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Sonnensegler-Sonde: Rätselraten um "Cosmos 1"

Ist der Erstflug des amerikanisch-russischen Weltraumsegelschiffes "Cosmos 1" fehlgeschlagen oder nicht? Trotz des problembehafteten Starts glauben amerikanische Wissenschaftler Signale der Sonde empfangen zu haben. Die Russen sind skeptisch.

Hoffnungsschimmer bei dem verloren geglaubten Weltraumsegler "Cosmos 1". Trotz des problembehafteten Starts hätten Bodenstationen rund um die Welt schwache Signale empfangen, die von der neuartigen Sonde stammen könnten, teilte die amerikanische Forschungsgesellschaft "Planetary Society" am Mittwoch mit. Russische Experten äußerten sich dagegen skeptisch.

"Wir sind sehr wahrscheinlich in der Erdumlaufbahn", sagte Bruce Murray von der amerikanischen Planetary Society, die den Start der 3,3 Millionen Euro teuren Sonde organisiert hatte. "Wir scheinen eine funktionierende Raumsonde zu haben". Die Signale wurden demnach am Dienstagabend entdeckt, als Daten von Bodenstationen in Russland, dem Pazifik und in Tschechien ausgewertet wurden.

Bodenstationen auf der russischen Kamtschatka, den Marshall-Inseln im Pazifik und in Tschechien hatten den US-Angaben zufolge zu den berechneten Zeiten Signale empfangen. Wahrscheinlich fliege der Weltraumsegler aber auf einer viel niedrigeren Umlaufbahn als geplant, vermuteten die US-Forscher. Er hätte eine Höhe von 825 Kilometer erreichen sollen.

Die US-Spezialisten hätten wohl "irgendein anderes Geräusch" gehört, vermutete dagegen ein Experte der russischen Raketentruppen in Moskau. "Ausgehend von den jetzt vorliegenden Daten müssen wir zu fast 100 Prozent davon ausgehen, dass der Satellit verloren ist", sagte der Offizier nach Angaben der Agentur Interfax.

RIA-Nowosti berichtete, das Raumschiff habe es nicht in die Umlaufbahn geschafft. Eine Sprecherin des an dem Projekt beteiligten Lawoschkin-Instituts konnte dies zunächst nicht bestätigen. Die 110 Kilogramm schwere Sonde, bei der erstmals Sonnensegel als Antrieb genutzt werden sollten, ist ein gemeinsames russisch-amerikanisches Forschungsprojekt. Sie wurde am Dienstag um 21.46 Uhr mit einer Wolna-Rakete von einem U-Boot in gestartet, wie die russischen Behörden mitteilten. Ein Verantwortlicher der Nordmeer-Flotte sagte laut RIA-Nowosti, der Antrieb der Rakete sei nach 83 Sekunden ausgefallen.

Kurz nach dem Start von "Cosmos 1" um 21.46 Uhr am Dienstag hatte Untersuchungen zufolge die erste Stufe der russischen Trägerrakete versagt. Die private amerikanisch-russische Sonde ist mit acht Sonnensegeln ausgestattet und soll im Weltall allein vom Licht der Sonne angetrieben werden.

Wenn alles so läuft wie geplant, soll die Sonnensegel-Sonde acht dreieckige, hauchdünne und jeweils rund 15 Meter lange Segel entfalten. Anfang kommender Woche könnte "Cosmos 1" dann einen kontrollierten Flug beginnen. Die Sonde soll den Planungen zufolge alle 101 Minuten die Erde umkreisen und mindestens einen Monat lang im Einsatz sein.

Ziel der Wissenschaftler ist es, eines Tages den Weltraumsegler mit Hilfe der neuen Antriebstechnik auf eine ausgedehnte Reise durch unser Sonnensystem zu schicken. Weil ein Sonnensegler nach wissenschaftlichen Berechnungen weitaus schneller fliegt als eine raketengetriebener Raumkörper, könnte die Strecke bis zu Pluto, dem entlegensten Planeten im Sonnensystem, in nur fünf Jahren zurückgelegt werden.

AP, DPA