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Mars-Rover Perseverance Erst sieben Minuten Terror, dann der Beweis für außerirdisches Leben?

Rover "Perseverance" landet auf Mars
Sehen Sie im Video: So läuft die Landung von Nasa-Rover "Perseverance" auf dem Mars ab.






Der Nasa-Rover „Perseverance“ wird am Donnerstagabend deutscher Zeit auf dem Mars landen. Der Eintritt in die Atmosphäre, der anschließende Sinkflug und die automatisierte Landung auf der Oberfläche gelten als die kritischste Phase der Mission. Das Landemanöver wird daher auch als „seven minutes of terror“ bezeichnet – zu deutsch “sieben Minuten des Terrors”.  
  
Vor sieben Monaten startete die Mission vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral. Das Ziel ist ein ausgetrockneter See auf dem roten Planeten, der noch nie zuvor untersucht wurde. Laut Nasa sei der rund 2,5 Milliarden Dollar teure Rover der „technisch ausgefeilteste sechsrädrige Geologe, der je in den Weltraum befördert wurde“. Er wurde rund acht Jahre lang entwickelt und gebaut.  


An Bord hat das eine Tonne schwere Gefährt unter anderem sieben wissenschaftliche Instrumente, 23 Kameras und einen Laser. Erstmals werden mit dem Rover auch zwei Mikrofone und ein kleiner Hubschrauber auf den Mars geflogen. Der Hubschrauber soll beweisen, dass Flüge auf dem Mars möglich sind – es wäre der erste motorisierte Flug auf einem anderen Planeten.   
  
„Perseverance“ – also Durchhaltevermögen - soll auf dem Mars nach Spuren früheren mikrobiellen Lebens suchen und das Klima und die Geologie des Planeten erforschen. Dazu sammelt der Rover Proben von Steinen und Staub, die anschließend auf der Erde untersucht werden. Wissenschaftler erhoffen sich von der Mission unter anderem neue Erkenntnisse über die Entstehung des Universums.  
  
Die Nasa wird die Landung live im Internet übertragen. Die Stiftung Planetarium Berlin bietet zudem einen deutschsprachigen Livestream auf Youtube an. 

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3D-Panoramen, Geräusche, Drohnenflüge – es soll viele Highlights geben bei der Mars-2020-Mission der Nasa. Bevor das wahr werden kann, muss der Rover Perseverance erstmal die Landung überstehen. An diesem Donnerstag ist es soweit.

Diesen Donnerstag haben alle Ingenieure und Wissenschaftler, die bei der Nasa oder anderswo an der Mission des Mars-Rovers Perseverance (Beharrlichkeit) beteiligt sind, herbeigesehnt. Und doch ist allen klar, dass ihnen zunächst die Hölle bevorsteht. "Eintritt, Abstieg und Landung werden oft als die sieben Minuten des Terrors bezeichnet", sagt Swati Mohan, "denn es braucht etwa sieben Minuten, um sicher von der äußersten Atmosphäre des Mars bis zur Oberfläche zu kommen."

Sieben Minuten, in denen die Leiterin der Navigation und Steuerung der Mars-2020-Mission und ihre zahllosen Kollegen völlig machtlos sind. Nach einem monatelangen Flug ist diese kurze Zeitspanne entscheidend, die kleinste Fehlfunktion könnte den Rover verglühen oder auf dem Boden zerschellen lassen. Jahrelange Arbeit wäre umsonst gewesen, fast 2,5 Milliarden Dollar in den roten Marssand gesetzt. Kein Wunder, dass der Nasa-Kontrollraum auch diesmal in kollektiven Jubel ausbrechen wird, sollte das ersehnte Signal von einer erfolgreichen Landung endlich eintreffen.

Eine Viertelstunde quälenden Wartens

Was die Warterei noch schlimmer macht: Es dauert eine gefühlte Ewigkeit bis das erlösende Signal eintrifft. Denn für die aktuell knapp 200 Millionen Kilometer zwischen Mars und Erde braucht es eine knappe Viertelstunde. Viel viel Zeit, um sich quälende Fragen zu stellen: Ist die Sonde beim Eintritt in die Atmosphäre unbeschadet geblieben? (Zu diesem Zeitpunkt ist sie noch satte 20.000 Kilometer schnell.) Hat der Hitzeschild standgehalten? Ist der Bremsfallschirm rechtzeitig aufgegangen? Konnte der Hitzeschild ausgeklinkt werden? Funktionierten die Bremsraketen, die Landeinstrumente? Wurde der Rover sanft genug abgesetzt? Und letztlich: Ist Perseverance wirklich heil geblieben?

"Die Raumsonde muss all' das automatisch machen", stellt Flight Director Matt Smith klar. In seinen Worten schwingt bei aller Zuversicht auch ein bisschen Unglaube mit, dass so etwas wirklich möglich ist. Nur gut, dass man so etwas nicht zum ersten Mal macht: Die Landung des Rovers "Curiosity" vor neun Jahren lief vom Prinzip her ähnlich ab – und "Curiosity" ist immer noch aktiv.

Perseverance: Landung mit offenen Augen

Allerdings: Perseverance und die gesamte Mission sind eine ganz andere Nummer. Kein Rover bisher war so groß, war so komplex, war so schnell und keiner trug auch noch eine Drohne huckepack. Zudem ist der Landeplatz, auf dem der Rover um 21.55 Uhr MEZ aufsetzen soll, heikel. Nasa-Wissenschaftler Ken Farley nennt ihn "spektakulär".

