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Schweres Schiffsunglück auf der Ostsee: "Lisco Gloria"-Passagiere sind auf dem Weg nach Hause

Die meisten Passagiere kamen mit dem Schrecken davon, nur wenige wurden leicht verletzt: Nach dem verheerenden Brand auf der Ostseefähre "Lisco Gloria" befindet sich die Mehrzahl der Geretteten bereits wieder auf dem Weg nach Hause.

Auf der Ostsee ist ein schweres Schiffsunglück glimpflich ausgegangen. Alle 249 Passagiere und Besatzungsmitglieder konnten gerettet werden, nachdem die Fähre in der Nacht zum Samstag nach einer Explosion in Brand geriet, wie das Havariekommando Cuxhaven mitteilte. Aufgrund der Hitze des Feuers, das vermutlich durch einen technischen Defekt an einem Lkw ausgelöst wurde, konnte das Schiff zunächst nicht betreten werden.

Die 200 Meter lange Auto- und Passagierfähre "Lisco Gloria", die unter litauischer Flagge fährt, war von Kiel zum litauischen Klaipeda (Memel) unterwegs gewesen, wie das Havariekommando des Bundes und der Küstenländer mitteilte. Eine Sprecherin der Landespolizei von Schleswig-Holstein in Kiel sagte, kurz nach der Abfahrt sei wahrscheinlich aufgrund eines überhitzten Kühlaggregats ein Lastwagen in Flammen geraten. Dies habe ein Crewmitglied beobachtet, es sei allerdings nicht gelungen, den Brand zu löschen. In der Folge kam es den Angaben zufolge dann zu einer Explosion auf dem Oberdeck.

Das Schiff befand sich zu diesem Zeitpunkt laut Havariekommando nordwestlich der Insel Fehmarn. Die Passagiere und Besatzungsmitglieder konnten alle auf einer anderen Fähre in Sicherheit gebracht werden. Nach Polizeiangaben wurden insgesamt 249 Menschen von dem Schiff gerettet.

Es gab demnach 28 Verletzte, von denen 23 in Krankenhäuser eingeliefert worden seien. Drei Menschen waren mit dem Verdacht auf Rauchvergiftung sofort per Hubschrauber in Krankenhäuser ausgeflogen worden. Lebensgefahr bestand demnach bei keinem, allerdings mussten am Sonntag weiterhin 16 Menschen zur Beobachtung im Krankenhaus bleiben. Die Passagiere stammten aus Deutschland, Dänemark, Litauen, Lettland, Argentinien und Russland.

Rund 130 Passagiere brachen bereits am Samstagabend um kurz vor Mitternacht mit dem Schwesterschiff der "Lisco Gloria" in Richtung Litauen auf, wie die Polizeisprecherin sagte. Am Sonntag folgten dann insgesamt rund 90 weitere Menschen mit zwei Flügen von Hamburg: "Einige sind so stark traumatisiert, dass sie nicht mit der Fähre fahren wollten", sagte die Sprecherin.

Die Löscharbeiten an der Fähre, die mittlerweile in dänischen Gewässern verankert ist, gestalteten sich schwierig. Durch das Löschwasser bekam das Schiff zunächst etwas Schlagseite, wie ein Sprecher des Havariekommandos sagte. Um ein Sinken zu hindern, sei dann die Taktik geändert worden. "Das Schiff wird an den Seiten mit Wasser bespritzt, um die Außenhülle abzukühlen." Alles Brennbare auf dem Schiff habe "gezielt ausbrennen" sollen.

Am Sonntag war das Feuer weitgehend gelöscht. Es seien keine Flammen mehr zu sehen, und es gebe nur noch vereinzelt Rauchentwicklung, sagte der Leiter des Einsatzkommandos der dänischen Marine, das in der Nacht die Einsatzleitung übernommen hatte. Es war zunächst aber unklar, wann das Schiff ausreichend abgekühlt sein würde, um es betreten zu können.

Geprüft werden sollte zunächst, ob weiterhin kleine Feuer im Inneren des Schiffs brennen, sagte der Einsatzleiter. Dann solle Wasser aus dem Schiff gepumpt werden, um es zu stabilisieren. "Es ist kein Such- und Rettungseinsatz mehr. Zur Zeit ist es ein Umweltschutzeinsatz." Seinen Angaben zufolge befinden sich 200 Tonnen Treibstoff an Bord, bislang sei aber nichts davon ausgetreten. Zu Sicherheit hielten sich trotzdem vier Ölbeseitigungsschiffe vor Ort bereit.

AFP / AFP