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Globale Erwärmung: Fünf Gründe, warum ein Weltklimavertrag so schwierig ist

Der UN-Klimagipfel sucht ab heute Mittel gegen die Erderwärmung. Die Folgen wird die ganze Welt spüren. Warum können sich die Staaten nicht auf gemeinsame Klimaziele einigen? Die wichtigsten Gründe.

Das Treibhausgas CO2 wirkt in der Atmosphäre etwa 100 Jahre lang nach.

Das Treibhausgas CO2 wirkt in der Atmosphäre etwa 100 Jahre lang nach.

1. Es geht auch um Klimasünden von früher

Heute stößt das Schwellenland China deutlich mehr Treibhausgase aus als die USA. Aber CO2 wirkt in der Atmosphäre etwa 100 Jahre lang nach, und historisch betrachtet sind die heutigen Industrieländer die Hauptverantwortlichen für die Erderwärmung. Rechnet man alle Emissionen seit Beginn der systematischen Aufzeichnungen um 1850 zusammen, führen die USA gefolgt von der EU die Liste an. Die aufstrebenden Wirtschaftsnationen leiten daraus ein Recht auf eine "nachholende Entwicklung" ab. Wer gerechterweise wie viel für den Klimaschutz zu tun hat, hängt also von der Betrachtungsweise ab.

2. Alle sehen zuerst die Anderen in der Pflicht

Das Bild sieht noch einmal anders aus, wenn man statt der nationalen Gesamtemissionen den Pro-Kopf-Ausstoß anschaut - also wie viel jeder einzelne Bürger eines Staates zur Erderwärmung beiträgt. Hier relativiert sich der Anteil der bevölkerungsreichen Länder China und Indien am Klimawandel. Hauptsünder sind nun Australien, die USA, Saudi-Arabien und Kanada. Mit der passenden Statistik lässt sich der Schwarze Peter also immer den Anderen zuschieben.

3. Die Folgen treffen vor allem die Schwachen

Die klimatischen Veränderungen werden weltweit zu spüren sein, aber vor allem Menschen in Entwicklungsländern besonders hart treffen. Niedrig liegende Wüstengebiete etwa in Bangladesch und Inseln wie die Malediven sind von einem Anstieg des Meeresspiegels bedroht, in der Sahelzone in Afrika lassen Dürren und Überschwemmungen Trinkwasser und Nahrung noch knapper werden. Den Leidtragenden mangelt es nicht nur an Geld und der Technologie, um sich darauf einzustellen. Sie haben in den Gesprächen auch eine vergleichsweise schwache Verhandlungsposition.

4. Nationale Interessen widersprechen einander

Auch wenn die Notwendigkeit etwas zu tun, überall gesehen wird, kollidieren verbindliche Zusagen nicht selten mit wirtschaftlichen oder machtpolitischen Interessen. Für die Schwellenländer hat das schnelle Wirtschaftswachstum Priorität. Die Golfstaaten leben vom Erdölexport. Vor allem Brasilien belastet das Weltklima mit der Rodung der Amazonas-Regenwälder. Australien, die USA und Kanada setzen traditionell auf fossile Energieträger. In den Verhandlungen sind diese Staaten in der Vergangenheit oft als Gegner eines umfassenden Abkommens aufgetreten.

5. Klimaschutz ist kein gutes Wahlkampf-Thema

Die Klimapolitik einzelner Staaten kann sich mit der innenpolitischen Konstellation schnell ändern. In Deutschland lässt der Atomausstieg die CO2-Emissionen wieder ansteigen. Die australischen Konservativen haben gerade die Klimaschutz-Steuer der Vorgänger-Regierung kassiert. US-Präsident Barack Obama weckte Hoffnungen auf eine Kehrtwende in der amerikanischen Klimapolitik, aber für ein Gesetz fehlt seinen Demokraten die Mehrheit im Kongress. Dazu kommt, dass das komplexe Problem Klimawandel, dessen Auswirkungen sich bisher gut ausblenden lassen, sich nur bedingt im Wahlkampf verkaufen lässt. Das Thema ist also prädestiniert dafür, auf die lange Bank geschoben zu werden.

DPA/ljk / DPA