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"Curiosity" fliegt zum Roten Planeten Mars-Mission ist kein Spiel mit dem Joystick


Am Montag soll der Marsrover "Curiosity" auf dem Planeten landen. Die Esa trägt einen kleinen Teil zum Gelingen der Mission bei. Esa-Flugbetriebsleiter Manfred Warhaut klärt über das Projekt auf.

Für die Nasa ist es "eine der größten Herausforderungen der Planetenforschung": Setzt am frühen Montagmorgen der Rover "Curiosity" weich auf dem Mars auf, dann wird auch viele Millionen Kilometer entfernt in Darmstadt gejubelt. Denn die Europäische Raumfahrtorganisation (Esa) trägt ihren kleinen Teil dazu bei, wenn alles glatt laufen soll im All. Für Esa-Flugbetriebsleiter Manfred Warhaut sind die Experten in Südhessen damit das "Ass im Ärmel" der Nasa. Ob er an Leben auf dem Mars glaubt und was bis zum Aufsetzen alles passieren kann, beschreibt er im Interview.

Der Mond ist weitgehend erforscht, jetzt steht der Mars im Mittelpunkt. Welche Mission ist wichtiger für die Forschung?

Warhaut: "Beides hat seine Berechtigung. Früher hat man sich gefragt, wie alt der Mond ist und wie er entstanden ist. Danach hat man auch den Mars und weiter entfernte Planeten erforscht. Das Augenmerk wird heute auf die Erde und ihr ähnliche Planeten gelegt - auch auf die Frage welche Richtung die Erde einschlägt, ob sie vielleicht einmal eine Treibhaushölle wird wie die Venus mit ihren extrem hohen Temperaturen an der Oberfläche oder ob sie irgendwann ihr Wasserreservoir verlieren wird, wie es beim Mars wahrscheinlich passiert ist."

Das wirft auch die Frage nach Leben auf dem Mars auf.

Warhaut: "Die allererste Frage beim Mars war stets "Gibt es oder gab es dort mal Leben?". Mittlerweile wissen, wir, dass nicht nur unsere Sonne Planeten hat, sondern dies bei vielen anderen Sonnen der Fall ist. Man hat sogar schon Einschränkungen gemacht, welche Planeten erdgleich sein könnten, mit demselben Abstand zur Sonne zum Beispiel. Wenn man sich auch heute fragt, ob es noch anderes Leben gibt: Was liegt da näher, als zunächst in unserem Sonnensystem zu beginnen, wenn man nicht in die Tiefen des Weltalls vorstoßen kann?"

Die Mission, die am Montag in eine entscheidende Phase tritt, sucht auch eine Antwort auf die Vision nach der Bewohnbarkeit des Mars'.

Warhaut: "Auf dem Weg zum Wohnen auf dem Mars wäre noch das eine oder andere Hindernis zu überwinden: die lange Reisezeit zum Mars und zurück, sie allein dauert etwa 500 Tage. Entscheidender ist aber die zeitweise extreme Protonenstrahlung der Sonne, die einen bemannten Flug zum Mars äußerst riskant machen würde. Somit hat ein Flug zum Mars stets ein Restrisiko, auch wenn er einmal machbar wäre."

In der Raumfahrt ist alles minuziös geplant, jeder Handgriff sitzt. Kann denn da noch etwas schiefgehen?

Warhaut: "Keine Frage, eine minuziöse Planung ist unabdingbar. Der Zeitplan steht, auch die Landeplätze sind detailliert durch Satelliten erkundet, die bereits im Orbit sind. Schließlich dürfen keine größeren Felsbrocken im Weg liegen, es darf keine extrem schiefe Fläche im Landekrater Gale geben, saisonale Staubstürme sind zu meiden und so weiter. Außerdem kann es immer sein, dass Systeme ausfallen oder dass es Fehlfunktionen gibt, obwohl viele Systeme doppelt ausgelegt sind. Planetare Raumfahrt ist aufgrund der Verzögerung der Signallaufzeiten über hunderte von Millionen Kilometern nie in Echtzeit möglich und bedarf verlässlicher Kommunikationswege."

