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Zu wenig Eukalyptus, zu viele Tiere Australien will Koalas töten

Der Süden Australiens steht vor einem Koala-Problem: Angesichts der vielen Tiere gibt es nicht genug zum Fressen - etliche Koalas drohen zu verhungern. Nun wollen die Behörden hart durchgreifen.

Flauschiges Fell, schwarze Knopfaugen und eine süße Stupsnase: Koalas sind in Australien ein Nationalsymbol und bei Touristen ausgesprochen beliebt. Es ist wohl auch der Lebenswandel der Tiere, der ihnen hohe Sympathiewerte beschert: Koalas gelten als behäbig, verbringen ihren Tag mit Dösen oder dem Fressen von Eukalyptusblättern. Doch ihre Vorliebe für die Blätter des Gummibaums wird mehr und mehr zum Problem.

Denn Koalas ernähren sich ausschließlich von Eukalyptusblättern - und die sind momentan Mangelware in der beliebten Touristenregion Cape Otway im Süden des Landes. Gleichzeitig hat sich die dort lebende Koala-Population in den letzten Jahren stark vergrößert. Es gibt also zu wenig Futter für zu viele Koalas.

Die Behörden befürchten, dass zahlreiche Tiere verhungern könnten - und wollen dem vorbeugen, indem sie kranke und unterernährte Tiere töten. "Das Wohlergehen der Koalas und ihres Lebensraums bleiben nach wie vor unsere größten Ziele", erklärte eine Sprecherin des Umweltamtes von Victoria. "Koalas, die wir für zu krank für ein Leben in der Freiheit halten, werden daher auf humane Weise getötet, um ihnen weiteres Leid zu ersparen."

"Man ruiniert den Ruf Australiens mit dieser abscheulichen Quälerei."

Dieses Vorhaben stößt allerdings auf große Kritik: "Man kann hier nicht zweigleisig fahren", erklärte etwa Deborah Tabart, Geschäftsführerin der Australischen Koala Stiftung. "Entweder will man unser Nationalsymbol (und seinen Lebensraum) beschützen und als Botschafter einsetzen - oder man ruiniert den Ruf Australiens mit dieser abscheulichen Quälerei." Außerdem erinnerte Tabart daran, dass viele Koalas extra nach Cape Otway gebracht wurden, um Touristen anzulocken.

Auch in anderen Teilen Australiens gelten die plüschigen Beuteltiere als regelrechte Plage. Seit 2001 steht der Koala auf der offiziellen australischen Liste regionaler Schädlinge - in der Gesellschaft von Termiten, gefräßigen Seesternen und dem fleischfressenden Eisvogel Kookaburra, der auch als Lachender Hans bekannt ist.

Im australischen Bundesstaat Queensland wurden die Tiere dagegen erst kürzlich zur gefährdeten Art erklärt. Ihre Bestände schrumpfen dort stark. Das zwinge Behörden auf allen Ebenen, mehr Schutzmaßnahmen zu entwickeln, sagte die Premierministerin von Queenslands, Annastacia Palaszczuk. "Der Koala ist ein Kulttier, das vielen Bedrohungen ausgesetzt ist, darunter Klimawandel, Einschränkung des Lebensraums, Krankheiten, Autounfälle und Hundeattacken.“

ikr/dpa DPA

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