Trauriger Rekord Immer mehr Kinder saufen sich ins Koma


Noch nie sind so viele Kinder und Jugendliche in Deutschland mit einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus gekommen wie 2008. Rund 25 700 Jungen, Mädchen und junge Erwachsene wurden mit einem Vollrausch stationär behandelt, 11 Prozent mehr als im Vorjahr und 170 Prozent mehr als im Jahr 2000.

Noch nie sind so viele Kinder und Jugendliche in Deutschland mit einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus gekommen wie 2008. Rund 25 700 Jungen, Mädchen und junge Erwachsene wurden mit einem Vollrausch stationär behandelt, 11 Prozent mehr als im Vorjahr und 170 Prozent mehr als im Jahr 2000. Dabei holen die Mädchen kräftig auf, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Dienstag mitteilte, das die Diagnose Alkoholmissbrauch erst seit der Jahrtausendwende erfasst.

"Noch nie betrank sich eine so große Zahl von Kindern und Jugendlichen derart hemmungslos", sagte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans (FDP), in Berlin und sprach von einem traurigen Rekord. "Gegen das Rauschtrinken dieser ständig wachsenden Gruppe von Kindern und Jugendlichen muss mehr getan werden." Der regelmäßige Alkoholkonsum unter Jugendlichen sei in den vergangenen Jahren insgesamt aber zurückgegangen. Zum Vergleich: In Deutschland leben derzeit rund 3,95 Millionen Kinder im Alter von 10 bis 14 Jahren und 4,6 Millionen Jugendliche und junge Erwachsene (15 bis 20 Jahre).

Die Zahl der sturzbetrunkenen Mädchen stieg im Jahresvergleich in allen Altersgruppen stärker als die der Jungen, wie die Statistiker mitteilten. Von den Jugendlichen und jungen Erwachsenen (15 bis 20 Jahre), die nach akutem Alkoholmissbrauch ins Krankenhaus gebracht wurden, waren zwar noch fast zwei Drittel männlich, der Anteil der Mädchen und jungen Frauen stieg aber stärker.

Bei den Kindern, die Alkohol bis zum Umfallen tranken, waren die Mädchen mit 53 Prozent sogar in der Mehrheit, obwohl ihr Anteil an der Bevölkerung nur 49 Prozent beträgt. Außerdem stieg der Anteil der kindlichen Patientinnen mit 22 Prozent stärker als der der gleichaltrigen Jungen.

Dyckmans nannte die Zahl von 4500 volltrunkenen Kindern, die stationär behandelt werden mussten, besonders besorgniserregend. In dieser Gruppe sei die Zahl der Alkoholvergiftungen um 19 Prozent gestiegen. Eine erschreckende Entwicklung sei der Anstieg der Alkoholvergiftungen bei den 10- bis 15-jährigen Mädchen, der stärkste im Jahresvergleich.    

Eine Ausweiskontrolle bis zum geschätzten Alter von 25 Jahren müsse beim Kauf von Alkohol an allen Verkaufsstellen selbstverständlich werden, verlangte die Drogenbeauftragte. "Viele Tankstellen praktizieren dies seit einiger Zeit erfolgreich. Ich werde diesen Vorschlag in Kürze mit dem Hauptverband des deutschen Einzelhandels diskutieren." Die Alkoholprävention in den Schulen müsse zudem weiter gefördert werden. Auch das familiäre Umfeld und ganz besonders die Eltern müssten verstärkt in die Alkoholprävention einbezogen werden.

DPA DPA

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