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Astronomie: Bislang jüngster Exoplanet entdeckt

Deutsche Wissenschafter haben den jüngsten bislang bekannten Planeten außerhalb unseres Sonnensystems entdeckt. TW Hydrae b ist höchstens zehn Millionen Jahre alt und ein echtes Schwergewicht. Die Entdeckung ermöglicht Rückschlüsse auf die Entstehung von Planeten.

Mit höchstens zehn Millionen Jahren ist er ein echter Neuling im Kosmos. Heidelberger Wissenschaftler haben den bislang jüngsten Planeten außerhalb des Sonnensystems entdeckt. "Seinen Mutterstern umgibt noch jene Gas- und Staubscheibe, aus der er kürzlich geboren wurde", teilt das Max-Planck-Institut für Astronomie mit. Der Planet, den die Forscher auf den Namen TW Hydrae b tauften, gilt als "Schwergewicht" - er hat etwa die zehnfache Masse des Jupiters, des größten Planeten in unserem Sonnensystem. Dabei umkreist er seinen Zentralstern in nur 3,56 Tagen in einem Abstand von etwa sechs Millionen Kilometern - zum Vergleich: Die Erde ist etwa 150 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt, Jupiter schon 780 Millionen Kilometer. Die Beobachtung, die im britischen Fachjournal "Nature" (Bd. 451, S. 38) veröffentlicht wird, hilft Astronomen dabei zu verstehen, wie Planeten entstehen.

Dank ihrer Entdeckung können die Wissenschaftler nun Rückschlüsse auf die obere Zeitdauer ziehen, die zur Planetenbildung nötig ist: Die Entstehung kann nicht länger als acht bis zehn Millionen Jahre gedauert haben, das ist das Alter des Muttersterns TW Hydrae, einer nahe gelegenen Sonne im Sternbild Wasserschlange (Hydra). Unsere Sonne ist bereits rund 500 Mal so alt. "Damit ist uns erstmals der direkte Beweis gelungen, dass in einer zirkumstellaren Scheibe tatsächlich Planeten entstehen", sagt der Direktor der Abteilung Planeten- und Sternentstehung in Heidelberg, Thomas Henning.

Die systematische Erforschung der extrasolaren Planeten, also der Planeten außerhalb unseres Sonnensystems, hat Mitte der 1990er Jahre begonnen. Seitdem wurden mehr als 250 extrasolare Planeten entdeckt. "Da Planeten nahe bei einem hellen Stern wie Glühwürmchen neben einem Flutlichtstrahler erscheinen, lassen sie sich meist (noch) nicht direkt beobachten", heißt es in der Mitteilung des Instituts. Die Astronomen sind daher auf indirekte Nachweismethoden angewiesen. Dabei machen sie es sich zunutze, dass große Planeten durch ihre Schwerkraft an ihrem Stern zerren, während sie ihn umkreisen. Dadurch wackelt der Stern messbar hin und her: "Einmal kommt er ein Stück auf uns zu, dann läuft er von uns weg."

Die Heidelberger Wissenschaftler haben seit 2003 bei etwa 200 jungen Sternen nach diesen Veränderung der sogenannten Radialgeschwindigkeiten gespäht. Beim Stern TW Hydrae fanden sie Hinweise auf einen "planetaren Begleiter", der den Stern am inneren Rand seiner zirkumstellaren Scheibe umkreist. Entdeckt wurde der Planet mit Hilfe eines Spektrographen an einem Teleskop der Max- Planck-Gesellschaft und der Europäischen Südsternwarte in Chile.

DPA