Einschlag in Komet "Deep Impact" ist keine Gefahr


Vergleichsweise lächerlich war der Einschlag des "Impactors" der Raumsonde "Deep Impact" in den Kometen Tempel 1. "In der Sonne laufen Prozesse ab, die milliardenfach gewaltiger sind als der Einschlag", meinen die Wissenschaftler.

Von dem Einschlag auf den Kometen Tempel 1 gehen nach Ansicht von Astronomen keine Gefahren für die Erde aus. "In der Sonne laufen Prozesse ab, die milliardenfach gewaltiger sind als der Einschlag", sagte Missionsanalytiker Michael Khan vom Europäischen Raumfahrtkontrollzentrum (ESOC) in Darmstadt am Mittwoch in einem dpa-Gespräch. "Der Komet ist über 130 Millionen Kilometer von der Erde entfernt, das ist fast so viel wie die Entfernung zwischen Erde und Sonne."

"Wir bestehen selbst aus Kometenstaub"

Kometenstaub riesele tagtäglich auf die Erde. "Sternschnuppen bestehen zum Großteil aus Material, das von Kometen irgendwann einmal ausgestoßen wurde", sagte Kahn. "Trifft das Material in die Erdatmosphäre, dann verglüht es zu Asche und Gas, und irgendwann atmen wir es ein oder wir stehen darauf", erläuterte Khan. Auf der Erde gebe es eine viele Meter dicke Materialschicht, die von Kometen stamme. "Wir bestehen selbst aus Kometenstaub." Auch die Ozeane seien zum Großteil mit Wasser gefüllt, das von Kometen stamme.

Die in der Einschlagwolke entdeckten giftigen Verbindungen wie Cyanid seien bereits vor langer Zeit in der Gashülle von Kometen entdeckt worden, sagte Khan. Der Mensch könne sich eher an ganz irdischen cyanidhaltigen Bittermandeln oder Pfirsichkernen vergiften als an Kometenstaub.

Die Umlaufbahn des Kometen um die Sonne sei durch den Einschlag des Projektils der Raumsonde "Deep Impact" nur marginal verändert worden. "Tempel 1 ist derzeit an dem sonnennächsten Punkt seiner elliptischen Umlaufbahn" erläuterte Khan. Er sei dabei aber immer noch so weit von der Sonne entfernt wie unser äußerer Nachbarplanet Mars. "Der Komet Tempel 1 kreuzt die Erdumlaufbahn daher nicht", betont Khan. "Wir schätzen, dass sich der sonnennächste Punkt des Kometen durch den Einschlag um einige Meter verändert hat."

372 Kilogramm sind gar nichts"

"Die Heftigkeit des Einschlags war vergleichsweise lächerlich", meint Khan. "372 Kilogramm sind gar nichts im Vergleich zu dem Effekt, der entsteht, wenn ein Meteorit auf einen Kometen trifft. Da sind millionenfach größere Massen im Spiel."

Die beim Einschlag auf den Kometen Tempel 1 entstandene halbkreisförmige Staubwolke hat am Mittwochmorgen einen Durchmesser von rund 30.000 Kilometern erreicht. Die Teilchen flögen weiterhin mit einer Geschwindigkeit von rund 500 Kilometer pro Stunde vom Einschlagpunkt weg, erläuterte Michael Küppers vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Katlenburg-Lindau (Niedersachsen).

Max-Planck-Institut-Kamer misst Helligkeit

Die Staubteilchen verdampfen laut Küppers nicht. Das lasse sich aus Helligkeitsmessungen mit einer Spezialkamera herauslesen. Eine halbe Stunde nach dem Einschlag habe sich die Helligkeit in einem Messfeld von 1500 mal 1500 Kilometern um das Siebenfache erhöht. Die Wolke habe sich zwar unterdessen ausgedehnt, die Gesamtmenge der Strahlung, die von den Teilchen reflektiert werde, sei aber unverändert.

Die OSIRIS genannte Kamera fliegt mit der europäischen Raumsonde Rosetta durchs All. Der niedersächsische Wissenschaftsminister Lutz Stratmann (CDU) gratulierte den Max-Planck-Forschern zu dem "herausragenden Erfolg". Das MPS zeige damit erneut, dass es zur "Spitze in der Weltelite von Raumfahrt und Astronomie" gehöre.

DPA


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