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Alte Hochkultur Forscher rekonstruieren, warum die Maya Menschen opferten – und wie die grausamen Rituale abliefen

Skulpturen der Maya
Die Maya-Kultur erreichte zwischen 600 und 900 nach Christus ihren Höhepunkt
© B. Trapp / Picture Alliance
Die Maya sind bekannt für ihre brutalen Menschenopfer. Dank neuen archäologischen Erkenntnissen wird immer klarer, welchen mythischen Überlieferungen sie damit folgten.

Die Maya waren eine Hochkultur, die eindrucksvolle Bauten errichtete und gigantische Städte baute – doch das indigene Volk aus Mittelamerika pflegte auch brutale Bräuche. So waren Menschenopfer an der Tagesordnung. Während der Blütezeit der Maya-Kultur, in der sogenannten "klassischen Zeit" zwischen 400 und 900 nach Christus, wurden regelmäßig Menschen getötet, um die Götter zu besänftigen.

Lange war in der Forschung unklar, wie diese Rituale aussahen und welche Hintergründe sie genau hatten. Doch neuere Erkenntnisse tragen zu einem klareren Bild von dem bei, was sich im Maya-Reich zugetragen hat. So konnten die Archäolog:innen Holley Moyes aus den USA und Jaime J Awe aus Belize anhand von Funden in der Höhle Actun Tunichil Muknal rekonstruieren, was sich damals abgespielt hat.

Maya spielten offenbar mythische Erzählungen nach

Die Höhle liegt im heutigen Belize, das vor Jahrtausenden zum Maya-Reich gehörte. Sie wurde 1989 entdeckt und ist mehr als fünf Kilometer lang. Darin wurden bisher 21 menschliche Skelette entdeckt, darunter auch einige von Kindern, die unter fünf Jahre alt waren. Offenbar wurden diese Menschen dort aber nicht bestattet, sondern den Göttern als menschliche Opfergaben dargebracht.

Aus der räumlichen Anordnung der Skelette sowie weiterer Artefakte, die in der Höhle gefunden worden, schlossen die Forscher:innen auf die Rituale jener Zeit. Sie konnten damit beispielsweise rekonstruieren, wo die Maya standen, wenn sie ihre Opfer darbrachten. Wie realitätsgetreu diese sind, ist schwer zu überprüfen, da keine Berichte aus erster Hand über Opferungen in der Maya-Zeit erhalten sind. Moyes und Awe gehen aber davon aus, dass es sich um aufwendig gestaltete Theaterstücke handelte, die mythische Erzählungen der Maya aufgriffen.

Menschenopfer für die Götter der Unterwelt

Im Mittelpunkt stand dabei wohl eine Geschichte, die im Popol Vuh, dem heiligen Buch der Quiché-Maya, überliefert ist. Die Zwillinge Hunahpú und Ixbalanqué steigen darin in die Unterwelt hinab und fordern die Götter zu einem Ballspiel heraus. Sie besiegen die Götter und steigen dann als Sonne und Mond zum Himmel auf. Die Opferungen in den Höhlen stellen wohl diesen Mythos nach.

Höhlen verstand das Volk schon immer als eine Art Tor zur Unterwelt, während die Erde den Menschen und der Himmel den Göttern gehörte. "Sie repräsentieren einen der heiligsten Orte für die Maya", sagte Holley Moyes. Offenbar gingen die Maya davon aus, dass die Götter der Unterwelt für Dürreperioden verantwortlich waren. Deshalb brachten sie ihnen Opfer. Der Überlieferung nach durften die Gottheiten in der Unterwelt nur beschädigte Dinge empfangen, daher finden sich in den Höhlen vor allem kaputte Artefakte – und deshalb womöglich auch die grausamen Menschenopfer.

Quellen: BBC / "National Geographic"

epp

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