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Demonstration in Denver Pflegekräfte stellen sich Autokorso gegen Corona-Schutzmaßnahmen entgegen

Mehrere Hundert Demonstranten protestieren vor dem Kapitol in Denver gegen Corona-Schutzmaßnahmen
Mehrere Hundert Demonstranten protestieren vor dem Kapitol in Denver gegen die wegen der Coronavirus-Pandemie erlassenen Schutzmaßnahmen
© Jason Connolly / AFP
Es sind beeindruckende Bilder: Eine Fotografin hat festgehalten, wie zwei Mitarbeiter des Gesundheitswesens in Denver Demonstranten blockieren, die gegen die Corona-Schutzmaßnahmen protestieren.

Mitarbeiter des Gesundheitswesens haben sich in Denver im US-Bundesstaat Colorado einem Autokonvoi entgegengestellt, dessen Teilnehmer gegen die in der Coronakrise verhängten Ausgangsbeschränkungen protestierten, wie US-Medien berichten. Die Fotojournalistin Alyson McClaran teilte auf ihrer Facebookseite mehrere Bilder des Vorfalls am Sonntagnachmittag (Ortszeit). Darauf sind mindestens zwei Mitarbeiter des Gesundheitswesens zu sehen, die mitten auf der Straße stehen und den Protestzug blockieren.

"Sie blockierten die Straßen, bis die Polizei einschritt", sagte McClaran nach Angaben der Nachrichtenseite "Insider" der "New York Times". "Die Leute fuhren mit ihren Autos direkt an sie heran."

"Geh nach China, wenn du den Kommunismus willst"

Auf Twitter wurde auch ein Video der Konfrontation hochgeladen. In seinem Tweet schrieb der Nutzer Marc Zenn dazu: "Zwei Pflegekräfte, die aus erster Hand miterlebt haben, welchen Tribut Covid in Colorado fordert, erhoben sich und protestierten friedlich dagegen."

In dem Film ist zu sehen, wie eine Frau sich aus dem Beifahrerfenster eines Pick-up-Trucks lehnt und einen der Gegendemonstranten anschreit: "Dies ist ein freies Land. Das Land der Freien. Geh nach China, wenn du den Kommunismus willst. Du kannst arbeiten gehen, warum kann ich nicht arbeiten gehen?" Der Angeschrieene lässt sich in dem Clip jedoch nicht provozieren, antwortet der Frau nicht und bleibt einfach nur ruhig stehen.

Nach Angaben der "Denver Post" hatten sich am Sonntag mehrere hundert Menschen auf den Stufen des Kapitols in Denver versammelt, um gegen das Herunterfahren der Wirtschaft, die Ausgangsbeschränkungen und die Anordnungen zur sozialen Distanz wegen der Coronavirus-Pandemie zu protestieren. Die Demonstranten hätten US-Flaggen geschwenkt, auf Schildern "Freiheit vor Angst" gefordert, den Gouverneur von Colorado, Jared Polis, einen Tyrannen genannt und erklärt, die wirtschaftlichen Kosten der Schutzmaßnahmen seien höher als der Wert der wenigen Leben, die gerettet werden könnten.

Die Versammlung sei durch eine Vielzahl von Demonstranten unterstützt worden, die etwa vier Stunden lang mit Autos, Lastwagen, Motorrädern und Bussen am Kapitol vorbeigezogen seien, berichtete die "Denver Post". Diese hätten gehupt und US-Flaggen und Protestplakate geschwenkt.

Trump nennt Demonstranten "großartige Menschen"

Am Wochenende hatten in mehreren US-Bundesstaaten Menschen gegen die Schutzmaßnahmen protestiert. Die Demonstranten bekommen zwar in konservativen US-Sendern wie Fox News viel Sendezeit, sind aber tatsächlich nur eine verschwindend geringe Minderheit – in den einzelnen Bundesstaaten meist nur ein paar hundert Menschen. US-Präsident Donald Trump verteidigte die Proteste am Sonntagabend (Ortszeit) bei seiner täglichen Pressekonferenz im Weißen Haus, obwohl sie sich auch gegen Richtlinien richteten, die er selbst erlassen hatte: "Das sind großartige Menschen", sagte Trump mit Blick auf die Demonstranten. "Sie haben Lagerkoller." Diese Menschen wollten "ihr Leben zurück". Er fügte lobend hinzu: "Ich habe noch nie so viele amerikanische Flaggen bei Protesten gesehen."

In den USA sind nach Angaben der Johns-Hopkins-Universität bislang fast 760.000 Menschen an Covid-19 erkrankt und 40.683 Infizierte gestorben. Nach einer am Donnerstag veröffentlichten Umfrage des Forschungsinstituts Pew sorgen sich 66 Prozent der Amerikaner, dass die Bundesstaaten Schutzmaßnahmen zu früh aufheben könnten. Rund 73 Prozent befürchten, dass den USA das Schlimmste noch bevorsteht. Und 65 Prozent meinen, Trump habe zu spät auf die Bedrohung durch das Coronavirus reagiert.

Quellen: Alyson McClaran auf Facebook, Marc Zenn auf Twitter"Insider""Denver Post", "Newsweek"Johns-Hopkins-Universität

mad

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