HOME

Schulen helfen Schulen: Die elf stern-Schulen

Die ersten Betonfundamente sind gegossen, alle Baupläne für die acht Schulen in Sri Lanka und drei Schulen in Indonesien sind von den Behörden genehmigt. Der Wiederaufbau in den Tsunami-Gebieten hat begonnen.

Von Cornelia Fuchs

Die stern-Redakteurin Cornelia Fuchs hat mit dem Fotografen Tomas van Houtryve die Schulen besucht. Sie sprach mit Schülern und Lehrern über ihre Wünsche und Hoffnungen und ließ sich von den Projektleitern der Deutschen Welthungerhilfe die Baupläne zeigen. Seit Monaten verhandeln diese mit den lokalen Behörden vor Ort, um die Standardvorgaben der Regierung in konkrete Bauvorhaben umzusetzen.

Auf Seite 2: Mariamman Grundschule, Kaluwanchikudy, Batticaloa, Sri Lanka

Hinter der dritten Palme links liegen die ersten Ziegel. Die Kinder spielen mit der Lehrerin kleine Theaterstücke im Sand vor dem provisorischen Gebäude aus Palmenwänden und Wellblech, das auf dem Betonfundament errichtet wurde. Das Fundament ist das einzige, was die Welle von der Gesamtschule übrig gelassen hat.

Ganz sorgfältig fegt Murugesapillai den Sand vor dem Eingang sauber. Eines ihrer Beine gibt immer wieder nach, der Knochen ist verformt von schlechter Nahrung. Vielleicht war es auch ein leichter Fall von Polio. In diesem armen Gebiet von Sri Lanka weiß oft niemand so genau, was die Kinder heimsucht.

Ihre vier Brüder und zwei älteren Schwestern besuchen andere Schulen, mindestens zwei werden wieder zurückkehren in die Mariamman-Gesamtschule, wenn das neue Gebäude fertig ist. Murugesapillai lebt mit ihrer Familie einen Kilometer entfernt, in Sichtweite des Meeres. Hier bauen viele ihre Häuser wieder auf, überall werden neue Fundamente gegossen. Die meisten Menschen im Dorf sind bereits vor fünfzehn Jahren geflohen, vor den Unruhen zwischen Tamilen und Singhalesen. Murugesapillais Großvater wurde erschossen, als die Familie vor ihren singhalesischen Nachbarn flüchtete. Von der Welle wollen sie sich nicht noch einmal vertreiben lassen.

Der Direktor Muthiyah Sathiyanathan, 57, arbeitet seit fünf Jahren an der Grundschule. Er hat wie viele seiner Schüler sein Haus verloren. Jetzt wird er zum Bauleiter und wacht über die korrekte Auslieferung der Materialien. "Unsere Schüler lieben es, Theater zu spielen", sagt er. "Das hat ihnen nach der Flut sehr geholfen, ihre Ängste zu artikulieren." Und schaut Murugesapillai zu, wie sie im Schul-Spiel einen Vogel nachahmt, der fliegen lernt.

Schülerzahl vor dem Tsunami

: 650 Kinder im Alter von fünf bis sechzehn Jahren

Schülerzahl zurzeit

: 32 - die meisten Kinder besuchen bis zum Ende des Wiederaufbaus umliegende Schulen. Glücklicherweise gab es keine Todesopfer unter Schülern und Lehrern, weil die nahegelegene Armeebasis die Menschen früh genug warnen konnte.

Wiederaufbau

: Die Schule wurde durch den Tsunami völlig zerstört. Nach Ende der Regenzeit im Januar soll mit dem Bau zweier zweistöckiger Gebäude, einer Aula, einem Lehrerquartier, einer Schulmauer und Toiletten begonnen werden. Die Pläne dazu sind bereits gezeichnet und von den Behörden genehmigt. Außerdem wird die Wasserversorgung durch einen großen Tank verbessert, neue Schulmöbel werden angeschafft.

Kosten (vorläufig)

: 182.000 Euro