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Umstrittenes Herbizid: Greenpeace-Gegner sagt, Glyphosat sei trinkbar – weigert sich aber, es zu trinken

Die EU muss über eine Neuzulassung des Unkrautvernichters Glyphosat entscheiden. Das Thema birgt Zündstoff, da das Mittel als potenziell krebserregend gilt. Vor diesem Hintergrund kursiert ein älteres Video im Netz. Es zeigt einen Greenpeace-Gegner – mit einer provokanten These.

Es ist nie eine gute Idee, ein Unkrautvernichtungsmittel zu trinken. Die Mittel bekämpfen unerwünschten Pflanzenwuchs und sind bei unsachgemäßen Gebrauch auch für den Menschen gefährlich. Die Liste der Risiken ist lang und reicht von allergischen Reaktionen bis hin zu schweren toxischen Vergiftungen. Bei Verdacht auf eine Vergiftung muss daher umgehend der Giftnotruf informiert werden.

Der kanadische Greenpeace-Gegner Patrick Moore ließ sich im März vergangenen Jahres dennoch zu der Behauptung hinreißen, das Glyphosat-haltige Mittel Roundup sei derart sicher, dass man es sogar trinken könne. Dies erklärte er in einem Interview mit dem französischen Sender Canal Plus. Das Herbizid Glyphosat des US-Unternehmens Monsanto ist das meistverkaufte Pflanzengift der Welt und in der Vergangenheit massiv in die Kritik geraten – es steht im Verdacht, Krebs auszulösen und das Erbgut zu schädigen.

Reporter führt Greenpeace-Gegner vor: "Möchten Sie etwas davon trinken?"

Ursprünglich war ein Gespräch über Moores Kampagne für genmodifizierten Reis geplant, sogenannten Goldenen Reis. Er enthält hohe Mengen Vitamin A. Doch in einem Nebensatz kommt der Kanadier auch auf das Herbizid Roundup zu sprechen. "Ich glaube nicht, dass der Einsatz von Glyphosat in Argentinien zu einer Zunahme der Krebserkrankungen führt", erklärt er auf eine Frage des Reporters – und fügt an: "Man könnte ein ganzes Glas davon trinken, und es würde nichts ausmachen."

Diese unbedachte Äußerung lässt der Journalist so nicht stehen: "Möchten Sie etwas davon trinken? Wir haben etwas davon hier." Moore bejaht zunächst, rudert dann aber schnell zurück: "Ich bin doch nicht blöd." Daraufhin der Reporter: "Also ist es gefährlich, ja?" "Nein, es ist nicht gefährlich für den Menschen", beharrt Moore und bittet darum, wieder auf das eigentliche Gesprächsthema zurückzukommen. Als der Journalist dennoch nicht vom Glyphosat ablässt, steht Moore auf und beendet das Interview mit den Worten: "Sie sind ein richtiger Trottel."

EU: Abstimmung über Glyphosat vertagt

Das Problem des Kanadiers: Das Internet vergisst nicht, und so wird sein mehrere Monate alter Interview-Fauxpas aktuell wieder fleißig geteilt und in den sozialen Netzwerken verbreitet. Dabei dürfte auch die aktuelle Diskussion um die Glyphosat-Neuzulassung in der EU eine Rolle spielen. Derzeit diskutieren Vertreter aller 28 Mitgliedsstaaten, ob das Mittel erneut für mehrere Jahre in der EU verwendet werden darf. Die für diese Woche geplante Abstimmung wurde vertagt, da mehrere Mitgliedsländer, auch Deutschland, keine einheitliche Position vertreten.

Auch wenn das Video bereits aus dem vergangenen Jahr stammt, führt es dennoch den Knackpunkt in der Diskussion um das Mittel vor Augen: Ob Glyphosat tatsächlich krebserregend für den Menschen ist, kann derzeit nicht gesagt werden. Eine UN-Studie kam jüngst zu dem Ergebnis, dass das Mittel wahrscheinlich kein Krebsrisiko für den Menschen berge. In einem Bericht der zur WHO gehörenden Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) heißt es, Glyphosat sei "wahrscheinlich krebserzeugend bei Menschen".

ikr