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Katastrophe im Libanon Ammoniumnitrat: Das ist der Stoff, der die Explosion in Beirut ausgelöst haben soll

Videoaufnahme aus Auto von Explosion in Beirut
Sehen Sie im Video - Aus dem Auto heraus gefilmt: Druckwelle der Explosion zerfetzt Autoscheiben. |


Eine heftige Explosion im Hafen der libanesischen Hauptstadt fordert am Dienstag zahlreiche Menschenleben.  
Diese Handyaufnahme eines Autofahrers wurde bereits tausendfach auf Twitter geteilt.  
Zunächst sind nur Rauchwolken in einiger Entfernung zu erkennen.  
Die anschließende Druckwelle der Explosion trifft die fahrende Person unerwartet:  
Bereits nach einem kurzen Augenblick zerbrechen die Scheiben des Wagens.  
Nach offiziellen Angaben sind mehr als hundert Menschen durch die Explosion getötet und Tausende verletzt worden. 
Es wird vermutet, dass die Katastrophe durch eine große Menge Ammoniumnitrat ausgelöst wurde, die im Hafen gelagert wurde.  
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Noch läuft die Suche nach der Ursache der gewaltigen Explosion von Beirut. Als sehr wahrscheinlich gilt, dass die Detonation durch falsch gelagertes Ammoniumnitrat ausgelöst wurde. Was ist das für ein Stoff?

Als wahrscheinlichste Ursache der verheerenden Explosion in Beirut gilt zur Zeit Ammoniumnitrat, das in riesigen Mengen unsachgemäß im Hafen der libanesischen Hafestadt gelagert worden sein soll. Was ist das für ein Stoff?

Ammoniumnitrat ist ein starkes Oxidationsmittel, das zur Herstellung von Düngemittel, aber auch von Sprengsätzen verwendet wird. Unter normalen Lagerbedingungen und bei mäßigen Temperaturen entzünde sich Ammoniumnitrat nur schwer, erläutert die Chemie-Expertin Jimmie Oxley von der Universität in Rhode Island. Auf Videos der Explosionen in Beirut sei zunächst schwarzer, dann roter Rauch zu sehen. "Ich gehe davon aus, dass es eine kleine Explosion gab, die die Reaktion des Ammoniumnitrats auslöste", sagt Oxley.

Ammoniumnitrat: Nur vermischt gefahrlos lagerbar

Normalerweise wird die Chemikalie, die durch Neutralisation von Ammoniak und Salpetersäure entsteht, unter strengen Bedingungen gelagert: So muss sie etwa von Brennstoffen und Wärmequellen ferngehalten werden. In vielen EU-Ländern muss Ammoniumnitrat zudem mit Kalk versetzt werden, um es sicherer zu machen. Denn in reiner Form in großer Menge gelagert verhält sich Ammoniumnitrat ähnlich wie ein Komposthaufen - es erhitzt sich. Ist die Menge groß genug, kann es Feuer fangen. Dabei wird Sauerstoff freigesetzt, der wiederum den Brand füttert. Bei großen Mengen kann dadurch das Ammoniumnitrat schmelzen und eine feste äußere Schicht bilden, während es darunter weiter brennt. Dabei entstehen Gase, die einen zunehmenden Druck erzeugen, der sich schließlich in einer Explosion entlädt.

In Deutschland ist der Umgang mit den farblosen Kristallen durch das Sprengstoffgesetz geregelt. In Düngemitteln darf Ammoniumnitrat wegen der damit verbundenen Gefahr nur in Mischungen verwendet werden.

In Landwirtschaft und Bauindustrie unverzichtbar

Trotz der Gefahren ist Ammoniumnitrat laut Oxley in der Landwirtschaft und für Sprengungen in der Bauindustrie unverzichtbar. "Ohne Sprengstoff wäre die moderne Welt nicht möglich, und ohne Ammoniumnitrat-Dünger könnten wir die heutige Bevölkerung nicht ernähren", sagt sie. "Wir brauchen Ammoniumnitrat - wir müssen nur genau darauf achten, was wir damit machen."

Quellen: Nachrichtenagentur AFP, chemie.de, MDR aktuell, Sicherheitsdatenblatt AmmoniumnitratDeutsches Sprengstoffgesetz

dho

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