Nasa-Raumfähre "Discovery" auf dem Weg zu Thomas Reiter

Diesmal machte das Wetter keinen Strich durch die Rechnung: In der Nacht zum Sonntag startete die Raumfähre "Discovery" ins All. Es war der erste Nachtstart seit der "Columbia"-Tragödie. Die Fähre holt auch den deutschen Astronauten Thomas Reiter von der Internationalen Raumstation ISS ab.

Im zweiten Anlauf hat es geklappt: Der Spaceshuttle "Discovery" ist am Samstagabend in Cape Canaveral (Florida) zur Internationalen Raumstation ISS aufgebrochen. Es war der erste nächtliche Start einer Raumfähre seit dem Absturz der "Columbia" am 1. Februar 2003 beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre. Alle sieben Astronauten an Bord waren damals ums Leben gekommen.

NASA-Manager sprachen in der Nacht zum Sonntag von einem Bilderbuchstart der "Discovery". Nach ersten Erkenntnissen deute nichts auf Probleme hin. "Alles hat heute wie am Schnürchen geklappt. Ich bin völlig begeistert", sagte Startdirektor Mike Leinbach auf einer Pressekonferenz in Cape Canaveral. Auch an Bord des Shuttle selbst herrschte eitel Sonnenschein. "Hier oben gibt es eine Reihe lächelnder Gesichter", sagte der Kommandant der "Discovery", Mark Polansky, der Bodenzentrale in Florida, als der Shuttle seine Umlaufbahn um die Erde erreicht hatte.

Heimtransport für Thomas Reiter

Noch wenige Stunden vor dem Aufbruch zu der 12-tägigen Mission hatte die NASA befürchtet, dass Wolken und Regen zu einer erneuten Verschiebung des Reisebeginns zwingen würden, nachdem der Start am Donnerstagabend wegen schlechten Wetters abgesagt worden war. Dann aber klärte es sich plötzlich auf, und die Raumfähre stieg unter dem Beifall und Jubel der NASA-Mitarbeiter in Cape Canaveral um 20.47 Uhr Ortszeit (2.47 Uhr MEZ am Sonntag) im Feuerwerk der gezündeten Feststoffraketen in den fast völlig sternklaren Abendhimmel auf - ein spektakuläres farbenprächtiges Bild, das auch die Spitzenmanager der NASA hellauf begeisterte. So schwärmte auch der Chef der Weltraumbehörde, Michael Griffin: "Ein großartiges Schauspiel."

Eine besondere Bedeutung hat der Aufbruch der "Discovery" auch für den Deutschen Thomas Reiter, der sich seit über fünfeinhalb Monaten in der Raumstation aufhält. Denn nun kann er endgültig seine Koffer für die Heimreise packen. Unter den sieben Besatzungsmitgliedern des Shuttle ist nämlich die Amerikanerin Sunita Williams, die den Astronauten der Europäischen Raumfahrtbehörde ESA als neue Langzeitbewohnerin des Außenpostens im All ablösen wird. Reiter soll mit der "Discovery" zur Erde zurückkehren - rechtzeitig, um mit seiner Familie Weihnachten feiern zu können. Schon kurz nach dem Andocken des Shuttle an die ISS, das für 22.47 Uhr MEZ am Montag geplant ist, wird Reiter seinen Platz mit Williams tauschen und in die "Discovery" umziehen.

Gute Sicht auch in der Nacht

Neben der neuen ISS-Bewohnerin bringt die Raumfähre eine fast zwei Tonnen schwere containergroße Vorrichtung mit, die außen an der ISS angebracht werden und zur späteren Befestigung von Sonnensegeln dienen soll. Außerdem soll die Shuttle-Besatzung das Stromkabelsystem der Station der erneuern und das Hauptkühlsystem der ISS aktivieren. Drei Arbeitseinsätze im Freien sind dazu geplant. Insgesamt kommen der NASA zufolge auf die Crew die bisher kompliziertesten Außenarbeiten beim Ausbau der ISS zu.

Um eine optimale Sicht zu haben, hatte die US-Raumfahrtbehörde seit der "Columbia"-Tragödie Shuttles nur noch bei Tageslicht starten lassen. Sie wollte damit sicher gehen, dass die mehr als 100 Kameras am Startort und am Shuttle selbst etwaigen vom Außentank abfallenden Schaumstoff erfassen. Das Absprengen von Stücken beim Start hatte seinerzeit zum Auseinanderbrechen der "Columbia" beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre geführt. Die NASA war sich eigenen Angaben zufolge aber nach einer Serie von Tests völlig sicher, dass die Feststoffraketen bei der Zündung genügend Helligkeit für das Filmen erzeugen und für die Shuttle-Besatzungen bei Nachtstarts kein zusätzliches Risiko besteht. Tatsächlich sagten NASA-Vertreter nach dem "Discovery"-Start, die Sichtverhältnisse hätten ihre Erwartungen noch übertroffen.

DPA/Reuters DPA Reuters

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