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Washington Zwei weitere Polizisten haben nach dem Sturm auf das Kapitol Suizid begangen

Polizisten vor dem Kapitol
Polizisten vor dem Kapitol am 6. Januar
© Samuel Corum/Getty Image / AFP
Insgesamt vier Polizisten, die während des Sturms auf das Kapitol Dienst hatten, haben mittlerweile Suizid begangen. Die psychische Belastung ist für viele der Officer auch mehr als ein halbes Jahr nach dem Angriff noch groß.

Der Sturm auf das Kapitol in Washington am 6. Januar war ein traumatisches Ereignis für die US-amerikanische Demokratie. Anhänger des ehemaligen Präsidenten Donald Trump stürmten das Gebäude, in dem der Kongress die Wahl von Trumps Nachfolger Joe Biden bestätigen sollte. Nur knapp konnten die Sicherheitskräfte damals eine Katastrophe verhindern.

Die Polizisten, die an jenem Tag das Kapitol verteidigten, erlebten eine Extremsituation, die sie auch mehr als ein halbes Jahr später noch belastet. "Ich hätte an dem Tag sterben können, nicht einmal, sondern viele Male", berichtete eine der beteiligten Sicherheitskräfte kürzlich im Untersuchungsgremium des Repräsentantenhauses. Wie nun bekannt wurde, haben sich zwei weitere Polizisten, die während des Sturms auf das Kapitol dort Dienst hatten, das Leben genommen. Insgesamt steigt die Zahl der Polizisten aus dem Kapitol, die Suizid begangen haben, damit auf vier.

Zwei Polizisten nahmen sich kurz nach dem Angriff das Leben

Wie das Metropolitan Police Department mitteilte, wurde am vergangenen Donnerstag einer der Officer tot in seinem Haus aufgefunden. Er wurde 43 Jahre alt. Ein weiterer Polizist, der während des Sturms im Kapitol gearbeitet hatte, habe sich bereits am 10. Juli das Leben genommen. Er starb im Alter von nur 26 Jahren und hinterlässt seine Frau sowie einen Sohn. 

Innerhalb eines Monats nach dem Angriff auf das Kapitol hatten sich bereits zwei Polizisten das Leben genommen. Ob ihre Suizide ebenso wie die Todesfälle im Juli direkt mit den Geschehnissen des 6. Januar in Verbindung stehen, ist umstritten. Die Witwe eines der verstorbenen Polizisten machte im Gespräch mit der "New York Times" aber den Angriff der Trump-Anhänger für den Suizid ihres Mannes verantwortlich: "Als er von diesem Ereignis heimkehrte, wo er auf den Kopf geschlagen wurde, war er ein komplett anderer Mensch. Ich glaube, wenn er an diesem Tag nicht zur Arbeit gegangen wäre, wäre er hier und wir würden dieses Gespräch nicht führen." Auch in einem Bericht des Senats werden die beiden Polizisten, die sich unmittelbar nach dem Sturm auf das Kapitol das Leben nahmen, als Personen aufgeführt, die durch den Angriff "letztlich ihr Leben verloren" hätten. 

Sturm auf das US-Kapitol – ein Greenscreen-Fake?

"Durch die Hölle gegangen und zurück"

Bei einer Anhörung im Untersuchungsausschuss des Repräsentantenhauses berichteten mehrere Polizisten von Traumata, die sie bei den Ereignissen des 6. Januar erlitten hätten. Ein Polizist erzählte, er sei bei der Verteidigung der Kongressabgeordneten und des Kapitols "durch die Hölle gegangen und zurück". Im Zuge der Gewalt kamen fünf Menschen zu Tode, darunter ein Polizist. Dutzende Polizisten wurden verletzt. 

Ein Officer richtete bei seiner Anhörung einen Appell an seine Kollegen, professionelle psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen: "Was wir alle an jenem Tag durchgemacht haben, war traumatisierend und wenn ihr verletzt seid, nutzt bitte die Unterstützung, die uns zur Verfügung steht."

Quellen: CNBCCNN"New York Times"

Sie haben suizidale Gedanken? Hilfe bietet die Telefonseelsorge. Sie ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr unter 0 800 / 111 0 111 und 0 800 / 111 0 222 erreichbar. Auch eine Beratung über E-Mail ist möglich. Eine Liste mit bundesweiten Hilfsstellen findet sich auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention.

Für Kinder und Jugendliche steht auch die Nummer gegen Kummer von Montag bis Samstag jeweils von 14 bis 20 Uhr zur Verfügung - die Nummer lautet 116 111.


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