Schon lange wollen die US-Raumfahrer in dem 45 Kilometer im Durchmesser großen Jezero-Krater landen, der auf der Nordhalbkugel des Mars liegt. Bisher hat man sich nicht getraut, sich immer wieder dagegen entschieden. Jetzt aber wagt die Nasa den Versuch – auch dank einer erstmals eingesetzten Abtast-Technik namens Terrain Relative Navigation, durch die der Rover noch während des Landevorgangs auf das Gelände reagieren und Klippen umschiffen kann, um einen sicheren Landeplatz zu finden. "Das ist wie eine Landung mit offenen Augen", erklärt Swati Mohan begeistert.

Jezero-Krater: Suche nach außerirdischem Leben

Allerdings funktioniert auch das nur, wenn die Landesonde mit dem Rover während der höllischen Minuten des Abstiegs die "Augen" auch wirklich öffnen kann. Im Kontrollraum der Mission Mars 2020 werden wegen der Corona-Pandemie dieses Mal weniger Menschen sitzen als sonst üblich. "Aber wenn wir die Bestätigung der Landung haben, glaube ich nicht, dass Covid uns davon abhalten kann, auf und ab zu hüpfen und die Faust zu recken", sagt der stellvertretende Projektleiter von "Mars 2020", Matt Wallace.

Warum gerade dieser Landeplatz? "Das Wissenschaftsteam hat den Jezero-Krater als einen früheren See identifiziert", erläutert Flugdirektor Smith. "Damit ist er einer der vielversprechendsten Orte, um nach Beweisen für urzeitliches mikrobielles Leben zu suchen und Proben für die zukünftige Rückkehr zur Erde zu sammeln." Mars 2020 ist die erste Mission mit dem ausdrücklichen Ziel, Beweise zu finden, dass auf dem Mars einst Leben existierte – einen zweifelsfreien Beleg für die Existenz außerirdischen Lebens.

Landestelle des Mars Rovers Perseverance im Jezero-Krater auf dem Mars
Die Landestelle von Perseverance im Jezero-Krater auf dem Mars - in einer Aufnahme des Esa-Satelliten Mars Orbiter
© Esa / DLR / FU-Berlin / Nasa / JPL-Caltech

Bodenproben in 2030er-Jahren zur Erde geholt

Mehrere Jahre lang soll der Rover am früheren Mündungsdelta des Flusses im Jezero-Krater, am früheren Seeufer entlang und zum Schluss am Kraterrand Gesteins- und Bodenproben sammeln, die zur Analyse auf die Erde gebracht werden. Der Beginn einer wahren Langzeit-Studie. Die gesammelten Proben könnten im Rahmen einer geplanten gemeinsamen Mission von Nasa und europäischer Weltraumagentur Esa in den 2030er Jahren zur Erde gebracht werden. "Die Wissenschaftler, die diese Proben analysieren werden, gehen heute noch zur Schule", sagt Nasa-Wissenschaftler Farley. "Vielleicht sind sie nicht einmal geboren."

Doch was bedeutet das schon bei Untersuchungsgegenständen, die vielleicht dreieinhalb Milliarden Jahre alt sind. Zu dieser Zeit sei der Mars der Erde "in ein paar wichtigen Hinsichten sehr ähnlich gewesen", erläutert Farley. "Er hatte eine starke Atmosphäre, er hatte Seen und Flüsse auf seiner Oberfläche und er hatte bewohnbare Lebensräume, in denen Organismen, von denen wir heute auf der Erde wissen, haben gedeihen können." Der Mars ist der einzige uns bekannte Planet, auf dem es solche Bedingungen gab.

Mars Helicopter – eine Mission in der Mission

Viel früher als die Bodenproben werden uns Bilder, Videos und erstmals auch Geräusche vom Mars erreichen - immer vorausgesetzt, alles geht gut. Schon kurz nach der Landung sollte Perseverance erste Fotos zur Erde schicken. Diese Aufnahmen sollen möglichst schon während einer Pressekonferenz nach der Landung der Öffentlichkeit präsentiert werden. Später sollen 3D-Panoramen folgen und zahllose Videos.

Wir alle dürfen uns wohl auf ganz neue faszinierende Perspektiven freuen. Denn die schon erwähnte Drohne, die Perseverance an seiner Unterseite mit auf den Roten Planeten bringt, ist praktisch eine Mission für sich. Der 1,8 Kilo leichte, sogenannte "Helikopter" mit der nicht gerade bescheidenen Bezeichnung Ingenuity (Genialität) soll das erste angetriebene irdische Fluggerät auf einem anderen Planeten werden. Bei bis zu vier Flugversuchen soll die Frage geklärt, ob und wie das Fliegen in der dünnen  Atmosphäre und der deutlich geringeren Schwerkraft des Mars möglich ist. Das Schöne dabei: Zwei Kameras an Bord werden die Rundflüge dokumentieren.

Neue Dimension der Planetenerkundung?

"Es wird die ultimative Belohnung für unser Team sein, wenn wir der Art und Weise, wie wir neue Welten erkunden, für die Zukunft eine weitere Dimension hinzufügen können", sagt Projektchefin MiMi Aung. Anders gesagt: Mit funktionstüchtigen Fluggeräten ließe sich ein Planet viel schneller und effektiver erschließen; der Traum von einer bemannten Mars-Mission würde wieder ein bisschen realistischer und nicht zu vergessen: es wäre ein enormer Image-Gewinn – nicht ganz unwichtig im Kampf um öffentliche Gelder und im Rennen der Raumfahrtnationen um die neue Welt.

Denn die anderen schlafen nicht. Während Perseverance auf dem Mars abgesetzt wird, umkreisen Orbiter aus China und den Vereinigten Arabischen Emiraten den Planeten. Sie sind erst letzte Woche dort eingetroffen.

Quellen: Nasa; Nachrichtenagentur AFP


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