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Fahrer rast in Gruppe Tod im Urlaubsidyll: Sechs junge Deutsche sterben in den Südtiroler Alpen

Blumen, Kerzen und Gedenkschmuck liegen am Ort des Unfalls
Blumen, Kerzen und Gedenkschmuck liegen am Ort des Unfalls
© Lino Mirgeler / DPA
Sonne, Skifahren, Feiern – eine Reisegruppe aus Deutschland verbringt einige Urlaubstage in den Südtiroler Alpen. Als die jungen Leute nachts von einer Party kommen, rast ein Auto in die Gruppe. Der Fahrer war offenbar im Vollrausch.

Der kleine Wintersportort Luttach in den Südtiroler Alpen steht unter Schock: Rosen und Friedhofslichter erinnern an eine Katastrophe, wie sie die Leute hier nach den Worten des Bürgermeisters bisher noch nie erlebt hat. Einheimische und Urlauber kommen zur Unglücksstelle. Hier war in der Nacht ein Autofahrer mit so hohem Tempo in eine Gruppe deutscher Urlauber gerast, dass die jungen Menschen durch die Luft schleuderten. Sechs Urlauber sterben - alle sind erst um die 20 Jahre. "Wer trinkt, fährt nicht", steht auf einem Schild auf der Straße, die zum dem Urlaubsort führt.

Es ist besonders bitter. Ein 27 Jahre alter Einheimischer soll bis zu zwei Promille Alkohol im Blut gehabt haben, als er mitten in der Nacht in die Gruppe fuhr. Es war kurz nach 1 Uhr nachts, als der Notruf einging und sich den Rettern ein Bild des Grauens bot. Sechs Menschen zwischen 20 und 25 Jahren waren sofort tot. Eine Person kämpft um ihr Leben, auch andere werden schwerstverletzt. Die Überlebenden des Unfalls werden in ihrer Unterkunft von Notfallseelsorgern betreut. Die meisten Toten kommen aus Nordrhein-Westfalen, ein Todesopfer aus Niedersachsen.

Luttach – ein Ort unter Schock

Die Menschen in Luttach halten an der Unfallstelle am Ortsrand inne und können schwer fassen, was hier passiert ist. Ein Augenzeuge stellt eine Kerze auf. Er ist der Busfahrer, der die jungen Leute in der Nacht von einer Disco zurück zu ihrer Unterkunft gefahren hat. Er habe gerade am Straßenrand gehalten, um die Skiurlauber aussteigen zu lassen, als der Unfallfahrer herangerast sei. Er habe noch versucht ihn zu warnen und mit dem Licht aufgeblendet, sagt der Mann sichtlich aufgewühlt. "Da habe ich schon die Leute über die Straße fliegen sehen." Es sei wahnsinnig schnell gegangen.

Ein junger Mann kommt zu dem Busfahrer hinzu, er war in der Nacht als Ersthelfer vor Ort, wie er erzählt. Als er die Unglücksstelle erreichte, hätten überall Leute auf der Straße gelegen. "Ein Mädchen schrie um Hilfe", sagt er. Es sei chaotisch gewesen. "Wie auf einem Schlachtfeld."

Die Unterkunft der Skiurlauber liegt nur ein paar Schritte entfernt auf der anderen Straßenseite. Hier werden die Überlebenden nach dem Unglück von der Feuerwehr abgeschirmt. "Wir, Familie Hofer, Ferienhaus Bruggerhof, sprechen unseren lieben Gästen und deren Angehörigen unser tiefempfundenes Beileid und Mitgefühl aus", steht auf einem Zettel, der an einen Zaun gepinnt wurde. Noch am Sonntag wollen die Überlebenden wieder abreisen. 

Der Ort ist bei Jugendgruppen beliebt

Die meisten von ihnen kommen aus Nordrhein-Westfalen. Mit Dutzenden anderen jungen Leuten sind sie nach Südtirol gekommen. Luttach ist bei Schüler- und Jugendgruppen beliebt, ein Ort mit rund 1100 Einwohnern in den Alpen, der vom Tourismus lebt. Zum Skigebiet sind es nur wenige Minuten. Feiern kann man auch. Zum Beispiel im "Hexenkessel", einem Pub, in dem die Gruppe kurz vor dem Unfall war.

Die Nacht-Shuttlebusse, die in der Gegend fahren, wurden auch deshalb organisiert, damit junge Feiernde nicht betrunken im Auto sitzen und ihr eigenes Leben und das anderer riskieren. Im Ort gab es auch schon zuvor Unmut über die Raser, die auf der Hauptstraße unterwegs seien. Eine Frau, die nicht genannt werden will, sagt, man habe immer wieder auf mehr Kontrollen gedrungen. Dass junge Leute betrunken am Steuer sitzen, ist vielen hier nicht neu. Sollte der Unfallfahrer schuldig sein, drohen ihm bis zu 12 Jahre Haft. 

"Das neue Jahr beginnt mit dieser schrecklichen Tragödie", sagt der Südtiroler Landeshauptmann Arno Kompatscher am Sonntag. "Wir sind alle geschockt." Der Bürgermeister Helmut Gebhard Klammer sagt, alle seien "fassungslos". Er wünsche sich, dass sich über seine Gemeinde, die vom Tourismus lebt, in der Zukunft nicht ein großer Schatten lege.

Andernorts geht schon am Sonntag der Alltag weiter, als sei nichts gewesen. Bei strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel herrscht am Skilift Hochbetrieb.

rw / Ute Wessels / Annette Reuther DPA

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