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Extremes Wetter: Entweder zu nass oder zu heiß: Was ist mit unserem Sommer los?

Was passiert gerade mit unserer Lieblingsjahreszeit? Das Fragen sich viele Menschen in diesen Dauerregentagen. Entweder ist der Sommer zu nass oder zu heiß. Dazwischen gibt es kaum noch was. Klimaforscher haben Hinweise, dass extremes Wetter normal wird.

Regenmengen eines ganzen Monats innerhalb weniger Tage - eine außergewöhnliche Wetterlage beschert vielen Deutschen derzeit einen vollkommen verregneten Sommer. Was im Moment noch außergewöhnlich ist, könnte schon bald nicht mehr nur Ausnahme sein. Stark- und Dauerregen über mehrere Tage - das wird es  Ansicht von Potsdamer Klimaforschern in Deutschland in künftigen Sommern immer wieder geben.

"Ganz 'normale' Bilderbuchsommer, trocken und mit Temperaturen um die 25 bis 30 Grad über mehrere Wochen werden immer seltener", sagt der Meteorologe Peter Hoffmann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Normal werden nach seiner Einschätzung zunehmend längere Trockenperioden und Hitzephasen, gefolgt wiederum von Stark- und Dauerregen.

Auf Wetter der Extreme einstellen

"Es gibt erste Hinweise, dass der Klimawandel nicht nur die Temperaturen allmählich steigen lässt", sagt Hoffmann. Das sei schon einige Zeit zu beobachten. Da sich die Arktis stärker erwärme als der Rest der Welt, verändere das auch die Zirkulation in der Atmosphäre. "Ein häufiger Wechsel von Wetterlagen mit Unwetterpotenzial könnte die Folge sein", sagte der Meteorologe. "Und wenn die Atmosphäre potenziell wärmer ist, fallen Niederschläge intensiver aus." Tagesrekorde bei Hitze um 40 Grad in Süddeutschland im Vorjahr oder sintflutartige Regenfälle wie Ende Juni in Berlin seien dann ohne weiteres häufiger möglich.

Die Folgen seien fast vorhersehbar, sagte Hoffmann. In urbanen Ballungszentren hätten die Wassermassen keinen Raum, überfluteten Straßen und Keller. Die Kanalisation könne die Wassermengen kaum aufnehmen. "Es bleibt nur übrig, sich auf Wechselspiele der Extreme einzustellen", sagte Hoffmann. Das Potsdamer Institut beschäftigt sich mit Themen in den Bereichen Klimawirkung, globaler Wandel und Nachhaltige Entwicklung.

Wärmere Atmosphäre = ergiebigere Niederschläge

"Dieser Sommer ist im Schnitt eigentlich ein Grad zu warm", urteilt Alexander Hübener, Meteorologe vom Hamburger Insitut für Wetter- und Klimakommunikation in der "Hamburger Morgenpost". Das mag sich im Dauerregen nicht so anfühlen, doch ergiebige Niederschläge sind im Sommer nicht unüblich. Der Grund: Wärmere Luft kann mehr Feuchtigkeit aufnehmen. Wird durch die globale Erwärmung die Atmosphäre generell aufgeheizt, verstärkt sich dieser Effekt. Eine Folge: extreme Dauerregentage wie wir sie derzeit erleben. Dazu passt auch eine größere Eisschmelze an den Polen, wie sie Wissenschaftler bereits in den vergangenen Monaten registriert haben.

Berlin Unwetter Unterwasserwelt


Für die kommenden Tage kündigen die Meteorologen endlich nachlassende Niederschläge und auch höhere Temperaturen an. Südlich des Mains wird man dann wieder einen extremen Wechsel erleben können. Bis zum Sonntag soll sich laut Wetter online dort Freibadwetter bei bis zu 30 Grad entwickeln. Zögerlicher verbessert sich das Wetter im Norden. Dort soll es unbeständig bleiben, bei 21 bis 25 Grad aber mehr Sonne und angenehmere Temperaturen als zuletzt geben.

"Hundstage" könnten nochmal Hitze bringen

Ganz muss man die Hoffnung auf schöne Sommerwochen noch nicht aufgeben. Der August ist laut dem langjährigen Mittel ohnehin der wärmste Monat in Deutschland. Im Volksmund sind diese Tage auch als "Hundstage" bekannt. Ob sich eine stabile Schönwetterlage entwickelt, gar eine Hitzeperiode kommt, oder doch wieder unbeständiges und regnerisches Wetter folgt, lässt sich seriös im Moment noch nicht vorhersagen.


dho mit / DPA