Näher als der Mond Asteroid "schrammt" an Erde vorbei


Seit im sibirischen Tunguska vor gut 100 Jahren ein Asteroid schwere Verwüstungen anrichtete, wächst die Furcht vor einem Einschlag auf der Erde. Rechnerisch müsste es nach 100 Jahren bald wieder soweit sein. Umso mehr beunruhigte ein Asteroid, der am Montag an der Erde "vorbeischrammte". Er hatte die Zerstörungswucht des Tunguska-Brockens.

Für astronomische Verhältnisse sind 70.000 Kilometer alles andere als viel. So gesehen ist am Montag ein Asteroid geradezu an der Erde "vorbeigeschrammt". Den Durchmesser des Brockens mit der Bezeichnung "2009 DD45" schätzen Forscher auf 21 bis 47 Meter, wie die US-Weltraumbehörde Nasa auf ihrer Internetseite mitteilte. Dies entspricht etwa der Größe jenes Asteroiden, der mit dem sogenannten Tunguska-Ereignis vom 30. Juni 1908 in Zusammenhang gebracht wird. Damals wurden in Sibirien auf mehr als 2000 Quadratkilometern 80 Millionen Bäume umgeknickt - als Ursache wird die Explosion eines Asteroiden vermutet, die eine Druckwelle mit der Sprengkraft hunderter Hiroshima-Atombomben auslöste.

Verhindern hätte im aktuellen Fall ein solches oder noch schlimmeres Ereignis niemand. Denn der kosmische Brocken wurde erst am vergangenen Freitag von Australien aus entdeckt. Er passierte die Erde am Montagnachmittag in nur einem Fünftel der Entfernung von der Erde zum Mond. Die Gefahr eines Einschlags auf unserem Planeten bestand nicht. Wissenschaftler schätzen, dass ein Brocken dieser Größe etwa alle tausend Jahre mit der Erde kollidiert. Verheerend kann aber schon das bloße Eindringen in die Erdatmosphäre sein. Der Tunguska-Asteroid schlug nicht ein, sondern explodierte noch in der Luft. Dennoch richtete die Druckwelle großflächige Verwüstungen an. Ein solches Ereignis findet rein rechnerisch deutlich öfter statt. Erst im vergangenen Oktober war ein allerdings deutlich kleinerer Asteroid als Feuerball über dem Sudan niedergegangen. Dieser Brocken mit wenigen Metern Durchmesser war erst einen Tag zuvor entdeckt worden.

Lichtpunkt im Sternbild Jungfrau

Von der Erde aus gesehen zog "2009 DD45" bei seiner größten Annäherung als nur in Teleskopen erkennbares Lichtpünktchen durch das Sternbild Jungfrau, das in unseren Breiten zu diesem Zeitpunkt weit unter dem Horizont stan. "Asteroiden der Größe von 2009 DD45 ziehen ziemlich regelmäßig an der Erde vorbei", sagte der Planetologe Alan Harris vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt. "Zu einer Kollision kommt es nur selten", beruhigte er.

Kleinere Asteroiden als "2009 DD45" gibt es im All demnach deutlich häufiger als die großen Brocken mit Durchmessern von mehreren hundert Metern oder gar im Kilometerbereich. "Je kleiner die Objekte sind, desto mehr davon gibt es", sagte der Wissenschaftler vom Institut für Planetenforschung in Berlin. "Bei den kleineren Brocken handelt es sich um Bruchstücke von Kollisionen, die sich im Hauptasteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter abgespielt haben."

Erd-Umgebung wird scharf beobachtet

Kosmische Geschosse mit einem Durchmesser bis zu 50 Metern verglühen je nach ihrer Zusammensetzung in der Regel in der Erdatmosphäre. "Größere können auf jeden Fall gefährlich werden", unterstrich Harris. Mit dem Einschlag eines Ein-Kilometer-Brockens ist laut Nasa einmal im mehreren hunderttausend Jahren zu rechnen. Seit Jahren nehmen Astronomen die Umgebung der Erde genau unter die Lupe, um Asterioden auf dem Anflug möglichst frühzeitig zu entdecken. Erwartungsgemäß haben sie dabei eine Fülle erdnaher Objekte entdeckt, sogenannte NEOs für "Near Earth Objects". Zu ihnen zählt nun auch "2009 DD45".

Einschläge von Asteroiden oder Kometen sind ausgesprochen selten, in der langen Geschichte des Sonnensystems aber dennoch nichts Ungewöhnliches. Dies beweist ein Blick auf die kraterzerfurchten Oberflächen von Mond, Merkur und Mars. Auch auf der Erde gab es schwere Einschläge: So donnerte vor 15 Millionen Jahren ein kilometergroßer Brocken auf die Schwäbische Alb herab und hinterließ einen Krater, der heute als Nördlinger Ries bekannt ist. Vor 65 Millionen Jahren schlug ein etwa zehnmal so großer Asteroid auf der mexikanischen Halbinsel Yukatan ein. Der Einschlag löste einen abrupten Klimawandel aus und führte höchstwahrscheinlich zum Aussterben der Dinosaurier.

AFP AFP

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