Und dabei kommt die Esa ins Spiel?

Warhaut: "Ja genau, wir sind zwar nur in einer Zuschauerrolle einerseits. Andererseits unterstützen wir die Nasa in dieser kritischen Missionsphase um die wertvollen Daten sicher zur Erde zu übermitteln. Die Nasa bittet uns nun, zusätzlich reinzuhören und die Signale aufzunehmen, so wie wir es bereits bei der "Phoenix"-Landung 2008 erfolgreich gemacht haben. Und das ehrt uns."

Klingt etwa wie die Rolle eines Fußballtorwarts auf der Ersatzbank.

Warhaut: "Unter Umständen sind wir für die Nasa so etwas wie ein Ass im Ärmel. Wobei man natürlich sagen muss, dass die Nasa die Mission intensiv vorbereitet und getestet hat, um sie zum Erfolg zu führen."

Lesen Sie auf der nächsten Seite, was Manfred Warhaut zu den kritischen Momenten der Mission sagt...

Was macht der europäische Orbiter "Mars Express"?

Warhaut: ""Mars Express" beobachtet in einer Umlaufbahn schon seit 2003 den Mars. Er wird neben den beiden Nasa-Orbitern beim Landemanöver die gesendeten Daten von "Curiosity" zur Erde weiter leiten wo sie in der Esa Bodenstation in New Norcia in Australien aufgezeichnet werden. Eventuell werden die Daten noch gebraucht, falls etwas schief gelaufen ist. Deshalb haben wir vor einigen Monaten damit begonnen, die Umlaufbahn von "Mars Express" so anzupassen, dass der Orbiter während des Abstiegs von "Curiosity" ein geeignetes Sichtfeld hat."

Die Erfolgsmeldung bekommen Sie zeitverzögert, auch auf das Manöver hat man keinen direkten Einfluss. Warum ist das so?

Warhaut: "Signale können maximal mit Lichtgeschwindigkeit übertragen werden. Wenn die Sonde 250 Millionen Kilometer entfernt ist, müssen die Signale erst mal dahin reisen und zurück kommen. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Wenn wir unsere Raumsonde "Rosetta" 2014 in eine Umlaufbahn um einen Kometen einschießen, dann wird dieser 600 Millionen Kilometer entfernt sein. Ein Kommando ist dann in einer Richtung etwa eine halbe Stunde unterwegs. Wir erhalten somit erst eine Stunde später die Bestätigung der Ausführung."

Was sind denn die kritischen Momente in der "Curiosity"-Mission?

Warhaut: "Eigentlich gibt es kaum einfache Schritte, alles ist wichtig und diffiziel. Die Triebwerke müssen funktionieren, die Fallschirme müssen sich öffnen, das sind alles einzelne Schritte, die für sich klappen müssen. Aber selbst wenn die Sonde erfolgreich auf dem Mars landet, ist nur ein erster Schritt gemacht. Dann beginnt die wissenschaftliche Phase der Rover muss fahren, und die Instrumente müssen fehlerfrei arbeiten."

Die Nasa musste bereits den einen oder anderen Flop verdauen. Macht Sie das bange mit Blick auf Montag?

Warhaut: "Raumfahrt beinhaltet enorm viele Unwägbarkeiten. Die Nasa hat zum Beispiel etliche Missionen beim Einschießen in die Umlaufbahn zum Mars verloren, weil die Genauigkeit der Bahnparameter, die da erforderlich sind, noch nicht ausreichte. Also hat sie neue Methoden entwickelt, um neben der Distanz auch die Winkel besser zu berechnen. Wir haben die Methode auch in der Esa erfolgreich etabliert."

Heißt also nichts anderes als Learning by Doing?

Warhaut: "Ja natürlich, und dann ist auch die internationale Zusammenarbeit insbesondere zwischen Esa und Nasa gefragt. Aber man hilft sich auch über die Grenzen weltweit hinaus, um möglichst die Fehler zu minimieren und den Missionserfolg zu maximieren."

Interview: Martin Oversohl, DPA DPA

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