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Google ehrt Kindergartenerfinder Friedrich Fröbel: Von Koseliedern und Bauklötzen

Friedrich Fröbel wäre heute 230 Jahre alt geworden. Auch wenn er körperlich nicht mehr anwesend ist, seine Theorien leben weiter. Mit Spielzeug und Kinderliedern hat er nicht nur unsere Kindererziehung, sondern auch unsere Gesellschaft nachhaltig geprägt.

Von Hannah Wagner

Kindergärten sind ein selbstverständlicher Bestandteil unseres Lebens. Doch wer hat diese Art der Kinderbetreuung eigentlich erfunden? Nein, es war kein Schweizer – es war Friedrich Wilhelm August Fröbel. Gut, er hat sozusagen von einem Schweizer gelernt. Denn seine ersten Erfahrungen als Erzieher machte Friedrich Fröbel an der Musterschule in Frankfurt am Main, an der die pädagogischen Konzepte Johann Heinrich Pestalozzis erstmals getestet wurden. Mit diesen Ideen als Grundlage konnte Fröbel anschließend seine ganz eigene Art der Pädagogik und vor allen Dingen der frühkindlichen Erziehung entwickeln.

Friedrich Fröbel wurde am 21. April 1782 in Oberweißbach im Thüringer Wald geboren. Nach einigen beruflichen Ausflügen in die Land- und Naturwissenschaft fand Fröbel schon früh zu seiner Berufung als er im Alter von 23 Jahren seine Arbeit als Erzieher in Frankfurt begann. Nach einigen Jahren als Hauslehrer in der direkten Umgebung von Pestalozzi und seinen Theorien, entwickelte Fröbel dessen Elementarmethode weiter und konzentrierte sich auf die besondere Bedeutung der frühen Kindheit in der menschlichen Entwicklung. Seine Studien brachten Fröbel über die Jahre schließlich sogar zur Gründung seiner "Allgemeinen Deutschen Erziehungsanstalt". Es folgten einige wissenschaftliche Werke zur Familie und Kindererziehung.

Sich entwickeln und spielerisch lernen

Fröbel legte bei seiner Arbeit besonderen Wert auf die Erziehung von Kindern im Vorschulalter. Er betreute Kinder in Heimen und gründete sogenannte Pflege- und Beschäftigungsanstalten für die Kleinsten - die Vorläufer der Kindergärten. In den 1830er Jahren begann der Pädagoge mit der Herstellung von Kinderspielzeug. Denn seine Theorie stützte sich vor allem darauf, dass Kinder sich am besten entwickeln und lernen, wenn sie das spielend tun. De facto gehen die Bauklötze, die bis heute in den Kinderzimmern zu finden sind, auf die Spielsteine Fröbels zurück. Auch Kinder- und Koselieder bilden einen großen Bestandteil in Fröbels Erziehungstheorie. So entstammt das "Häschen in der Grube" seiner Feder. Mit seinen Liedern wollte Fröbel in erster Linie das Verhältnis zwischen Eltern und Kindern stärken. Seine Werke sind darauf ausgelegt, dass Eltern gemeinsam mit ihren Kindern etwas unternehmen und so die Entwicklung ihrer Kleinsten spielerisch fördern. Am 28. Juni 1840 resultierte die Arbeit Fröbels in der Gründung des ersten "Allgemeinen Deutschen Kindergartens" in Blankenburg. 1842 begann Friedrich Fröbel seine Kurse für Kindergärtnerinnen. Zu seinen ersten Schülerinnen gehörte Ida Seele, die sich nach ihrer Ausbildung weiterhin für das Konzept des Kindergartens stark machte.

Mit den Kindergärten schuf Fröbel nicht nur ein innovatives Erziehungskonzept für Kleinkinder, dass sich auch Jahrhunderte nach seinem Tod am 21. Juni 1852 kaum verändert hat. Fröbels Ideen trugen auch wesentlich zur Emanzipation der Frau im 19. Jahrhundert bei. Kindererziehung und Berufstätigkeit waren von nun an leichter miteinander zu verbinden. Wenn man so will, revolutionierte Fröbel die deutsche Gesellschaft ein Stück weit und beeinflusste damit die Kindererziehung auf der ganzen Welt. Noch heute sind seine Spiel- und Lernmaterialien in der Pädagogik anerkannt: Die pädagogischen Grundformen Kugel, Zylinder und Würfel finden sich noch heute in jeder Spielzeugkiste. Und sogar Kunst und Sprache beeinflusste Friedrich Fröbel nachhaltig. Seine Bauformen und Bewegungsspiele können als Vorläufer für die Abstrakte Kunst bezeichnet werden und dienten dem Bauhausstil als Inspirationsquelle. Das niederländische Verb fröbelen hat sich bis heute gehalten und bedeutet, kreativ beschäftigt zu sein.