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Amazon-Bestseller: Faking D-Day: Bestsellerautor soll sich Weltkriegsgeschichten nur ausgedacht haben

Der "D-Day aus den Augen deutscher Soldaten", verspricht ein Weltkriegsbuch, das bei Amazon zum Besteller wurde. Historiker vermuten allerdings, dass die vermeintlichen Augenzeugenberichte frei erfunden sind.

Landung der Alliierten in der Normandie

Landung der Alliierten in der Normandie

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Historische Sachbücher über den Zweiten Weltkrieg sind in Großbritannien auch über 70 Jahre nach Kriegsende noch sehr gefragt. Bei Amazon UK gibt es sogar eine eigene Bestsellerliste für Bücher mit dem Thema "World War II D-Day Landings". Auf Platz 1 der Liste steht das Werk "D Day through German Eyes" des Autors Holger Eckhertz. Es erzählt die Landung der Alliierten in der Normandie aus der Sicht deutscher Soldaten.

Das 2016 erschienene Buch verkauft sich offenbar seit Jahren bestens, hat aber möglicherweise ein gravierendes Problem. Wie die "Times" in einem Artikel darlegt, spricht eigentlich alles dafür, dass die vermeintlich authentischen Zeitzeugenberichte der Wehrmachtsoldaten, auf denen das Buch basiert, komplett ausgedacht sind. Drei von der Times befragte Historiker zeigten sich überzeugt, dass der vermeintlich authentische Lesestoff erfunden sei. Ein Vierter wollte sich nicht festlegen.

Der Autor behauptet im Buch, sein Großvater, ein Journalist namens Dieter Eckhertz, habe die Interviews mit deutschen Soldaten und Ingenieuren am zehnten Jahrestag der Landung der Alliierten, also 1954, geführt. In den rund 1000 Rezensionen bei Amazon UK und mehr als 3000 Rezensionen auf der US-Seite von Amazon loben die begeisterten Leser den Detailreichtum und die packenden Beschreibungen der zitierten Personen. Lediglich einzelne Stimmen halten das Ganze für etwas zu gut geschrieben, um wahr zu sein.

Keine Belege für Echtheit

Giles Milton, einer der von der Times befragten Historiker und selbst Autor des Buches "D-Day: The Soldiers' Story" hält das Werk aus mehreren Gründen für einen Schwindel. Zum einen gebe es für keinen der zitierten Soldaten auch nur einen Beleg, dass er existiert habe. "Wenn du irgendeinen anderen Soldaten suchst, wirst du irgendwo eine Spur von ihm finden und sei es im Bundesarchiv", sagt Milton.

Zum anderen fehlen nicht nur von den Protagonisten des Buches jegliche Spuren, sondern auch vom Autor selbst. Er habe weder den Autor noch dessen Großvater, den Verleger des Buches oder den vermeintlichen Übersetzer ausfindig machen können, sagt Milton. Auf Deutsch scheint das Buch auch gar nicht erst erschienen zu sein. "Es wäre ja egal, wenn es nicht konstant das bestverkaufte Buch über den D-Day wäre", erklärt Milton.

Auch die Times konnte den Autor nicht erreichen. Sie habe weder in Deutschland noch in Großbritannien einen Mann dieses Namens finden können. Amazon wollte der Times keinen Kontakt zum Verleger vermitteln.

Immerhin: Britische Leser, die unbedingt den "D-Day durch deutsche Augen" sehen wollen, haben bald eine Alternative. Für den 15. Mai hat ein britischer Autor ein neues Buch mit gleichem Titel angekündigt.

Quelle: The Times

bak