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"Die Höhle der Löwen" In der 100. Folge sind die Löwen in Partystimmung – und machen die "Höhle" zum Charity-Club

DHDL 100.
In der 100. Folge präsentieren Maria Möller (l.) und Laura Mohn (r.) von Talking Hands Daumenbücher für Gebärdensprache.
© Bernd-Michael Maurer / RTL
Im Studio knallten die Sektkorken. So viel Prickel hatten nicht alle Produkte: Ein Wok-Set für unterwegs, Konfetti aus Pflanzensamen und Seife, die einem beibringt, wie man sich richtig die Hände wäscht. Beim Thema Inklusion streckten die Investoren die Waffen – und die "Höhle" wurde zum Spendenverein.
Von Mark Stöhr

"Kamelle!" ist einer der häufigsten Ausrufe im Karneval. Wird in Köln und Düsseldorf demnächst "Samen!" gerufen? Ein Berliner Startup stellte in der "Höhle der Löwen" eine Konfetti-Alternative vor, die Umzüge und Feste bunt und bio machen will. Statt Schnipseln aus Papier und Plastik fliegen Pflanzensamen durch die Luft. Die Reaktion der Löwen? Gewohnt griesgrämig. "Konfetti war der Horror, auch vom Putzen her", erinnerte sich Dagmar Wöhrl an die dunkelsten Stunden ihres Mutter-Daseins. Carsten Maschmeyer gefiel die bunte Frisur eines der drei Gründer nicht: "Ich habe das Gefühl, dass wir auf der menschlichen Ebene nicht zusammenpassen."

Die präsentierten Produkte:

DeWok – Stromloser Wok-Grill

Die Blaue – Vegane Seife mit Farbeffekt

Grundriss in Lebensgröße – Begehbare Baupläne

SaatgutkonfettiKonfetti mit Saatgut von 24 heimischen Pflanzenarten

Talking Hands – Daumenkinos zum Erlernen der Gebärdensprache

Die grünste Gaudi

"Die denken zu viel nach", zischte Carsten Maschmeyer. "Mach es nicht", flüsterte Georg Kofler. So viel Besorgnis war selten im Löwenrudel. Und nur, weil das Trio von Saatgutkonfetti hinter der Bühne ausgiebiger als andere ein Angebot von Ralf Dümmel diskutierte. Der Intensiv-Investor aus Hamburg wollte 20 statt 10 Prozent Anteile. Den Samen-Spontis aus Berlin war das zu viel. Man einigte sich schließlich auf 10 plus 5, wenn die bunten Päckchen in 10.000 Filialen gelistet sind. Für Dümmel ein Kinderspiel.

Dem Deal war eine seltsame Debatte vorausgegangen. Die Jury machte sich weniger Gedanken über den Beitrag zur Biodiversität, den das Produkt ohne Zweifel leistet, sondern mehr über die Unerfreulichkeit von wilden Sämlingen. Vor allem Maschmeyer versetzte die Guerilla-Pflanzerei geradezu in Panik. "Ich kann doch auf einen gepflegten Rasen nicht einfach Saatgut schmeißen." Als das Geschäft besiegelt war, raunte er dem Kollegen Dümmel zu: "Heute hast du Konfettiparty, morgen Katerstimmung."

Gründer der Herzen

Hoher Besuch in der "Höhle": Sternekoch Christian Lohse unterstützte seinen Gründerfreund Steve und brutzelte für die Löwen eine Asiapfanne – mit DeWok (der stern hat das Produkt im Vorfeld getestet). Das an Raclette oder Fondue angelehnte Kochset soll "Woken" cool machen. Steve: ein kölscher Jung mit dem Herzen am richtigen Fleck. "Das Produkt ist mein Baby", sagte er und war von Anfang an nah am Wasser gebaut. 

Die angespannte Gemütslage wurde nicht besser durch das euphorische Feedback, das ihm von den Jurysesseln entgegenschlug. "Unglaublich schön gemacht" (Nico Rosberg) sei sein Wok-System, das aus Massivholz, Edelstahl und Naturstein besteht. "Das könnte ich an meine Kinder vererben", jubelte Judith Williams mit und gab gemeinsam mit Dagmar Wöhrl ein Angebot ab. Das brachte den Gefühlshaushalt von Steve in schwere Turbulenzen. Endgültig vorbei war es mit dem Kölner, als Ralf Dümmel mitbot. "Ich mache es ganz rational", sagte Steve – unter Tränen. Deal Dümmel.

Blau, blau, blau sind alle meine Hände

Hände waschen können wir. Seit Corona sogar besser als früher. Oder doch nicht? "Ich bin 50 Jahre alt", sagte die Erfinderin von Die Blaue bei ihrem Pitch, "und ich musste feststellen, dass ich mir den linken Daumen nie richtig eingeseift habe." Herausgefunden hat sie das mit ihrem eigenen Produkt: Einer Seife, die die Hände blau färbt (der stern hat das Produkt im Vorfeld getestet). Damit soll auch das allerletzte Habitat von Krankheitserregern auf der Haut aufgespürt werden.

Nico Rosberg machte den Test – und, oh weh, blaue Seife landete auf seinem Hemd. Selten rauschte eine Laune so rasant von 100 runter auf 0. "Das geht wieder raus", versuchte ihn die Gründerin zu beruhigen, doch der Formel-1-Weltmeister war überhaupt nicht mehr in Investment-Stimmung. "Was, wenn ich jetzt auf dem Weg zu einem Businesstermin wäre? Mit einem Fleck auf dem Hemd und blauen Fingernägeln?" Den Deal angelte sich am Ende Nils Glagau, den die Seifenfabrikantin mit ihrer entwaffnend-nüchternen Vision überzeugte: "Ich wollte keinen Tinnef machen, sondern was Sinnvolles."

No-Deal der Woche

Kein Investment, trotzdem um 40.000 Euro reicher: So was gibt’s nur in der 100. Folge DHDL. Laura und Maria von Talking Hands verließen strahlend das Studio, aber komisch war es schon. Wurden die beiden jungen Frauen von den Investoren nicht als Unternehmerinnen, sondern nur als Weltverbesserinnen ernstgenommen? Das Produkt: Über 100 Daumenkinos, mit denen Kinder die wichtigsten Wörter in Gebärdensprache lernen können. So sind sie in der Lage, mit anderen Kindern zu kommunizieren, die gehörlos sind oder etwa unter Autismus leiden. Inklusion mal in innovativ.

Kindergartengruppe singt in Gebärdensprache

Die Löwen zollten einer nach dem anderen seine Hochachtung. Aber investieren wollte keiner. Und so wurde aus dem Wettbewerb eine Wohltätigkeitsveranstaltung. Dagmar Wöhrl machte den Anfang und spendete 10.000 Euro. Maschmeyer, Kofler und Williams taten es ihr nach. "Sie sind die bestmögliche Kombination zwischen Sympathie und Geschäft", rief Kofler den Gründerinnen hinterher – ernsthaft?

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