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"Phoenix"-Mission: Countdown zum Mars

Mit "Phoenix" schickt die Nasa eine neue Sonde zum Mars - um endlich die Frage zu beantworten: Gibt es dort Leben? Die Mission der Sonde: das Wassereis des Planeten auf Spuren von Mikroorganismen untersuchen.

Von Karsten Lemm, Pasadena

Der Mars ist kein Planet der Lebensfreude: Er ist staubig und öde und bitterkalt - minus 63 Grad Celsius im Durchschnitt, nachts können die Temperaturen auf minus 110 Grad fallen. Luft zum Atmen gibt es ohnehin nicht, die Atmosphäre besteht zu 95 Prozent aus Kohlendioxid, dazu noch etwas Stickstoff und Argon. Und doch glauben Wissenschaftler, dass es auf unserem Nachbarplaneten Leben geben könnte.

So steht nun am Weltraumbahnhof in Cape Canaveral, Florida, eine startbereite Rakete der US-Behörde Nasa: Nachdem der Start am Freitagmorgen wegen schlechter Wetterbedingngen verschoben worden war, soll die Sonde nun am Samstagmorgen auf den Weg ins All gebracht werden.

Ende Mai 2008, nach fast zehn Monaten Flugzeit, soll "Phoenix" in der Nähe des Mars-Nordpols landen und eine der drängendsten Fragen beantworten, die sich die Menschheit seit Jahrhunderten stellt: Ist der rote, leere, dem Anschein nach völlig ausgedorrte Planet womöglich doch nicht so lebensfeindlich, wie er aussieht? "Wir versuchen herauszufinden, ob es dort heute noch Wasser gibt - ob die Bedingungen auf dem Mars Leben zulassen", sagt Joe Guinn, einer der "Phoenix"-Missionsleiter am Jet Propulsion Laboratory im kalifornischen Pasadena, in dem die Fäden der Nasa-Marserkundung zusammenlaufen.

Mars-Eis im Backofen

Dank der Raumsonde "Odyssey", die seit 2001 den Mars umkreist, wissen die Forscher bereits, dass in der Region, in der "Phoenix" landen soll, unter der Oberfläche des Planeten Eis vorkommt. Um es zu untersuchen, besitzt der Forschungsroboter einen Greifarm, mit dem er bis zu einen halben Meter tief graben kann. Mit Hilfe diverser Instrumente, darunter ein Mini-Labor, werden die Proben ausgiebig analysiert. "Bildlich gesprochen, können wir das Eis in den Backofen schieben und sehen, was wir bei unterschiedlichen Temperaturen finden", erläutert Guinn.

Von der Bodenanalyse versprechen sich die Wissenschaftler Hinweise darauf, ob das Eis in wärmeren Phasen des Mars-Klimas gelegentlich taut und ob Mikroorganismen darin vorkommen könnten. "Wir sagen nicht: Wir werden auf jeden Fall beweisen, dass es Leben auf dem Mars gibt - auch wenn wir uns das natürlich insgeheim wünschen", sagt Guinn. "Aber wir hoffen, dass wir zumindest eine Umwelt finden, die Leben möglich macht."

90 Marstage im Dauereinsatz

Für ihre Experimente haben die Wissenschaftler 90 Marstage Zeit - jeder von ihnen etwa 37 Minuten länger als ein Erdtag. Für Guinn und seine Kollegen bedeutet das Dauereinsatz: "Da die Zeit so kurz ist, werden wir rund um die Uhr arbeiten, auch an den Wochenenden", sagt der 47-Jährige. Selbst wenn das heißt, die Familie vorübergehend zu vernachlässigen. "Ich habe einen sechs Monate alten Sohn", erzählt Guinn. "Er weiß es noch nicht, aber im nächsten Sommer wird er sich fragen: Wo ist Papa?"

Zumindest müssen sich die "Phoenix"-Forscher nicht auf eine ungeplante Verlängerung ihrer 420-Millionen-Dollar-Mission einstellen - so, wie es ihren Kollegen ergangen ist, die die Mars-Roboter "Spirit" und "Opportunity" betreuen: Die beiden Kleinen kurven bereits seit Anfang 2004 unermüdlich im roten Staub herum, das sind schon mehr als 1200 Marstage - obwohl ihr Einsatz ebenfalls nur für 90 Marstage geplant war. Statt einzustauben, bis ihnen der Strom ausgeht, liefern die Nasa-Kundschafter fleißig weiter Informationen über unseren Nachbarplaneten, der etwa halb so groß ist wie die Erde und fast doppelt so lange braucht, um die Sonne zu umrunden (ein Marsjahr dauert 687 Erdtage).

Mit dem Winter kommt der Tod

Doch anders als "Spirit" und "Opportunity" hat die "Phoenix"-Sonde keine Rollen, kann also nur dort in Aktion treten, wo sie landet. Sind alle Experimente abgeschlossen, bleibt dem jüngsten Abgesandten der Nasa nur noch die sekundäre Aufgabe, als Wetterstation Daten über das Klima zu sammeln - und selbst das nicht unbegrenzt. "Wir landen so weit im Norden, dass die Überlebenszeit begrenzt ist", erklärt Guinn.

Wenn der Winter komme, spätestens nach 150 Marstagen, sei auch für "Phoenix" das Ende nah: "Dann wird die Sonne zu schwach, um noch genügend Strom für die Solarzellen zu liefern", sagt Guinn. Der Sonde fehlt die Energie, um ihre Elektronik vor dem Einfrieren zu schützen und weiter nach Hause zu funken. "Dann stirbt sie."