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Albinismus: Das Schattendasein der weißen Schwarzen

Rötliche Augen, weiße Haut - in Europa fallen Albinos weniger auf. Doch in Afrika ziehen weiße Schwarze die Blicke auf sich. Stigmatisiert, verfolgt, gequält oder geächtet, bewegen sie sich im gesellschaftlichen Abseits.

Albinos werden sie meist genannt. Betroffene bezeichnen sich lieber als Menschen mit Albinismus. Sie sind das Opfer einer Laune der Natur: Ihnen fehlt das Pigment Melanin. Albino stammt aus dem Lateinischen und bedeutet "weiß". Ignoranz, Aberglaube und Vorurteile machten sie jahrhundertelang zu gesellschaftlichen Außenseitern. In Europa fallen Albinos weniger auf, doch in Afrika führen die weißen Schwarzen ein Leben, das überschattet ist von Vorurteilen. Doch nun soll damit Schluss sein. Überall in Afrika regt sich der Widerstand. Initiativen, Organisationen oder Selbsthilfegruppen werben um Verständnis. Aufklärung, Seminare und Aktionen sollen das falsche Bild der "weißen Schwarzen" auslöschen.

"In Südafrika verbessert sich unser Image langsam", sagt Nomasonto Mazibuko, Gründerin der nationalen Albinismus-Vereinigung des Kap-Staates. Die in Soweto aufgewachsene frühere Lehrerin setzt sich für ihre Leidensgenossen ein. Sie organisiert Kampagnen, zeigt Medienpräsenz und betreibt vor allem Aufklärung. Nach ihren Angaben kommt auf dem afrikanischen Kontinent ein Albino auf 4000 Menschen, andere schätzen das Verhältnis auf eins zu 17.000.

Traumatisiert, verfolgt, gequält

Rötliche Augen, weiße Haut - in Europa fallen sie damit selten auf. In Afrika ziehen sie dagegen die Blicke auf sich. Stigmatisiert, oft auch traumatisiert, verfolgt, gequält oder geächtet bewegen sie sich gesellschaftlich im Abseits. "Die wichtigsten Faktoren beim Albinismus sind psycho-sozial. Vorurteile existieren gegen jeden, der anders ist, und es mag besonders schwierig in Nationen sein, in denen die Mehrheit dunkelhäutig ist", betonen die Veranstalter eines Albinismus-Seminars, bei dem an diesem Freitag in Johannesburg mit Mythen und alten Ängsten rund um das Thema aufgeräumt werden soll.

Einer der bekanntesten Albinos ist der afrikanische Pop-Sänger Salif Keita aus Mali. Er wurde nach seiner Geburt von seiner Familie verstoßen, weil ein Albino in seiner Kultur ein Zeichen drohenden Unglücks ist. Heute ist seine weiße Haut und sein Ruf als "goldene Stimme Afrikas" einzigartig. In anderen Kulturen existiert der Glaube, Albinismus verursache Sterilität oder der Mensch sei von dunklen Mächten bestraft. Gerade in Südafrika standen sie zu Zeiten der Apartheid zwischen allen Fronten. "In Südafrika arbeiten wir mit Krankenhäusern und Gesundheitseinrichtungen zusammen, die kostenlos Sonnenschutzmittel verteilen", sagt Mazibuko.

Rund ein Sechstel hat Hautkrebs

Rund ein Sechstel der Albinos hat Hautkrebs, und viele leiden unter starker chronischer Sonnenschädigung. Ihr Problem: In einigen Ländern Afrikas sind Sonnencremes teure Luxusartikel oder überhaut nicht vorhanden. In Malawi etwa liegt die Versorgung und Aufklärung der Albinos ganz im Argen. Sämtliche elementare Dinge fehlen: Schutzkleidung, Sonnenbrillen, Aufklärungsbroschüren.

In Namibia freut sich das Hilfswerk für Albinismus-Leidende (SINASRA) über seinen Erfolg seit der Gründung 2004. Betroffene können in ihrem Umfeld optimal aufgeklärt, beraten und medizinisch betreut werden. Die namibische Krebsvereinigung spendete Geld, ein deutscher Optiker 160 Sonnenbrillen.

Hanni Heinrich/DPA / DPA