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Ungewollte Sendungen aus China US-Haushalte bekommen mysteriöse Pakete mit Saatgut geschickt – das steckt offenbar dahinter

Päckchen mit Pflanzensamen
Die mit Pflanzensamen gefüllten Päckchen wurden inzwischen aus allen US-Bundesstaaten gemeldet
© Washington State Department of Agriculture
Hunderte US-Haushalte haben zuletzt Pakete erhalten, die sie nicht bestellt hatten. Noch mysteriöser: Im Innern befanden sich kleine, teils versiegelte Tütchen mit Pflanzensamen. Nun scheint klar, was es mit den Sendungen auf sich haben könnte.

Zunächst waren es nur vereinzelte Meldungen, inzwischen sind Medienberichten zufolge alle 50 Bundesstaaten davon betroffen: In den USA haben zuletzt Hunderte von Haushalten Pakete erhalten, die sie jedoch nicht bestellt hatten. Noch mysteriöser: Die vermeintlich aus China per Luftpost verschickten Sendungen wiesen alle den gleichen Inhalt auf: kleine, teils versiegelte Tütchen mit Pflanzensamen.

Nachdem die jeweiligen Landwirtschaftsministerien zunächst völlig im Dunkeln tappten, was es mit den Paketen auf sich haben könnte, scheint ein Teil des Rätsels nun gelöst, wie unter anderem der US-Sender CNN berichtet. Demnach dürfte es sich um eine Betrugsmasche handeln.

Sorge vor invasiven Pflanzen, die "ernsthafte Bedrohung" darstellen

Zuvor hatten die zuständigen Behörden die verunsicherten Empfänger eindringlich davor gewarnt, die Tütchen zu öffnen, die Samen zu konsumieren oder gar einzupflanzen. So schrieb unter anderem das Landschaftsministerium des Bundesstaates Washington noch am Montag, es könne sich um "invasive", also die eigenen Pflanzenwelt schädigende, und auch für Tiere und Menschen schädliche Pflanzensamen handeln. Die Sendungen bezeichnete die Behörde als "landwirtschaftlichen Schmuggel", der eine "ernsthafte Bedrohung für unsere Farmen, Gärten, Tiere und Umwelt" darstelle. Die Ministerien anderer Bundesstaaten warnten die Bürger ebenfalls in sozialen Netzwerken vor den Zusendungen.

Zu diesem Zeitpunkt stand demnach nur fest, dass die Pakete offenbar von Chinas staatseigenem Postunternehmen verschickt worden waren, sie allesamt chinesische Schriftzüge aufwiesen und der Inhalt mal als Schmuck, mal als Spielzeug angegeben war. Auch das US-Landschaftsministerium USDA bat Betroffene daher, die Pakete nicht zu öffnen und stattdessen alles aufzubewahren, bis sich die zuständige Bundesbehörde melde.

Betrüger zielen es auf gute Bewertungen ab

Am Dienstag bezeichnete ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums die Adressetiketten als Fälschung. Chinas Postunternehmen habe die Kollegen auf US-Seite gebeten, die Pakete für eine Überprüfung nach China zurückzuschicken, heißt es im CNN-Bericht.

Und auch die Panik vor einer Invasion schädlicher Pflanzen scheint abzuebben. Auch wenn weiterhin unklar ist, um welche Pflanzensamen es sich handelt und wer dahinter steckt, so sei derzeit die wahrscheinlichste Erklärung, dass es um den Versuch eines sogenannten "brushing scam" (zu deutsch: Bürstenbetrug) geht. Dabei legen sich die Betrüger, in der Regel Drittanbieter eines Produkts, zunächst unter dem Namen des späteren Empfängers ein Konto bei gängigen Verkaufsplattformen wie Amazon oder Ebay an. Anschließend bestellen sie mit dem Account die Ware, die sie dann an den ahnungslosen Empfänger verschicken. 

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Warum? Bei vielen Plattformen kann eine Produktbewertung nur nach erfolgter Auslieferung abgegeben werden. Die Betrüger können sich also im Namen des Betrogenen Fünf-Sterne-Bewertungen geben und so suggerieren, dass Kunden mit dem Anbieter besonders zufrieden sind. Was die Masche für Kriminelle besonders interessant macht: Die Bewertungen können für jedes Produkt abgegeben werden – und unabhängig davon, welchen Artikel der Empfänger tatsächlich erhalten hat.

Dies könnte dann auch erklären, warum als Paketinhalt teilweise "Schmuck" angegeben war, sich im Innern aber nur deutlich billigere Pflanzensamen befanden. 

Quellen:Mitteilung "United States Department of Agriculture" (USDA) / Mitteilung "Washington State Department of Agriculture" / CNN

mod

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