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Starkregen, Hagel, Tornado: Zwei Tote bei Unwetter im Norden – Heißester Tag bei 37,1 Grad

Ein Unwetter mit schwerem Sturm hat im Norden mindestens zwei Menschen das Leben gekostet. Fern- und Regionalzüge konnten über Stunden nicht fahren, einige Strecken sind weiter blockiert. In Hamburg wurde ein Tornado gesichtet. Andernorts war es laut Wetterdienst der bisher heißeste Tag des Jahres.

Unwetter - Deutschland - Norden - Hamburg - Tornado

Imposantes Unwetter: Eine Gewitterzelle zieht über die Hamburger Hafencity hinweg

Explosive Mischung am Himmel: Ein heftiger Sturm bis hin zu einem Tornado hat am Donnerstag in Norddeutschland mindestens zwei Menschen getötet. Ein 50-Jähriger wurde in der Nähe des niedersächsischen Uelzen in einem Auto von einem herabstürzenden Baum erschlagen; im Kreis Gifhorn starb eine 83-Jährige, die mit ihrem Wagen in einen umgestürzten Baum fuhr. Orkanböen, heftiger Starkregen und Hagel wüteten und ließen auch den Zugverkehr stillstehen - rund um Hamburg sind weiter Strecken blockiert. In Magdeburg gab es nach Angaben der städtischen Werke eine Reihe von Stromausfällen.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) berichtete, Meteorologen der Luftfahrtberatung hätten in Hamburg den typischen "Luftschlauch" eines Wirbelsturms gesichtet. Der DWD-Tornado-Beauftragte Andreas Friedrich sagte, es habe sich um einen schwachen und nur kurzlebigen Wirbel von wenigen Minuten mit wenig "Bodenkontakt" gehandelt.

Bisher heißester Tag - bis zu 37,1 Grad

Im Laufe des Nachmittags sei das schwere Unwetter nach Osten weiter gezogen, so der DWD. Dort könnten die Sturmböen Geschwindigkeiten bis zu 140 Kilometern in der Stunde erreichen. Außerdem drohten Hagel und Starkregen. Prognosen zufolge muss in besonders betroffenen Gebieten mit Wassermengen von stündlich 30 bis 35 Litern pro Quadratmeter gerechnet werden. Gebietsweise könnte dies sogar noch übertroffen werden. Außerdem bestehe hier ebenfalls Tornado-Gefahr. Die "sehr explosiven Voraussetzungen" für das in Deutschland seltene Unwetterereignis lägen durchaus vor.

Wo der Sturm nicht wütete war es heiß, sehr heiß. Schon einen Tag nach dem kalendarischen Sommeranfang hat es den bisher heißesten Tag des Jahres 2017 gegeben. Wie der DWD mitteilte, wurden in Andernach (Rheinland-Pfalz) 37,1 Grad gemessen. Kurz dahinter lag Köln (Nordrhein-Westfalen) mit 37,0 Grad. 

Unwetter legt Bahnverkehr im Norden lahm

Sturmschäden mit großen Verwüstungen registrierte die Feuerwehr im Kreis Harburg südlich von Hamburg. Verletzte habe es nach ersten Erkenntnissen nicht gegeben, sagte Feuerwehrsprecher Matthias Köhlbrandt. Jedoch seien Dächer abgedeckt und Bäume umgeknickt worden. In der Gemeinde Fliegenberg sei eine Schafherde mit 20 bis 30 Tieren unter umgestürzten Bäumen begraben worden, zahlreiche Tiere seien verendet. "Die Spuren sprechen ein deutliches Bild hier. Das war ein Tornado-Ereignis", sagte der Feuerwehrmann. Die Helfer seien zu 250 Einsätzen ausgerückt. Der DWD sprach dagegen von einer großflächigen Gewitterzelle in dem Ort.

Durch das Unwetter in Norddeutschland ging für viele Bahnreisende nichts mehr: Umgestürzte Bäume legten beinahe alle ICE-Strecken im Norden lahm. Die Strecken Hamburg-Berlin, Hamburg-Hannover, Bremen-Hannover und Hannover-Wolfsburg-Berlin wurden unterbrochen.


Guns N' Roses unterbrochen, Gabalier verschoben

Besucher des Musikfestivals "Hurricane" in Scheeßel bei Bremen mussten sich kurzzeitig in ihre Autos flüchten. Der Veranstalter bat anreisende Gäste, möglichst erst am Freitag zu kommen. "Damit wir eine problemlose An- und Abreise ermöglichen können, möchten wir alle Besucher, die ihre Anreise noch nicht angetreten haben, inständig darum bitten, auf eine Anreise am Freitag auszuweichen", schrieb der Veranstalter am Donnerstag auf seiner Facebook-Seite. Am Abend musste das Hannoveraner Konzert von Guns N' Roses mit 70.000 Besuchern unterbrochen werden. Der Auftritt von Schlagersänger Andreas Gabalier in der Hamburger Trabrennbahn wurde verschoben - voraussichtlich auf den 30. August.

Das heftige Unwetter führte auch zu Behinderungen auf den Autobahnen in Niedersachsen. Auf der A7 zwischen Hamburg und Hannover warnte die Verkehrsmanagementzentrale vor Gefahr durch umgestürzte Bäume. Betroffen war der Abschnitt zwischen Evendorf und Bispingen. Ein umgestürzter Baum bremste auch den Verkehr auf der A1 zwischen Hamburg und Bremen aus. Zwischen Rade und Hollenstedt fiel ein Baum auf den Standstreifen.


Weiterhin Tornado-Gefahr in Ostdeutschland

Wegen des heftigen Unwetters stellte die Deutsche Bahn den Verkehr zwischen Hannover, Hamburg, Kiel und Bremen ein. Das regionale Bahnunternehmen Metronom teilte mit, durch das starke Unwetter und dadurch umgestürzte Bäume seien Strecken kaum oder nur mit großen Einschränkungen zu befahren. Betroffen seien die Linien von Uelzen, Bremen und Cuxhaven nach Hamburg. Züge könnten gar nicht mehr oder nur mit großen Verspätungen fahren.

mod/dho / DPA / AFP