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Antike Kolosseum bekommt Hightech-Fußboden – auch für neue Gladiatorenkämpfe

Im Film "Gladiator" kommt die Mechanik der Arena ins Spiel - mit der Falltür werden wilde Tiere losgelassen.
Im Film "Gladiator" kommt die Mechanik der Arena ins Spiel - mit der Falltür werden wilde Tiere losgelassen.
© PR
Archäologen rissen einst den Boden der berühmtesten Arena heraus. Nun soll das Kolosseum wieder bedeckt werden, damit ist der Weg frei für Veranstaltungen – auch an Gladiatorenkämpfe ist gedacht.

Der Boden des Kolosseums in Rom, in dem einst Gladiatoren gegeneinander und gegen wilde Tiere kämpften, soll wieder in seinem alten Glanz erstrahlen. Dazu wird erneut ein Boden eingezogen. Derzeit blickt man von oben nicht in die eigentliche Arena, sondern in das Kellergeschoß ohne Dach. In dem Gewirr aus Bögen, Gängen und Räumen warteten die Gladiatoren und Tiere auf ihren "Auftritt". Aus dem Unterschoss heraus wurden auch die aufwendigen Maschinen bedient, die die Masse zum Staunen brachten. So konnten Personengruppen, aber auch dekorative Aufbauten von gigantischen Aufzügen in wenigen Augenblicken aus dem Untergeschoß auf die Oberfläche gebracht werden. Der Hollywood-Film "Gladiator" gibt einen Eindruck von den Tricks der Arena.

In der Computeranimation bedeckt der Boden bereits die Arena.
In der Computeranimation bedeckt der Boden bereits die Arena.
© Beniculturali / dpa

Der historische Boden aus Holz hatte die Jahrhunderte gut überstanden. Doch im späten 18. Jahrhundert wurde er zerstört, als Archäologen die unterirdischen Ebenen der Struktur ausgruben. Ein leider typisches Vorgehen für die damalige Zeit. Auf der Suche nach einer archäologischen Sensation wurden bedenkenlos andere Artefakte zerstört, die der Grabung im Wege standen. Der unterirdische Bereich wurde schon 2010 für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Ausfahrbarer Boden 

Nun soll Ingegneria, eine Hochbau- und Architekturfirma aus Mailand, für 18,5 Millionen Euro einen neuen Holzfußboden errichten. Wenn er den Boden bedeckt, werden so auch die originalen Proportionen des Innenraums erkennbar. Anders als bei den Römern wird es möglich sein, den Boden einzuziehen. Die Bodenplatten sind in zwei äußeren Stahlschienen gelagert und können so als Klappboden zur Seite gefahren werden. Das Projekt soll in zwei Jahren abgeschlossen sein. "Im Jahr 2023 werden wir die Pracht des Kolosseums mit seiner Arena wieder haben", sagte Kulturminister Dario Franceschini.

Veranstaltungen werden möglich

Der Einbau des Bodens macht den Weg frei, das Kolosseum nicht nur als Museum seiner selbst, sondern wieder als Veranstaltungsort zu nutzen. "Es ist ein ehrgeiziges Projekt, das der Erhaltung und dem Schutz des Monuments dienen und seine Nutzbarkeit verbessern wird." Ob es, wie bereits vorgeschlagen, abends Showkämpfe von Gladiatoren geben wird, ist noch unklar.

Erbaut wurde das Kolosseum unter der Herrschaft Vespasians, vollendet unter seinem Sohn und Nachfolger Titus. Die Dynastie der Flavier folgte den Nachkommen Caesars nach. Deren letzter Vertreter, Nero, hatte 68 n.Chr. Suizid begangen, um seiner Ermordung durch die Prätorianergarde zuvorzukommen.

Teures Geschenk für das Volk von Rom 

Das Kolosseum ließ Vespasian ab 79 n.Chr auf dem Gelände errichten, dass Nero für seine Gärten der Domus Aurea genutzt hatte, und auf dem zuvor eine hölzerne Arena gestanden hatte. Der Bau des größten Amphitheaters der Welt verschlang ungeheure Summen und dies, obwohl Vespasian für seine Sparsamkeit bekannt war, die er sich in seiner Jugend als Verwalter eines Familiengutes angewöhnt hatte. Auf ihn geht auch der Ausspruch "Geld stinkt nicht" zurück. Um die leeren Staatskassen zu füllen, erhob der Kaiser eine spezielle Latrinensteuer auf den Urin, der in den öffentlichen Toiletten gesammelt wurde. Sein Sohn Titus soll deswegen peinlich berührt gewesen sein, also hielt ihm Vespasian die ersten Steuereinnahmen unter die Nase. Der größte Anteil an den Baukosten wurde aber mit der Beute Titus nach der Eroberung Jerusalems bestritten. Titus ließ den beträchtlichen Tempelschatz nach Rom bringen.


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