Apollo-Raumkapsel Ab in die Vergangenheit


Die neue Idee ist die alte: Mit einer modernen Version der Apollo-Raumkapsel aus den 60er Jahren will die Nasa den Spaceshuttle ablösen.
Von Peter Thomsen

Man nehme ein paar Teile vom Spaceshuttle, dazu ein Triebwerk von der "Saturn"-Rakete aus den 60er Jahren und das ebenso antike Konzept der "Apollo"-Kapsel - fertig ist das neue Raumschiff der Nasa für das 21. Jahrhundert. Es wird ab 2014 die heutige Raumfähre ersetzen, die der amerikanischen Raumfahrtbehörde nach zwei Katastrophen nicht mehr geheuer ist. Spätestens 2010 soll die aus dem Verkehr gezogen werden.

Vorwärts in die Vergangenheit - so lautet das Motto der Nasa. Mit dem Spaceshuttle hatte sie sich offenbar zu weit in die Zukunft gewagt. Wiederverwendbar sollte er sein und damit Kosten sparen. Auch auf ein Rettungssystem wurde verzichtet: zu schwer, zu teuer. Folglich hatten die Astronauten keinerlei Überlebenschancen, als 1986 die "Challenger" und 2003 die "Columbia" während des Fluges auseinanderbrachen.

"Saturn"-Rakete und "Apollo"-Kapsel dagegen sind fast unbefleckte Namen aus der glorreichen Epoche der Nasa. Im Juli 1969 brachte die 110 Meter hohe "Saturn", letzte Großtat des deutschen Raketenpioniers Wernher von Braun, drei Männer in einer "Apollo"-Kapsel zum Mond. Und selbst die schweren Probleme von "Apollo 13" konnten alle Astronauten überleben.

Mit dem Shuttle dagegen haben die Konstrukteure ihre Ziele nie erreicht. Seine Wiederverwendbarkeit blieb Stückwerk: Der riesige Außentank geht bei jedem Flug verloren; die Raumfähre und die zwei Starthilfsraketen müssen nach jedem Einsatz in monatelanger Arbeit aufgearbeitet werden. Der Transport von einem Kilo Nutzlast in die Umlaufbahn kostet nach wie vor schätzungsweise 10.000 Dollar.

Nicht wiederverwendbar, aber sicherer

Vor allem aber bekam die Nasa die Isolierung des Außentanks nicht in den Griff, von der bei jedem Start Teile auf das seitlich daran hängende Shuttle prasselten. Einer dieser koffergroßen Klumpen riss im Februar 2003 ein Loch in die Tragfläche der Raumfähre "Columbia". Das ebnete der glühend heißen Luft beim Wiedereintritt in die Atmosphäre den Weg in die Aluminiumstruktur der Raumfähre, was zu ihrer völligen Zerstörung führte.

So besannen sich die von der Nasa mit der Entwicklung eines Shuttle-Nachfolgers beauftragten Raumfahrtunternehmen auf die "Apollo"-Kapsel. An der war zwar gar nichts wiederverwendbar, aber sie konnte auch nicht von Trümmern getroffen werden, weil sie beim Start stets ganz oben auf der Rakete platziert war. Damit einher geht ein weiterer Vorteil: An der Spitze der Kapsel lässt sich eine Rettungsrakete anbringen, die bei Problemen während des Starts die Besatzung samt Kapsel außer Gefahr bringt. Auch ist der Hitzeschild einer Kapsel viel kleiner und einfacher als bei einem kompletten Flugzeug wie dem Shuttle - und deshalb sicherer.

"Orion" soll zum Mond fliegen

"Orion" heisst der nun präsentierte Shuttle-Nachfolger. Er sieht aus wie eine zu groß geratene "Apollo"-Kapsel: Sechs statt damals drei Astronauten finden darin Platz. Anders als zu Zeiten des Kalten Krieges ist Sparsamkeit jetzt oberstes Gebot bei der Nasa, deshalb wird der Rest von "Orion" aus der Grabbelkiste zusammengesetzt: Eine der zwei Starthilfsraketen vom Shuttle muss als erste Raketenstufe dienen. Für die zweite wird der Außentank des Shuttles zweckentfremdet. Als Triebwerk erhält der Tank das J2, das früher die beiden Oberstufen der "Saturn" antrieb.

Immerhin: Nicht nur zur Raumstation ISS soll "Orion" Menschen bringen, sondern auch wieder zum Mond, mit einer Landefähre, die der alten sehr ähnlich ist. "Der Weltraum wird nicht länger ein Ziel sein, das wir nur kurz ansteuern", schwärmt Nasa-Sprecher Michael Braukus. Astronauten würden im All leben "wie früher die Pioniere".

Erster bemannter Flug 2014

Die Landung von "Orion" erfolgt wie bei "Apollo" mit riesigen Fallschirmen an der Kapsel - ob nur im Wasser oder, wie in Russland und China üblich, auch an Land, ist noch ungewiss.

2014 soll "Orion" erstmals bemannt fliegen. 2016 kommt dann eine größere, unbemannte Version für Schwerlasten dazu: der Ersatz für den großen Laderaum des Shuttles. Die Trennung von Fracht und Personal soll ebenfalls die Sicherheit erhöhen. Und 2018 steht dann der vorläufige Höhepunkt der Weltraum-Pioniere auf dem Programm: ein neuerlicher Mondbesuch, 50 Jahre nach der ersten Umkreisung des Erdtrabanten.

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