VG-Wort Pixel

Deutscher Astronaut fliegt ins All Alexander Gerst greift nach den Sternen


Alexander Gerst ist der dritte Deutsche, der die Internationale Raumstation besuchen wird. Für den Astronauten der Höhepunkt eines langen Weges, der bereits als Kind begann.

Nur noch zwölf Tage, dann wird Alexander Gerst an der Spitze einer Rakete gefüllt mit 300 Tonnen hochexplosivem Treibstoff sitzen und kurz darauf mit 26 Millionen PS ins All geschossen werden. Angst hat Gerst aber nicht: "Natürlich werde ich aufgeregt sein, aber während des Starts ist man einfach zu beschäftigt, um an so etwas zu denken", sagt Gerst im Astronautenzentrum der European Space Agency (ESA) in Köln."Wenn ich Angst hätte, hätte ich mich nicht beworben", ergänzt der elfte Deutsche im All.

Ein Kindheitstraum wird wahr

Nach seinen Kollegen Thomas Reiter und Hans Schlegel wird Gerst der dritte deutsche Astronaut auf der Internationalen Raumstation ISS sein. Mit zwei anderen Raumfahrern aus den USA und Russland wird der 38-Jährige am 28. Mai um 21:56 mitteleuropäischer Zeit vom Weltraumbahnhof in Baikonur starten. An Bord einer Sojus-Kapsel geht es von dort direkt zur Raumstation, wo Gerst sechs Monate in der Schwerelosigkeit verbringen wird. Für den promovierten Geophysiker und Vulkanologen die Erfüllung eines Kindheitstraums: Schon als Kind habe ihn seine ausgeprägte Neugierde geleitet. Als begeisterten Fan der Trickfilmserie "Captain Future" war es für den ESA-Astronauten damals ein besonderer Moment, als sein Großvater, ein Amateurfunker, eine Antenne in den Weltraum richtete und ihn sprechen ließ. Die Radiowellen prallten vom Mond ab und kamen als Echo zurück. "Für mich als Sechsjährigen war ein Teil von mir auf dem Mond", erzählt Gerst.

Hartes Auswahlverfahren und Training

Für den begeisterten Jungen war es ein langer Weg bis in den ausgewählten Kreis des Europäischen Astronautenchors. Schon während seines Studiums nahm Gerst an wissenschaftlichen Expeditionen teil, die ihn bis in die Arktis führten. Im Mai 2009 wählte die ESA ihn dann mit fünf weiteren Kandidaten aus rund 8500 Bewerbern aus, um Astronaut zu werden. "Ich war selbst am meisten erstaunt, dass es geklappt hat" sagt Gerst. Für den Höhepunkt seiner Karriere, den Flug ins All, wurde Gerst seitdem gründlich vorbereitet. Das ist auch notwendig: Bis zu seiner Rückkehr am 10. November absolviert er als Bordingenieur ein umfangreiches Wissenschaftsprogramm. Die geplanten Experimente stammen aus den unterschiedlichsten Bereichen von der Materialphysik über die Raumfahrtmedizin bis hin zur Biologie.

Blauer Punkt im All

Seine Mission hat der ESA-Astronaut "Blue Dot" getauft - nach einem alten Foto der Raumsonde Voyager, das die Erde als "pale blue dot" ("blassblauen Punkt") zeigt. Für Gerst steht der blaue Punkt im All dafür, "dass wir alle auf einem kleinen zerbrechlichen Raumschiff leben." Bald wird Gerst auf unseren verletzlichen Heimatplaneten blicken können - so wie er in seiner Kindheit staunend zum Himmel hinaufsah. "Als Junge habe ich beim Anblick der Sterne meine Eltern und Großeltern mit Fragen gelöchert - beispielsweise, wie man denn dort hinkommt und ob da jemand wohnt." Auf beide Fragen dürfte er wohl auch auf der ISS keine Antworten erhalten. Den Sternen aber wird er während seines Aufenthalts im All ein kleines Stückchen näher kommen.

db/AFP AFP

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker