahrenen Seglerinnen in diese missliche Lage getrieben haben. Angeblich. 

Denn an der spektakulären Geschichte, die genug Stoff für einen Film-Krimi bieten würde, bestehen offenbar erhebliche Zweifel.

Warum haben sie kein Notsignal abgesetzt?

Natasha Fuiava und Jennifer Appel scheinen wesentliche Informationen in ihrer Geschichte auszusparen, wie nun der britische Sender "BBC" berichtet. Demnach würden die Schilderungen der Seglerinnen einige Logiklöcher aufweisen, wenn nicht gar Widersprüche und Ungereimtheiten.

Zweifel an uferloser Odyssee: Überlebenskampf von Seglerinnen sei widersprüchlich

Logiklöcher und Widersprüche: Was ist (wirklich) bei dem misslungenen Segeltörn von Jennifer Appel und Natasha Fuiava (v. l.) passiert?

Zwei Monate, nachdem sie Hawaii verlassen hatten, begannen sie, täglich Notrufe abzusetzen. So berichten es die Amateur-Seglerinnen. Nur: Weder Appel noch Fuiava sollen ein Notsignal abgesetzt haben, wie nun ein Sprecher der US-Küstenwache gegenüber dem britischen Rundfunk sagt. Im Gespräch mit den beiden Frauen hätte sich herausgestellt, dass sie auch ein sogenanntes Emergency Position Indicating Radio Beacon (EPIRB) an Bord gehabt, dieses aber nicht benutzt hätten. Das Gerät sendet ein Notsignal aus, das Schiffe in der Umgebung alarmiert. Es gebe keine Hinweise, dass das EPIRB nicht funktioniert habe oder die unerfahrenen Seglerinnen nicht wussten, wie es einzusetzen ist. Die Frauen hätten später eingeräumt, sich gegen den Einsatz des Geräts entschieden zu haben, weil sie keine (Lebens-)Gefahr für sich gesehen hätten. 

Offenbar gab es doch Funkkontakt

Darüber hinaus sei es sogar zu einem Funkkontakt mit der Sea Nymph (so der Name des Bootes) in der Nähe von Tahiti gekommen, dem ursprünglichen Ziel der beiden Seglerinnen. Wie ein Sprecher der US-Küstenwache der Nachrichtenagentur AP laut "BBC" gesagt habe, hätten Appel und Fuiava erklärt, dass sie in keiner Notlage seien und in Kürze an Land zurückkehren würden. Der Kontakt sei zustande gekommen, nachdem die Seglerinnen (nach eigener Aussage) in einen schweren Sturm geraten und ihre gesamte Kommunikation daraufhin ausgefallen bzw. unbrauchbar geworden sei.

Wie kann das sein? Ein kurzer Rückblick: Laut der "New York Times" hatten die Freundinnen ein UKW- und ein Amateur-Funkgerät sowie ein Funk-Telefon an Bord - doch niemand habe ihre Notrufe gehört. Das lag wohl nicht nur daran, dass ihre Jacht abseits von Schifffahrtsrouten über das Meer trieb. Keines der Geräte habe funktioniert, sagte Appel der Zeitung. Offenbar habe es Probleme mit einer Antenne gegeben, hieß es. Auch ihr Satellitentelefon habe keine Verbindung bekommen. 

Das allein sei schon extrem unwahrscheinlich, sagte der pensionierte Offizier der Küstenwache Phillip Johnson der Nachrichtenagentur AP. Die Geräte würden nur sehr selten ausfallen und seien so konstruiert, dass sie auch problemlos in den Ozean fallen könnten. 

Hat es den Sturm im Pazifik gar nicht gegeben?

Zumal der Sturm, der die Seglerinnen kurz nach ihrer Abfahrt von Hawaii für drei Tage im Bann gehalten haben soll, scheinbar gar nicht stattgefunden hat. Wie die "BBC" berichtet, habe der Wetterdienst für diesen Zeitraum keinerlei Stürme in der Region ausmachen können. Die Seglerinnen berichteten zuvor, dass sie am 30. Mai in einen Sturm geraten seien, der die Maschine und den Mast beschädigte. Von da an trieben sie hilflos über das Meer.

Ein Video der Rettung der beiden zeigt, dass der Mast der Jacht noch immer stand. Warum Appel und Fuiava also nicht zumindest ein Segel flicken und am Mast befestigen konnten, ist bislang unklar. Eine mögliche Erklärung: "Ich hatte keine Ahnung, worauf ich mich da einlasse", sagte Appel, die seit zehn Jahren die Inseln Hawaiis besegelt, laut der Zeitung "The Guardian". "Als ich Natascha fragte, sagte ich ihr, dass ich keine Ahnung habe, was da draußen passieren wird und sie sagte 'Das ist okay, ich bin noch nie gesegelt.'" 

Dabei beschäftigt die Experten noch eine andere Frage: Warum waren die beiden Hunde, die ebenfalls an Bord waren, trotz mangelhafter Ernährung - durch Reis, Nudeln und Haferflocken  - dennoch in so guter gesundheitlicher Verfassung?

Die Küstenwache untersuche den Fall weiter, heißt es. Die Geschichte von Jennifer Appel und Natasha Fuiava scheint noch nicht auserzählt. 

fs