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Protest gegen RB Leipzig: Warum Union Berlin als erster Aufsteiger mit einem Fan-Boykott in die Bundesliga startet

Das gab's noch nie: Wenn Union Berlin am kommenden Wochenende in seine erste Bundesliga-Saison startet, werden die "Eisernen" auf die Aufstiegs-Euphorie und Unterstützung der Fans verzichten müssen - zum Ärger etlicher Spieler. Der Grund: der Gegner.

Video: Union freut sich auf die Bundesliga

Musste es zum Start in das Abenteuer Bundesliga ausgerechnet dieser Gegner sein? Das wird sich in den vergangenen Tagen so mancher im Umfeld von Union Berlin gefragt haben. Ausgerechnet RB Leipzig kommt zum ersten Heimspiel der "Eisernen" in der ersten Liga in die Alte Försterei - und damit kommt es gleich zum Clash der Fußball-Kulturen. Hier der Kult-Underdog aus Köpenick, dort das "Marketing-Konstrukt" aus der Messestadt. Natürlich fühlt sich die als heißblütig bekannte Fan-Szene des 56. Vereins, der es in die Bundesliga geschafft hat, dem Lager der Traditionsclubs in der Liga zugehörig und hat deshalb zum ligaweit üblichen Protest gegen RB Leipzig aufgerufen. Und so werden die Fans die ersten 15 Bundesliga-Minuten ihres Vereins schweigend verfolgen.

Union Berlin - Nach Aufstieg Fan-Boykott zum Start in die Bundesliga

Aufstiegsfeier Ende Mai am Köpenicker Rathaus: Zum Start in die Bundesliga werden die Fans weniger euphorisch sein - zumindest für 15 Minuten.

DPA

Das gefällt längst nicht jedem bei den "Eisernen". Auch Teile der Mannschaft liegen mit den Fans überquer. Allen voran Torhüter Ralf Gikiewicz: "Euer geplanter Boykott in den ersten 15 Minuten ist nicht gut für uns Spieler", schrieb der 31-Jährige auf Instagram. Dabei richtet er sich nicht gegen den Boykott, sondern appelliert an die Fans, im historischen Moment hörbar hinter der Mannschaft zu stehen: "Wir Spieler, zusammen mit Euch Fans, müssen unseren Gegnern zeigen, dass das UNSER Platz ist, UNSER Haus! Sie müssen spüren "Welcome to Hell", dass es nie einfach ist, gegen uns zu spielen."

Beim Halbfinale eines Fußballturniers macht dieser Torwart einen peinlichen Fehler.

"Spieler fällt organisierten Fans in den Rücken"

Mehr als 4000 Likes fuhr der Goalie damit ein, aber auch reichlichen und bitter klingenden Widerspruch:

  • "Bevor man sowas hier postet sollte man sich vielleicht von seinen Mitspielern mal aufklären lassen wofür Union steht und warum so eine Aktion gegen RB so wichtig ist! Der Tag an dem wir aufhören gegen solche Konstrukte zu kämpfen, ist der Tag an dem der Fussball stirbt!", schreibt Fan und User "finch_sozial".
  • Und "tweaker1312" ergänzt: "Merke: Fans sind gut solange sie Stimmung und tolle Choreographien machen aber wehe sie möchten für ihre Ideale und den Fußball wie wir ihn lieben und der Union auch ausmacht kämpfen und einstehen. Raffa ich bin enttäuscht von dir und öffnet einmal mehr die Augen dass längst nicht nur Fußballgötter für uns spielen."
  • "[...] nach Jahrzenten und mehreren Generationen Unioner Spirit, für den wir uns bei weitem nicht immer nur Applaus abgeholt haben, sind wir trotzdem immer noch wer wir eben sind, mit Stolz. Daher finde ich, auf diesem Podest zu stehen und zu sagen: „Ihr könnt gerne dies und das...“ - ziemlich vermessen." ("liquitwalker")
  • "Da fällt ein Spieler unnötig (!) den organisierten Fans in den Rücken und er wird gelobt, es ist kaum zu fassen." ("honi")

Der frühere BVB-Star Neven Subotic, der zur neuen Saison mit seiner Routine die Defensive der "Eisernen" verstärkt, hat dagegen Verständnis: "Es gibt viel zu wenige solcher Proteste", zitiert die "BZ" den 30-Jährigen. "Unsere Fans beziehen eine klare Position. Ich stelle mich hinter unsere Fans." Allerdings räumt auch er ein, dass die Mannschaft mit dem 15-minütigen Schweigen bei der Bundesliga-Premiere einen "sehr, sehr hohen Preis" zahlen müsse. Doch ein Protest, der nicht wehtue sei nur ein Luxusprotest.

Zingler: Union Berlin wird sich nicht verbiegen

Fragt sich nur, ob das Schweigen der Fans den Unionern nicht mehr wehtut als den RB-Spielern. Die Leipziger Profis sind mit solchen Aktionen längst vertraut und es ist ihnen zuzutrauen, dass sie die Situation für sich zu nutzen wissen. Union-Präsident Dirk Zingler aber stellte auf "Radioeins" mit einem Machtwort die Haltung des Clubs klar: "Die Ultras haben den Verein auf ihrer Seite." Auch wenn mehrere Spieler sportliche Nachteile befürchten würden, sei Union die eigene politische Haltung wichtiger.

So werden Gikiewicz, Subotic und Kollegen am kommenden Sonntag ab 18 Uhr (live im stern-Ticker) wohl 15 Minuten durchhalten müssen. Danach aber, so ist zu erwarten, werden die eisernen Fans das RB-Team lautstark spüren lassen: "Das ist UNSER Platz! Welcome to Hell!"

Quellen: "BZ", "Sportbuzzer""Radioeins", Instagram/rgikiewicz

dho

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