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Sechs Tote in Berlin-Köpenick: Der Tod kam lautlos

Es ist bestätigt: Die Familie in Berlin-Köpenick starb an einer Kohlenmonoxid-Vergiftung. Es war offenbar ein grausiges Unglück. Die Ermittlungen konzentrieren sich nun auf die Gastherme in der Wohnung.

Von David Weyand

Der Tod kam überraschend und lautlos. Bis zum Dienstagmittag war es ein Rätsel, woran die sechs Menschen in der Puchanstraße 14, Berlin-Köpenick gestorben waren: Eine Mutter (27) und ihre vier Kinder, sowie der 40-jährige Lebensgefährte der Frau. Nach der Obduktion ist jetzt klar: Kohlenmonoxid hat die Familie ausgelöscht. Das Gas entsteht bei der unvollständigen Verbrennung organischer Stoffe, etwa von Erdgas oder Kohle. Es ist ein farb- und geruchloses Gift, das die Aufnahme von Sauerstoff im Blut blockiert, die Opfer ersticken. Das bedeutet, nach dem bisherigen Erkenntnisstand: Es war keine Familientragödie, kein Verbrechen. Sondern ein tragisches Unglück.

Wie genau das Kohlenmonoxid in die Wohnung gelangte, wird laut Staatsanwaltschaft noch ermittelt. Dennoch gab es offenkundig schon am Montag entsprechende Hinweise: Gegen 18.15 Uhr - Spurensicherung und Mordkommission untersuchten die Erdgeschosswohnung mit den herunter gelassenen Rollläden schon seit Stunden - fuhr ein Techniker der Gasag vor, der Berliner Gaswerke. Nach Angaben der Polizei handelte es sich um eine Routinekontrolle der Gasinstallationen, es sei nichts Auffälliges gefunden worden. Nun bestätigte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft stern.de, dass sich die weiteren Ermittlungen auch auf die Gastherme konzentrieren würden.

Leiblicher Vater schlug Alarm

Es war ein großer Schock für Berlin: Sechs Tote, darunter vier Kinder, die Anwohner im beschaulichen Köpenick waren fassungslos. "Man hört so etwas Schreckliches immer nur in den Nachrichten und dann passiert es plötzlich vor der eigenen Haustür", sagte eine ältere Dame. Heimkehrende Mieter wurden von der Polizei abgefangen und verhört. Bewohner der Nachbarhäuser wussten über die verstorbene Familie nicht viel zu sagen. Angeblich waren die Rollläden der Wohnung immer herunter gelassen. Eine ehemalige Mieterin, deren Mutter noch bis vergangenen Januar in der Wohnung lebte, erzählte, dass diese damals stark renovierungsbedürftig gewesen sei. "Die Dielen bogen sich hoch und das Gas war abgeklemmt". Ob die Wohnung anschließend saniert wurde, wisse sie nicht. Die 27-jährige Frau und ihre vier Kinder seien erst vor etwa drei Monaten dort eingezogen, zuvor hatten sie angeblich wenige Häuser weiter in derselben Straße gewohnt.

Den Polizeialarm ausgelöst hatte der leibliche Vater. Er hatte sich Sorgen gemacht, weil er die Familie seit Freitag nicht hatte erreichen konnte. Ein Streifenwagen fuhr am Montagnachmittag zum Wohnhaus in die Puchanstraße in der Nähe des S-Bahnhofs Köpenick. Links von dem vierstöckigen Haus mit der Nummer 14 ist die "Köpenicker Bierstube" und ein Pizzaservice, rechts das Amtsgericht des Bezirks. Da die Beamten laut Aussage eines Polizeisprechers in der Erdgeschosswohnung keinerlei Lebenszeichen vernahmen, verständigten sie um 14.15 Uhr die Feuerwehr. Sie öffnete die Tür.

Verantwortung fürs Unglück?

Bis spät in die Abendstunden untersuchten Kriminalisten der Mordkommission die Vierzimmerwohnung. Es fanden sich aber keine offenkundigen Hinweise auf Gewalt - etwa Blutspuren. Ein Familiendrama schlossen die Ermittler dennoch nicht aus. In den Medien wurde spekuliert, es könne sich um eine Beziehungstat handeln. Demnach habe womöglich der 40-Jährige erst die Frau und die Kinder mit Medikamenten umgebracht und dann sich selbst. "Wir beteiligen uns nicht an Spekulationen", sagte ein Polizeisprecher und verwies darauf, dass erst die Obduktion weitere Details ans Licht bringen werde. Nach dem Fund der Leichen sperrte die Polizei den Straßenbereich weiträumig ab. Anwohner durften nur passieren, wenn sie sich ausweisen konnten. Vereinzelt lehnten Nachbarn auf ihren Fensterbänken und blickten neugierig hinunter.

Wann die endgültige Ursache für den Austritt des giftigen Gases gefunden sein wird, konnte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft noch nicht sagen. Sie hoffe, in den kommenden Tagen weitere Einzelheiten mitteilen zu können. Auch bei einem möglichen "Unfall oder Unglück" stelle sich allerdings die Frage nach der Verantwortung, sagte sie.