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Studie der WHO Eine von drei Frauen weltweit hat körperliche oder sexualisierte Gewalt erlebt

Eine Frau sitzt in einem Frauenhaus auf einem Bett und schaut zum Fenster
Eine Altersgruppe ist von der geschlechtsspezifischen Gewalt besonders betroffen (Symbolbild)
© Maja Hitij/dpa
In der bisher größten Studie dieser Art hat die Weltgesundheitsorganisation erschreckende Zahlen zu geschlechtsspezifischer Gewalt erhoben. Das Problem existiert weltweit. Doch eine Altersgruppe ist besonders betroffen. 

Frauen und Mädchen erleben mehr Gewalt, als viele Menschen es vielleicht annehmen würden – und das weltweit. In der bisher größten Studie dieser Art hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) neue Zahlen zu dem Problem erhoben. Das Ergebnis: Eine von drei Frauen und Mädchen erleben in ihrem Leben mindestens ein Mal körperliche oder sexualisierte Gewalt. Das sind rund 736 Millionen Betroffene weltweit. Die Gewalterfahrungen beginnen schon früh. Und vor allem im privaten Umfeld.  

Wie die WHO herausgefunden hat, erlebte unter den 15- bis 24-Jährigen ein Viertel aller jungen Frauen Gewalt durch den eigenen Partner, sofern sie schon mal in einer Beziehung waren. Gewalt in der Partnerschaft ist dabei weltweit und in allen Alterskategorien die häufigste Form der Gewalt gegen Frauen und Mädchen – mit rund 641 Millionen Betroffenen. 

Studie der WHO: Eine von drei Frauen weltweit hat körperliche oder sexualisierte Gewalt erlebt

Die Gewalt beschränkt sich aber nicht nur auf das private Umfeld. So haben sechs Prozent sexualisierte Gewalt durch Menschen erfahren, mit denen sie nicht in einer Partnerschaft waren. "Die tatsächliche Zahl ist wahrscheinlich viel höher", heißt es in einer Pressemitteilung der WHO. Das läge an der Stigmatisierung sexualisierter Gewalt und der Tatsache, dass viele Taten nicht gemeldet würden. 

Besonders in Ländern mit niedrigerem Einkommen sei Gewalt gegen Frauen und Mädchen ein Problem, so die WHO. In ärmeren Teilen der Welt hätten schätzungsweise 37 Prozent aller Frauen körperliche und sexualisierte Gewalt in der Partnerschaft erfahren. Die höchste Prävalenz liege dabei in Regionen in Ozeanien, Südasien und Subsahara-Afrika. 

WHO-Chef vermutet mehr Gewalt gegen Frauen in der Pandemie

Die von einer speziell eingerichteten Arbeitsgruppe der Vereinten Nationen durchgeführte Studie basiert auf Daten, die zwischen 2000 und 2018 erhoben wurden. Die Zahlen seien in den vergangenen Jahrzehnten konstant hoch gewesen, so die WHO. Rückschlüsse auf eine Zunahme in der Corona-Pandemie ließen sich aus den bestehenden Daten zwar nicht ziehen. Der WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus vermutet allerdings, dass sich das Problem im vergangenen Jahr verschlimmert habe. 

"Gewalt gegen Frauen ist in allen Ländern und Kulturen weitverbreitet", sagt Tedros. "Die Covid-19-Pandemie hat sie zusätzlich verschärft." Verantwortlich dafür seien Maßnahmen wie die lokalen Lockdowns und ein erschwerter Zugriff auf Hilfe und Beratungen. Er appelliert an Regierungen, Communitys und Individuen, schädliche Ansichten zu verändern und Frauen und Mädchen einen Zugang zu Chancen und Hilfsangeboten zu verschaffen. 

Phumzile Mlambo-Ngcuka, die Chefin der Frauenorganisation UN-Women, spricht sogar von einer versteckten Pandemie. "Jede Regierung sollte entschieden und proaktiv handeln", erklärt sie. "Und Frauen müssen bei diesen Prozessen miteinbezogen werden." 

Quelle: WHO

reb

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